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Braunschweig 

Sorgen um VW: Wie viele Stellen bleiben in Braunschweig?

Dunkle Wolken über dem VW-Werk Braunschweig: Eine Sprecherin kündigte die Schaffung eines "Transformations- und Trainingscenters" für die Mitarbeiter an.
Dunkle Wolken über dem VW-Werk Braunschweig: Eine Sprecherin kündigte die Schaffung eines "Transformations- und Trainingscenters" für die Mitarbeiter an.
Foto: Siegfried Denzel
  • Mitarbeiter fürchten gewaltigen Stellenabbau.
  • VW: Keine konkreten Zahlen für Werk Braunschweig.
  • "Transformations- und Trainingscenter" angekündigt.

Braunschweig/Wolfsburg. Wenn VW-Insider die Zustände beim weltgrößten Autokonzern beschreiben, bemühen sie auffallend häufig Begriffe aus der Medizin: "Krebsgeschwür", nannte Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrat Stephan Weil erst am Donnerstagabend bei der IHK Lüneburg-Wolfsburg die Diesel-Krise. "Kranke Motoren" habe VW-Tochter Audi an die Schwesterfirma Porsche geliefert, wetterte Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück Ende Juli.

Und gegenüber news38.de stöhnte ein frustrierter Manager aus der mittleren Ebene angesichts der Diesel- und Kartellvorwürfe: "Es ist wie eine Seuche, die uns an den Hacken klebt." Diese Seuche sei inzwischen "lebensgefährlich" für den Gesamtkonzern.

Wut auf die Verantwortlichen und die Angst um die eigene Zukunft prägen bei vielen Mitarbeitern derzeit die Stimmung - auch in dem mit rund 8.000 Beschäftigten relativ kleinen Komponenten-Werk Braunschweig. Von dort erreichten news38.de in den vergangenen Tagen einige besorgte Stimmen: Bis zu 2.000 Stellen seien dort bis Ende kommenden Jahres "zu viel", sei den Beschäftigten bedeutet worden.

Qualitätsmängel?

Der Grund seien nicht nur auslaufende beziehungsweise an externe Anbieter verlorene Zuliefer-Aufträge. Es gebe teilweise auch Qualitätsprobleme, berichteten mehrere VW-Werker: Bei Nobel-Tochter Audi habe Braunschweig zeitweise den Status als A-Lieferant verloren und nur noch in der Kategorie B rangiert.

Stimmt nicht, dementierte eine Werkssprecherin auf Nachfrage von news38.de: "Der Lieferantenstatus des Werks Braunschweig bei Audi ist unverändert." Schließlich "streben wir stets eine hohe und exzellente Qualität der Produkte an".

Keine Leiharbeiter mehr

Weniger klar fallen sowohl von Konzern-Kommunikation als auch vom Betriebsrat die Angaben zu den Beschäftigungszahlen aus. Zwar hatte Personalvorstand Karlheinz Blessing schon im Frühjahr angekündigt, dass Braunschweig die Zahl der Leih- und Zeitarbeiter auf Null reduziere. Doch für die VW-Stammbelegschaft, bekräftigte nun die Sprecherin, gelte "Beschäftigungssicherung" im Rahmen des "Zukunftspakt" genannten Sparpakets.

Demnach sollen VW-weit durch Altersteilzeit und Fluktuation bis zu 23.000 Stellen entfallen - bei gleichzeitiger Neuverpflichtung von rund 9.500 Spezialisten beispielsweise für die Elektromobilität.

"So lange wie möglich so viel wie möglich"

Doch offiziell gibt es keine Zahlen zum Werk Braunschweig - nur eine blumige Umschreibung: "Braunschweig beschäftigt so lange wie möglich so viel wie möglich." Gleichzeitig verwies die Sprecherin auf den "Transformationsprozess" des Werkes, das als "Kompetenzcenter" für Elektromobilität eine wichtige Rolle spielen solle.

Das heißt aber auch: Viele VW-Werker müssen für ihre berufliche Zukunft bereit sein, sich mit neuen Aufgaben vertraut zu machen - und möglicherweise sogar den Arbeitsort zu wechseln. Im Werk werde deshalb ein "Transformations- und Trainingscenter geschaffen", das die Mitarbeiter berät und sie auf die Anforderungen des zukünftigen Arbeitsplatzes bestmöglich vorbereitet". Und auf einem konzernweiten internen Arbeitsmarkt könnten sich Beschäftigte für neue Aufgaben bewerben.

Von Braunschweig nach Kassel

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Örtliche Flexibilität scheint bei VW ohnehin immer wichtiger. So hatte Markenchef Herbert Diess schon im Frühjahr angekündigt, dass aus dem nicht ausgelasteten Passat-Werk Emden 300 Mitarbeiter nach Osnabrück wechseln sollen. Und der Braunschweiger Betriebsrat bestätigte, dass - zunächst befristet für ein Jahr - 28 hiesige Auszubildende in Kassel eingesetzt werden sollen. Dort nämlich bestehe noch Bedarf an zusätzlichen Mitarbeitern.

Braunschweig 

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Foto: dpa
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