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Konzerte 2021: Veranstalter blickt auf das kommende Jahr – seine Worte tun weh

Wird es 2021 wieder solche Bilder geben?
Wird es 2021 wieder solche Bilder geben?
Foto: imago images / Agencia EFE

Für Musikfans war das Jahr 2020 ein verschenktes Jahr. Die großen Konzerte fielen reihenweise aus, Festivals wurden abgesagt, reihenweise Auftritte auf das kommende Jahr verschoben. Doch wird 2021 alles besser?

Werden wir im Juni oder Juli wieder mit Bierchen und Bratwurst über die Festivalwiesen spazieren können und in großen Arenen zu Helene Fischer, Iron Maiden und Co. tanzen? Wir haben mit Konzert-Veranstalter Fred Handwerker gesprochen. Er organisiert unter anderem die Tourneen von Deep Purple, Nena oder Tokio Hotel. Wie schätzt er die Lage ein?

Herr Handwerker, wie wird das kommende Jahr veranstaltungstechnisch aussehen?

Für die freien Veranstalter, so wie wir es auch sind, wird es weit bis ins nächste Jahr dauern, bis wir wieder einigermaßen normale Verhältnisse haben. Das liegt daran, dass wir mit reduzierten Kapazitäten in der Regel nichts anfangen können. Einfach gesagt: 50 Prozent Kapazität helfen uns nicht weiter.

Was würde Ihnen weiterhelfen?

Wir brauchen die Konzertverhältnisse, die wir vor der Pandemie hatten. Und das erwarte ich frühestens Ende nächsten Jahres. Im vierten Quartal hoffe ich, dass wir zumindest kleinere Größenordnungen, so 1.000 bis 2.000 Zuschauer, wieder normal, das heißt ohne AHA-Regel, veranstalten können.

Das würde bedeuten, dass die großen Konzerte und Festivals, die bereits im kommenden Sommer stattfinden sollen, vermutlich nicht veranstaltet werden können?

Genau. Ich denke nicht, dass die Impfphase so schnell vonstattengehen wird. Die Forderung, das jetzt schnell alles umzusetzen, ist zwar richtig und berechtigt. Aber die Praxis wird zeigen, dass das doch länger dauern wird. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir im Juni, Juli, August, also der Zeit der Festivals und Open Airs, Größenordnungen haben, die in die Tausende bis Zehntausende von Zuschauern gehen. Veranstaltungen mit 50.000/60.000 Menschen kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.

Und doch sind viele, auch große Konzerte für kommendes Jahr bereits ausverkauft. Können Sie Unterschiede im Ticketverkauf seit Corona feststellen?

Grundsätzlich herrscht der Konsens, dass alle wollen, dass wieder Konzerte stattfinden. Alle vermissen das und können sich nichts Schöneres vorstellen, als wieder zu normalen Verhältnissen zurückzukehren. Das führt in der Tat dazu, dass die Menschen Karten kaufen. Aber längst nicht in der Größenordnung, wie es normal wäre. Die Monate im Weihnachtsgeschäft gehören zu den mit Abstand umsatzstärksten. Das ist in diesem Jahr nicht annähernd so. Man muss da allerdings nach Altersgruppe differenzieren. Bei jungen Leuten beziehungsweise jungen Themen ist der Verkauf sehr viel stärker als in der Zielgruppe, die zur Risikogruppe zählt.

Nun sind Zuschauer und Veranstalter die eine Seite der Medaille. Wie nehmen Sie die Verunsicherung bei den Künstlern wahr? Besteht gerade überhaupt der Wunsch, neue Tourneen zu starten, schließlich könnten sie direkt wieder verschoben werden?

Die Planungen, besonders für die ganz großen Künstler, die auf Europa- oder Welttournee gehen, finden natürlich statt. Dort ist der Vorlauf auch sehr groß. Wir bereiten beispielsweise gerade die „Tokio Hotel“-Tour vor. Die Band geht im Herbst nächsten Jahres auf Europatournee. Wir planen also schon neue Themen. Die Künstler wollen gerne spielen.

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Das ist Handwerker Promotion:

  • handwerker Promotion plant und organisiert Konzerte in ganz NRW
  • das Unternehmen organisierte unter anderem Konzerte von Nena, Böhse Onkelz oder Iron Maiden
  • das Unternehmen hat seinen Sitz in Unna

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Neue Tourneen bedeuten auch neue Ticketverkäufe. Werden die Preise durch Corona steigen?

Die Kosten werden etwas steigen. Das ist bedingt durch den höheren Aufwand, den wir im Bereich von Personal und Hygienekonzepten leisten müssen.

Das zweite große Problem liegt in den Gesamtstrukturen des Live-Entertainments. Mit Strukturen meine ich die Clubs, die Venues und natürlich alles, was im Bereich Logistik und Personal notwendig ist, um Konzerte durchzuführen. In dem Bereich finden gerade große Veränderungen statt. Durch den Wegfall der Einnahmen werden es nicht alle schaffen. Personal wird sich umorientieren. Wenn sich beispielsweise ein qualifizierter Ton- oder Lichtmann umorientiert und die Branche wechselt, wird er uns an dem Tag fehlen, an dem es wieder losgeht. Da sehe ich eine große Gefahr. Daher hoffe ich sehr, dass die Programme vonseiten der Regierung schnell und unkompliziert bei den Leuten ankommen. Wie ich das höre, ist das derzeit leider nicht der Fall.

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Wir sprachen gerade überTicketpreise. Wann, denken Sie, ist der Punkt erreicht, an dem der Kunde nicht mehr mitmacht?

Wir versuchen als Veranstalter schon im Auge zu behalten, was geht und was nicht geht. Ich muss aber auch sagen, dass ich manchmal überrascht davon bin, was da geht. Wenn ich mir vorstelle, dass ein U2-Ticket um die 200 Euro kostet, dann ist das eine Größenordnung, die hätte ich mir vor fünf Jahren nicht vorstellen können. Die Preispolitik richtet sich aber natürlich auch an die Zielgruppe. Was können die sich leisten?

Ich hoffe natürlich, dass das alles nicht überdreht wird, weil wir da als Veranstalter gar nicht mehr groß den Einfluss darauf haben. Dann heißt es nur: Der Künstler möchte so viel. Dann kommen noch die Kosten oben drauf und daraus ergibt sich der Ticketpreis. Der Veranstalter gestaltet den Preis ja gar nicht. Am Ende des Tages müssen wir die Kosten umlegen, die wir brauchen. Natürlich müssen wir auch etwas verdienen. Aber die Marge für den Veranstalter liegt je nach Größe des Konzertes nur zwischen zwei und zehn Prozent.