Gifhorn 

Unfallstatistik: In Gifhorn kracht es besonders oft

Von links: Oliver Suckow (Leiter Einsatz), Andreas Alischer (Fachbereich Einsatz) und Michael Feistel (Leiter Polizeiinspektion Gifhorn).
Von links: Oliver Suckow (Leiter Einsatz), Andreas Alischer (Fachbereich Einsatz) und Michael Feistel (Leiter Polizeiinspektion Gifhorn).
Foto: Christopher Kulling
  • Mehr Unfälle im Landkreis Gifhorn.
  • Neun Menschen starben bei Unfällen.
  • Deutlich mehr Schwerverletzte.
  • Mehr Unfallfluchten aufgeklärt.

Gifhorn. Im Landkreis Gifhorn hat es im vergangenen Jahr deutlich häufiger gekracht. Insgesamt gab es 4.547 Unfälle, so die Statistik der Polizeiinspektion Gifhorn, die am Montag, 20. März, vorgestellt wurde. Damit liegt Gifhorn in unserer Region weit vorn. "Das lässt uns nicht müde werden und treibt uns an", schickt Inspektionsleiter Michael Feistel gleich vorweg.

Neun Tote

Neun Menschen verloren bei den Unfällen ihr Leben – genau wie im Vorjahr. "Das meiste passiert auf dem Lande", erklärt Andreas Alischer (Fachbereich Einsatz). Auf den vielen Landes- und Bundesstraßen sei die Gefahr höher als in der Stadt. "Wir haben hier auch viel überregionalen Verkehr, viele kennen sich in der Region gar nicht aus", ergänzt Oliver Suckow (Leiter Einsatz).

Mehr Schwerverletzte

Einen deutlichen Anstieg gab es bei den Schwerverletzten, vor allem außerorts. 127 waren es im vergangenen Jahr insgesamt, also 21 mehr als im Vorjahr. Anders sieht es bei den Leichtverletzten aus: 700 Fälle wurden gezählt. 71 weniger als im Jahr davor. Abgenommen hat auch die Zahl der Baumunfälle (70); trotzdem endeten drei davon tödlich.

Interessant ist die in den letzten Jahren eher rückläufige Zahl an Unfällen, bei denen Alkohol im Spiel war. Tote bei Alkohol-Unfällen gab es 2016 nicht, sechs Menschen wurden schwer verletzt. Gestiegen ist die Zahl der festgestellten Alkoholfahrten, die unfallfrei ausgingen. 172 Autofahrer wurden alkoholisiert erwischt. Trauriger Spitzenreiter war ein 57-jähriger Mann, der 3,58 Promille intus hatte.

Baustelle Medikamente

Als "eine Riesenbaustelle" bezeichnet Suckow das Fahren unter Drogen- oder Medikamenteneinfluss. Sieben Unfälle gab es deswegen zuletzt – 2015 waren es nur zwei. Laut Polizei sind es bei weitem nicht nur junge Fahrer, sondern auch ältere Menschen hinterm Steuer, die es der Polizei manchmal nicht leicht machten.

"Bei Medikamenten ist die Grenze fließend", so Suckow. Die Dunkelziffer sei bei Fahrern, die unter dem Einfluss von Medikamenten stehen, wohl sehr hoch. "Manchmal machen Medikamente ja auch erst fahrtauglich", verweisen die Beamten auf Krankheiten wie Epilepsie oder Diabetis.

Erfreulich ist der Rückgang der Zahl der Unfälle mit Fußgängern. Weniger erfreulich: Trotz weniger Unfälle (47) wurden mehr Menschen schwer verletzt. Neun – im Vergleich zu vier im Vorjahr. Relativ stabil blieb die Zahl der Fahrrad-Unfälle (101); waren 2015 noch drei Fahrradfahrer ums Leben gekommen, gab es hier 2016 keine Toten. Dagegen starb ein Mensch bei einem Motorrad-Unfall. Insgesamt ging die Zahl der Unfälle hier etwas zurück (59).

Mehr Wild, mehr Unfälle

Hauptunfallursache ist und bleibt aber Wild auf der Fahrbahn. Fast 200 Unfälle (1.359) beziehungsweise 16 Prozent mehr gab es in dieser Statistik im vergangenen Jahr. Polizeisprecher Thomas Reuter erklärt das unter anderem damit, dass es schlichtweg mehr Wild gibt: "Durch den milden Winter zum Beispiel.". Die blauen Reflektoren am Straßenrand helfen bei Wildwechsel nur im Dunkeln – "wir können ja auch nicht überall Wildzäune hinstellen", sagt Reuter.

Im Falle der Unfallfluchten kann die Polizei immer mehr Fälle aufklären. Aufgrund besserer Schulungen, neuerer Technik und auch aufgrund häufigerer Zeugenhinweise habe man 13 Fluchten mehr aufklären können, so die Polizei. Die Aufklärungsquote verbesserte sich auf 41,3 Prozent.

Mehr Zulassungen

Eines ist den Polizeibeamten wichtig: Die Zahlen in der Relation zu sehen. So sagt zum Beispiel Suckow: "Es werden immer mehr Autos auf unseren Straßen zugelassen. Immer mehr Menschen sind also unterwegs – da liest sich die Unfallstatistik gleich etwas anders." Relativieren will er die Zahlen aber nicht.

Die Polizei werde auch künftig versuchen, die Quote nach unten zu schrauben. "Wir setzen da an, wo am meisten passiert – und zwar sowohl örtlich als auch ursächlich." Man spreche sich die ganze Zeit mit den Behörden ab. Es gebe an mehreren Stellen Verbesserungsbedarf, was die Sicherheit angeht, so Suckow. Neue Schilder, neuer Asphalt – das könne schon helfen.

Grundsätzlich werde man natürlich auch weiterhin Autofahrer kontrollieren – sowohl an Unfallschwerpunkten als auch anderswo. Denn: "Neue Regeln wirken nur dann, wenn sie nicht nur gemacht wurden, sondern wenn wir sie auch kontrollieren."

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Foto: Christopher Kulling
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