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Braunschweig 

KZ-Gedenkstätte: Neonazis sagen Demo ab

Weil die JN an der Schillstraße eine provozierende Veranstaltung geplant hatte, formiert sich eine Gegendemonstration, zu der das Bündnis gegen Rechts aufgerufen hat.
Weil die JN an der Schillstraße eine provozierende Veranstaltung geplant hatte, formiert sich eine Gegendemonstration, zu der das Bündnis gegen Rechts aufgerufen hat.
Foto: Siegfried Denzel
  • JN-Demo und Gegendemo.
  • Neonazis provozieren an Gedenkstätte.

Braunschweig. Die angekündigte Demo der NPD-Nachwuchsorganisation Junge Nationaldemokraten ist bereits um 18.20 Uhr abgesagt worden: Nach Angaben von Einsatzabschnittsleiter Dirk Groß hatte der Anmelder der JN-Kundgebung eine Viertelstunde vor der Polizei-Durchsage an die Demonstranten die Veranstaltung abgesagt und seine Anmeldung zurückgezogen.

Damit scheint festzustehen: Die Neonazis hatten angesichts der öffentlichen Diskussion um die Kundgebung gar nicht vor, am Mittwochabend zur KZ-Gedenkstätte zu kommen - sie hatten bereits am Dienstagabend illegal ihre Kundgebung dort abgehalten, und zwar mit den von der Stadt untersagen Fackeln. Die Polizei schätzt die Zahl der Gegendemonstranten, die seit 18 Uhr eine Menschenmenge um die Gedenkstätte Schillstraße gezogen hatten, auf insgesamt 350. Die Polizei selbst war mit knapp 200 Beamten im Einsatz.

Großer Gegenprotest

Noch vor der ab 18 Uhr angekündigten Kundgebung der JN hatten sich rund um das von der Polizei abgeriegelt Gelände rund 150 Gegendemonstranten eingefunden.

Die Polizei war mit starken Kräften vertreten, die Beamten beobachten bereits die Zufahrten. Unterdessen verteilten Vertreter des Bündnisses gegen Rechts, der IG Metall und des Antifaschistischen Plenum Infomaterial an Passanten.

Die Stadt hatte der NPD-Jugend einen Marsch zur Gedenkstätte an der Schillstraße ebenso untersagt wie die Verwendung von Fackeln. Allerdings hatten am frühen Mittwochmorgen bereits "Fackelträger" rund um die Gedenkstätte zu einem Polizeieinsatz geführt.

"Froh, dass alles friedlich ablief"

"Ich bin froh, dass alles so friedlich abgelaufen ist" , sagte Martina Staats, die Vorsitzende des Arbeitskreises Andere Geschichte. Der Verein betreut im Auftrag der Stadt die KZ-Gedenkstätte und hatte als Antwort auf die Kundgebungs-Anmeldung der Neonazis kurzerhand eine Vorstandssitzung in der Gedenkstätte anberaumt. Prominentester Gast, der damit auch ein politisches Zeichen setzte: Braunschweigs Ordnungsdezernent Claus Ruppert.

Die großräumige Absperrung des Geländes durch die Polizei diente denn auch zur Durchsetzung des Vereins-Hausrechts. Dann kam die Absage durch die JN-Veranstalter... Für die Polizei übrigens nicht besonders überraschend: "Wir kennen den Veranstalter", betont Einsatzabschnittsleiter Groß. Jener habe sich in der Vergangenheit bereits ähnlich verhalten.

Hat der Aufwand auch etwas Gutes?

Nach Ansicht von Martina Staats hat sich der große Aufwand rund um den Mittwochabend dennoch gelohnt: "Ich hoffe, dass dies einen aktiven erinnerungspolitischen Prozess auslöst."

Immerhin: Etliche der rund 350 zum Protest gegen die erwarteten Neonazis erschienenen Demonstranten nutzten die Gelegenheit, nach Abbau der Sperren die Gedenktafeln durchzulesen, mit denen Verein und Stadt an das Schicksal der Hunderte Opfer im KZ Schillstraße zu erinnern.

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