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So viele Unfälle mit Pedelecs wie noch nie 

Eine Frau fährt mit einem Elektrofahrrad durch Berlin.
Eine Frau fährt mit einem Elektrofahrrad durch Berlin.
Foto: dpa
  • Immer öfter passieren Unfälle mit Elektrofahrrad-Fahrern.
  • 2016 wurde ein neuer Höchststand erreicht.
  • Sind Pedelecs gefährlicher als gewöhnliche Drahtesel?

Wiesbaden/Stuttgart/Region38. Die Zahl der Unfälle mit Pedelecs in Deutschland hat 2016 einen Rekordwert erreicht. Fahrer von Rädern, die durch einen Elektromotor beim Treten verstärkt werden, waren von Januar bis September in 3.214 Unfälle verwickelt, bei denen 46 Menschen ums Leben kamen, wie das Statistische Bundesamt der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Dies entspricht einer Steigerung um 39 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, als 2.313 Unfälle mit 26 tödlich Verletzten registriert wurden.

Die Zahl aller Fahrradunfälle zwischen Januar und September stieg nur um rund sechs Prozent von 61.358 (2015) auf 64.964 (2016). Die Statistik gibt alle Unfälle mit Fahrrad-Beteiligung wieder. Welche Rolle der Fahrer beim Unfall spielte, wird nicht erfasst.

Auch die Zahl der Unfälle mit E-Bikes, bei denen der Fahrer gar nicht mehr in die Pedale treten muss und die nicht zu den Fahrrädern zählen, ist um 25 Prozent gestiegen: von 294 Unfällen zwischen Januar und September 2015 auf 367 im ersten Dreivierteljahr 2016.

"Pedelecs nicht gefährlicher"

Das Pedelec ist nach Angaben des Leiters der Unfallforschung der Versicherer (UDV), Siegfried Brockmann, nicht gefährlicher als ein gewöhnliches Fahrrad. Grund für die zunehmende Zahl an Unfällen sei auch, dass immer mehr solcher Fahrräder verkauft würden. Zudem führen durch die Elektrounterstützung wieder mehr ältere Menschen Rad. "Gerade Senioren bilden eine neue Nutzergruppe, die jetzt wieder ungeschützt auf dem Zweirad sitzt", sagte Brockmann.

Der Zweiradindustrieverband schätzte die Zahl der Pedelecs und zulassungspflichtigen E-Bikes auf deutschen Straßen zuletzt im Jahr 2015 auf rund 2,5 Millionen, das entspricht rund 3,5 Prozent der 72 Millionen Fahrräder. Die Statistik über Unfälle mit Pedelecs und E-Bikes wird beim Statistischen Bundesamt seit 2014 geführt.

Unfälle in der Region38

Wir haben mit mehreren Polizeisprechern aus der Region gesprochen. Alle sagten uns, dass Unfälle mit Pedelecs und E-Bikes immer die gleichen Ursachen hätten. Sabine Goldfuß von der Polizei Salzgitter etwa sagte, oft unterschätzten Autofahrer die Räder, weil sie womöglich deren Geschwindigkeit unterschätzten. So schreibt es uns auch Peter Rathai von der Polizei Peine. Bei Alleinunfällen wiederum schätzten die Radler die Beschleunigung oder Geschwindigkeit falsch ein.

Kein Fehler, aber Opfer

Dem stimmt auch Braunschweigs Polizeisprecher Wolfgang Klages zu: "In den allermeisten Fällen nutzen ältere Menschen ein Elektrofahrrad – das 'Handling' ist gar nicht so einfach. Deswegen empfehlen wir, auf möglichst auf wenig befahrenen Straßen oder anderen geeigneten Plätzen zu üben." Oft sei es auch so, dass die E-Radler gar keinen Fehler machen, aber trotzdem zum Opfer werden. Ein Helm schade darüber hinaus auch nie.

Tödlicher Unfall in Braunschweig

Einen tödlichen Unfall hatte es 2015 in Braunschweig gegeben. Eine 63-Jährige Frau starb damals. Zuletzt rutschte im November vergangenen Jahres eine 70-jährige Frau am Südsee mit ihrem E-Fahrrad auf nassem Laub aus. Sie stürzte dermaßen unglücklich, dass sie sogar in Lebensgefahr war.

Im Bereich der Polizei Salzgitter hat es in den beiden vergangenen Jahren insgesamt sieben Unfälle mit Pedelecs beziehungsweise E-Bikes gegeben. Dabei seien ein Mensch schwer- und drei Menschen leicht verletzt worden.

Die Polizei Peine hat im vergangenen Jahr vier entsprechende Unfälle gezählt.

Die Polizei Wolfenbüttel hat in den letzten beiden Jahren insgesamt sieben Unfälle mit Pedelecs oder E-Bikes aufgenommen. Hierbei wurden zwei Fahrer schwer und vier leicht verletzt.

Pedelec und E-Bike: Der Unterschied

Alle reden vom E-Bike. Damit meinen sie meist das sogenannte Pedelec (Pedal Electric Cycle) - ein elektrisches Fahrrad zum Treten. Bei diesen Modellen springt der Motor nur an, wenn der Fahrer in die Pedale tritt. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 25 Stundenkilometern.

Behördliche Zulassung mit Nummernschild und Versicherung ist nicht erforderlich. Die braucht nur, wer Pedelecs mit bis zu 40 Kilometern pro Stunde fahren will. Das gilt auch für die eigentlichen E-Bikes, die von Elektromotoren und ohne Muskelkraft angetrieben werden. Sie bringen es auf bis zu 100 Stundenkilometer und sind eher Mofas oder Motorräder.

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