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Duisburg: Mann (58) wacht nachts durch Lärm auf – plötzlich sieht er Pistole und Messer vor sich

Duisburg: Prozess gegen eine Einbrecherbande. Sie überraschte Karl-Heinz Klötgen im Schlaf.
Duisburg: Prozess gegen eine Einbrecherbande. Sie überraschte Karl-Heinz Klötgen im Schlaf.
Foto: dpa/Marcel Storch; Montage: DER WESTEN

Hamminkeln/Duisburg. Es klingt wie ein Albtraum - für Karl-Heinz Klötgen (58) aus Hamminkeln-Dingden wurde er bittere Realität.

Der Inhaber einer Gärtnerei schlief an jenem 6. Juni vor zwei Jahren gegen halb drei nachts im Bett, der Fernseher lief noch. Plötzlich hörte er Geräusche, eine große Vase krachte zu Boden. „Bis ich aus dem Tiefschlaf richtig wach war und realisiert habe, was los ist, saßen die schon auf mir drauf“, erzählt Klötgen. Vor seinen Augen eine Pistole und ein Messer! Es war der Start eines halbstündigen Martyriums, dass ihn und seine Lebensgefährtin bis heute verfolgt.

Gegen drei der vier Peiniger sollte am Landgericht Duisburg am Dienstag der Prozess starten. Doch dazu kam es nicht. Aber darüber später mehr.

So entsteht ein Phantombild
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Duisburg: Paar aus Hamminkeln brutal überfallen

Zunächst zurück zum jenem 6. Juni 2018. Die vier mutmaßlichen Täter zerrten Klötgen und seine Partnerin, die wegen unterschiedlicher Arbeitszeiten im Nachbarzimmer schlief, aus den Betten. „Sie haben uns in ein Zimmer gepfercht, uns an Füßen und Händen geknebelt“, erzählt er. Auch den Mund versuchten sie zu knebeln, doch das Paar wehrte sich heftig, woraufhin die mutmaßlichen Täter zumindest davon abließen.

Dann durchsuchten die vier Männer das Haus des Paares nach Wertsachen. Sie durchwühlten Schränke, wollten wissen, wo Wertsachen versteckt sind. Dem Paar wurde immer wieder gedroht. „Wir hatten Todesangst, das kann man nicht beschreiben!,“ erzählt Klötgen.

Geschädigter kann sich mit Messer befreien

Die brutalen Einbrecher erbeuteten am Ende 30.000 Euro und teure Uhren. Nach eine halben Stunde war der Horror vorbei. Zur Haustür verschwanden die mutmaßlichen Täter. Klötgen hüpfte in die Küche, fischte mit dem Mund ein Messer aus der Schublade und öffnete die Fesseln. Schnell sei die kontaktierte Kripo vor Ort gewesen, erzählt er. Doch die Einbrecher waren da schon über alle Berge - zu Fuß geflüchtet.

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Doch nach einem Überfall in Markdorf am Bodensee wurde die kosovarische Bande gefasst und vom Landgericht Konstanz im März zu längeren Haftstrafen verurteilt.

Die Männer aus einem Dorf im Kosovo waren für Einbrüche zwischen Juli 2017 und Juni 2018 auch in der Gegend um Bocholt verantwortlich. Zum Teil lauerten sie extra bis ihre Opfer zu Hause waren, um dann einzubrechen.

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Staatsanwaltschaft stellte Verfahren ein

Drei der vier mutmaßlichen Täter mussten sich am Dienstag in Duisburg wegen des Überfalls auf Karl-Heinz Klötgen und seine Lebensgefährtin vor Gericht verantworten. Beinahe wäre es dazu gar nicht gekommen.

Die Staatsanwaltschaft Münster hatte ihr eigenes Verfahren wegen Einbrüchen in NRW nach der Verurteilung in Konstanz gegen die Bande eingestellt. Immerhin das Verfahren im Fall Hamminkeln fand es nun in Duisburg aber doch noch vor Gericht. Zur Erleichterung des Geschädigten. „Ich konnte gar nicht glauben, dass das erst nicht angeklagt werden sollte. Entsprechend bin ich sehr froh darüber, dass es jetzt doch dazu gekommen ist“, schildert er.

Vorwurf erpresserischer Menschenraub

Den drei Männern zwischen 25 und 31 Jahren wird erpresserischer Menschenraub und besonders schwere räuberische Erpressung vorgeworfen. „Der erpresserische Menschenraub setzt nicht zwingend eine klassische Entführung voraus“, erklärt Gerichtssprecherin Sarah Bader dazu. „Strafbar ist es zum Beispiel auch, durch Bedrohungen und körperliche Überlegenheit Gewalt über das Opfer zu erlangen, sodass dieses sich nicht traut sich zu wehren oder zu fliehen und der Täter diese Lage des Opfers zu einer Erpressung ausnutzt.“ Bei einer Verurteilung drohen bis zu 15 Jahre Haft. Im Fall der drei Angeklagten soll wohl eine Gesamtfreiheitsstrafe gebildet werden. Zwei wollen sich laut ihren Verteidigerin im Verfahren geständig zeigen.

Pleiten, Pech und Pannen

Am Dienstag kam es dazu nicht. Denn ein Angeklagter fehlte zum Prozessauftakt. Der Inhaftierte war nicht nach Duisburg zum Prozess gebracht worden. Hintergrund: ein Ersuchen zum Transport nach Duisburg ging an die JVA, in der er inhaftiert gewesen war. Doch in der Zwischenzeit war der Kosovare nach Freiburg verlegt worden. Hier kam das Ersuchen zum Transport nach Duisburg aber nicht an.

Die Aufregung vor dem Wiedersehen mit den brutalen Peinigern bei den Geschädigten also umsonst. „Wir hatten schon ein mulmiges Gefühl vorher“, verrät Klötgen.

Nicht die einzige Panne: auch von wichtigen Akten fehlte zum Prozessbeginn jede Spur. Da der inhaftierte Angeklagte bis Mittwoch nicht nach Duisburg gebracht werden kann, soll der Prozess jetzt erst im neuen Jahr beginnen. Für Karl-Heinz Klötgen heißt das weiter warten auf Antworten zu seinen vielen offenen Fragen.