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Polizisten als Prügel-Opfer: Fast 600 Angriffe im vorigen Jahr

Angriffe auf Polizeibeamte sind im vergangenen Jahr in der Region zahlreicher geworden (Archivbild).
Angriffe auf Polizeibeamte sind im vergangenen Jahr in der Region zahlreicher geworden (Archivbild).
Foto: dpa
  • Polizeisprecher berichten: Gewalt gegen Beamte nimmt zu.
  • Vorläufige Statistik für 2016: 597 Angriffe im Direktionsbereich.
  • 165 verletzte Beamte.

Region38. Die Polizei, dein Freund und Helfer? Das ist lange vorbei - jedenfall in der Wahrnehmung vieler Bürger: Beamte gelten oft nicht mehr als Menschen, die für Ordnung und Sicherheit stehen - sondern sind Hassobjekte.

In der vorläufigen Statistik der Polizeidirektion Braunschweig drückt sich das in einer Zahl aus: 597. So viele körperliche Angriffe gegen Beamte hat es im vergangenen Jahr gegeben. Wobei der Braunschweiger Polizeisprecher Wolfgang Klages dieser Statistik nicht blindlings vertraut: "Da gibt es sicher noch eine Dunkelziffer."

Blaue Flecke "gibts's relativ häufig - wenn ich da jedes Mal eine Anzeige schreiben würde...", bestätigt eine Einsatzbeamtin aus Salzgitter gegenüber news38.de.

Doch auch abseits dieser Dunkelziffer ist die Statistik eindeutig: "Wir haben im vergangenen Jahr eine Steigerung bei der Zahl der verletzten Beamten", beschreibt Sabine Goldfuß, die Sprecherin der Inspektion Salzgitter-Peine-Wolfenbüttel. Auch die Zahl der Beleidigungen sei gestiegen.

Gewerkschafter: Polizisten sind Freiwild

Ihr Braunschweiger Kollege Klages drückt es so aus: "Der Ton in der Gesellschaft wird rauer - das bekommt die Kassiererin im Supermarkt, der Busfahrer oder eben der Polizist zu spüren." Damit ist die Region38 aber kein unrühmlicher Ausreißer - die Entwicklung ist bundesweit zu beobachten: Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) kündigt schärfere Strafen für Angriffe auf Ordnungskräfte an, was bei Deutschlands oberstem Polizeigewerkschafter Oliver Malchow jedoch nur zu begrenztem Applaus führt: Zu lange habe der Staat als Dienstherr zugeschaut, "wie Polizeibeamte mehr und mehr zu Freiwild geworden sind".

Allein im Bereich der Polizeiinspektion Braunschweig habe es zwischen Januar und August vergangenen Jahres 19 Angriffe auf Beamte gegeben, die unter der Rubrik "gefährliche Körperverletzung" registriert sind - sechs mehr als im gleichen Zeitraum 2015.

Als "Gegenmittel" setzt die Polizei auf Technik: Seit Dezember sind zwei sogenannte Body-Cams bei den Braunschweiger Beamten im Einsatz, zwei weitere in Salzgitter.

"Wir hoffen, dass das eine Trendwende bringt", kommentiert Wolfgang Klages. Einerseits sollen die Kameras potenzielle Angreifer abschrecken - andererseits die Beweisführung nach Tritten oder Schlägen gegen die Beamten erleichtern.

Kampfsportler verprügelt vier Beamte

Zwar haben die hiesigen Ordnungskräfte noch keinen solchen Gewalt-Exzess erleben müssen wie ihre Kollegen vor wenigen Tagen im südostbrandenburgischen Guben: Dort prügelte ein einziger Kampfsportler nach einem Beziehungsstreit vier Polizeibeamte krankenhausreif. Aber auch zwischen Harz und Heide gilt: "Die Zahl der Auseinandersetzungen selbst bei Alltagseinsätzen hat zugenommen."

165 Ordnungshüter verletzt

Auch dies lässt sich an Zahlen ablesen: Unter den im vergangenen Jahr direktionsweit verzeichneten 597 körperlichen Angriffen hatten 165 konkrete Folgen. 164 Mal erlitten die Beamten leichte Verletzungen, in einem Fall musste ein Polizist schwer verletzt ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Ein besonders krasser Fall von Gewalt gegen Ordnungskräfte liegt indes schon dreieinhalb Jahre zurück: 2013 hatten nach dem Aufstieg von Eintracht Braunschweig in die Fußball-Bundesliga rund 100 alkoholisierte Hooligans in der Neuen Straße Polizisten mit Stühlen, Bistrotischen, Biergläsern und Aschenbechern attackiert. 29 Beamte erlitten zum Teil schwere Verletzungen.

Das Landgericht Braunschweig schickte einen damals 31-Jährigen für ein Jahr und fünf Monate ins Gefängnis; 23 weitere kamen mit Bewährungsstrafen zwischen fünf und 14 Monaten davon.