News38 

Markus Lanz – Linken-Politikerin packt nach Blumenwurf aus: „Perfide Methoden der AfD“

Markus Lanz: Thüringens Linken-Fraktionschefin  Susanna Hennig-Wellsow sorgte für Aufsehen, als sie FDP-Mann Thomas Kemmerich einen Blumenstrauß vor die Füße warf.
Markus Lanz: Thüringens Linken-Fraktionschefin Susanna Hennig-Wellsow sorgte für Aufsehen, als sie FDP-Mann Thomas Kemmerich einen Blumenstrauß vor die Füße warf.
Foto: ZDF

Historische Vergleiche haben Hochkunjunktur nach dem Wahl-Debakel von Thüringen. Markus Lanz macht dankbar mit – wenngleich sein Vergleich weniger schief ist als viele andere der vergangenen Tage.

Er nennt Susanne Hennig-Wellsow in einer historischen Reihe mit Beate Klarsfeld, die Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger einst eine schallende Ohrfeige verpasste und Joschka Fischer, der Bundestagsvize Richard Stücklen ein Arschloch nannte.

Markus Lanz: Susanne Hennig-Wellsow und der Erfurter Blumenwurf

Die Thüringer Linken-Fraktionschefin Susanne Hennig-Wellsow sorgte am Mittwoch für einen ähnlichen Eklat mit hohem Symbolwert, der sicher in die Geschichte eingehen wird: Sie warf Thomas Kemmerich nach dessen höchst umstrittener Wahl zum Ministerpräsidentin demonstrativ einen Blumenstrauß vor die Füße.

Der FDP-Mann stand da wie vom Donner gerührt. Ihm blieb nichts anderes übrig, als in einer Art Übersprungshandlung krampfhaft seine Hände zu kneten - eine öffentliche Demütigung vor laufenden Kameras.

+++ „Heute Journal“: ZDF-Journalist greift Kanzlerin an – „Angela Merkel hat...“ +++

Mit dem Namen Susanne Hennig-Wellsow konnten die meisten Deutschen außerhalb von Thüringen noch vor zwei Wochen nicht viel anfangen – mit dem Namen Thomas Kemmerich übrigens auch nicht. Seit dem Erfurter Blumenwurf kennt sie aber wohl jeder.

+++ WDR: Sender macht sich zum Weichei der Republik – ein Kommentar +++

„Warum haben Sie das gemacht?“, fragt Markus Lanz die Linken-Politikerin.

„Wie soll ich erklären, dass Faschisten ihren Ministerpäsidenten wählen?"

„Wir haben am 27. Oktober im Thüringer Landtag mit KZ-Überlebenden der Opfer des Nationalsozialismus gedacht“, erzählt sie. Günter Pappenheim - Widerstandskämpfer gegen das Naziregime, KZ-Überlebender und späterer SED-Funktionär - habe erzählt, wie es dazu gekommen sei, dass die Nazis Deutschland übernehmen konnten.

„Als das Wahlergebnis verkündet worden ist und Herr Kemmerich es annahm, habe ich tiefe Verachtung gegenüber Herrn Kemmerich empfunden“, sagt Susanne Hennig-Wellsow - und man ahnt: Das Ereignis fasst sie immer noch an. Mit leichtem Zittern in der Stimme fährt sie fort: „Wie soll ich das meinem Freund Günter Pappenheim mit seinen 94 Jahren erklären, dass hier sich Faschisten ihren eigenen Ministerpräsidenten wählen. Deswegen hab ich mich entschieden, dass ich nicht das Protokoll einhalte, weil nach so einem Tabubruch nicht das Protokoll einhalten kann.“

+++ Thüringen: Thomas Kemmerich muss sofort zurücktreten: aus diesem Grund – ein Kommentar +++

Thomas Kemmerich wurde nach der Wahl beschimpft und bedroht. Ob der Blumenwurf die Wut mancher Menschen, die ohnehin nicht mehr in der Lage sind, die Grenzen zwischen korrekt und nicht korrekt zu erkennen, noch befeuert hat, sei dahingestellt. Markus Lanz jedenfalls formuliert es so: „Herr Kemmerich ist kein Faschist, ganz ohne Zweifel. Ich frage mich, ob sie das bereut haben. Man muss sich in diesen unruhigen Zeiten überlegen, was das nicht nur für ihn, sondern auch für seine Familie bedeutet. Haben Sie darüber nachgedacht?“

Markus Lanz: Thomas Kemmerich ist kein Faschist

„Thomas Kemmerich ist kein Faschist. Aber er hat es kalkuliert und geplant, mit der Höcke-AfD gewählt zu werden. Es ist überhaupt nicht zu akzeptieren, dass er oder seine Familie bedroht werden. Ich kann Ihnen aber sagen, dass das selbe für meine Person gilt, für Bodo Ramelow gilt. Wenn ich Ihnen erzählen würde, wie die AfD unsere Abgeordneten bedroht ...“

+++ AKK-Hammer: CDU-Chefin will keine Kanzlerin werden – und zieht weitere drastische Konsequenz +++

Markus Lanz unterbricht sofort: „Können Sie das mal erzählen?“ Und die Linken-Politikerin berichtet von - wie sie sagt - den „perfiden Methoden der AfDler“: „Wir haben eine junge Abgeordnete, die war neulich im Fahrstuhl. Da kamen AfD-Abgeordnete dazu und stellten sich extrem nah mit ihren Gesichtern vor sie und grinsten sie an. Eine Situation, aus der sich nicht herauskommt.“

„Die AfD ist keine bürgerliche Partei“

Ein anderes „extremes Gegenbeispiel“ sei übertriebene Freundlichkeit. Eine Methode, die man auch von den Nazis kenne. „Das ist eine AfD, das ist keine bürgerliche Partei, das kann man wissen, wenn man Björn Höcke zuhört.“

Warum habe Kemmerich denn dann die Wahl angenommen, will Lanz wissen. „Ich glaube, es war reine Machtgeilheit“, sagt Susanne Hennig-Wellsow.

Thomas Kemmerich ist nach seinem Rücktritt nur noch geschäftsführend im Amt.