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NDR distanziert sich von Film! Er spielte auch in Gifhorn – „Gaukelt Authentizität vor, die er nicht hat“

Wohnwagen von Prostituierten am Straßenrand in Gifhorn. (Symbolbild)
Wohnwagen von Prostituierten am Straßenrand in Gifhorn. (Symbolbild)
Foto: IMAGO / imagebroker

Gifhorn. Alles nur Show? Der NDR distanziert sich nun vom preisgekröhnten Dokumentarfilm „Lovemobil“ aus Gifhorn, da er für einen verpflichtenden Wahrheitsanspruch nicht authentisch genug sei.

Der Kino-Dokumentarfilm „Lovemobil“ wurde unter anderem aus Mitteln der „Nordmedia Filmförderung“ finanziert, an dem die NDR-Dokumentarfilmredaktion als Co-Produzent beteiligt war. Der Film schildert das Leben von Prostituierten, die unter schrecklichen Umständen in Wohnmobilen bei Gifhorn arbeiten.

Der Film ist weltweit auf Festivals gelaufen, wurde im Juli 2020 mit dem Deutschen Dokumentarfilmpreis ausgezeichnet und ist nun für den Grimme-Preis nominiert.

Die unwahre Doku aus Gifhorn?

Nun sind der Autorin Recherchen der „STRG_F“- Redaktion auf die Schliche gekommen. Die Autorin Elke Margarete Lehrenkrauss soll große Teile des Kino-Dokumentarfilms frei erfunden haben. Der Film soll zwar auf Basis von ihren langjährigen Recherchen entstanden sein, jedoch sollen zentrale Protagonisten des Films nicht ihre eigenen Erfahrungen schildern. Zahlreiche Situationen sind nachgestellt oder inszeniert. Doch warum ist das überhaupt so problematisch?

Frank Beckmann aus der Programmdirektion Fernsehen erzählt: „Der Film 'Lovemobil' entspricht nicht den Standards, die der NDR an dokumentarisches Erzählen anlegt. Er gaukelt dem Publikum eine Authentizität vor, die er nicht hat.“ Da der Film ein Dokumentarfilm ist, muss er wie jeder Dokumentarfilm nicht nur authentisch, sondern wahr sein. Fiktion und Wirklichkeit müssen hier deutlich getrennt werden.

Autorin weist Schuld von sich ab

Auslöser für die kritische Untersuchung des Films waren Recherchen von „STRG_F“. Sie hatten Informationen aus dem Umfeld der Produktion bekommen. Danach stießen sie bei eigenen Nachforschungen auf Unstimmigkeiten. „Lovemobil“ wurde von der NDR-Dokumentarfilmredaktion redaktionell begleitet und abgenommen. Die Redaktion beteuert während der mehrjährigen Produktionszeit zu keinem Zeitpunkt über die Inszenierungen informiert worden sein.

Im Interview mit „STRG_F“ räumt Elke Margarete Lehrenkrauss ein, es versäumt zu haben, den NDR über die Inszenierungen zu informieren. Sie bereue das, behauptet aber zugleich, der NDR habe nicht nachgefragt. Die NDR-Dokumentarfilmredaktion weist den Vorwurf jedoch zurück. Zur „STRG_F“-Redaktion sagt sie: „Ich kann mir auf jeden Fall nicht vorwerfen, die Realität verfälscht zu haben, weil diese Realität, die ich in dem Film geschaffen habe, ist eine viel authentischere Realität.“

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Schauspieler keine Betroffenen

Unter anderem räumte sie ein, Bekannte als Darsteller eingesetzt zu haben. Außerdem sei die Prostituierte „Rita“ im Film „Lovemobil“ überhaupt keine Prostituierte. Und auch „Milena“ arbeitet nicht wie im Film dargestellt als Prostituierte in einem Wohnmobil bei Gifhorn. Beide sollen die Situationen lediglich nachgespielt haben.

Der NDR berichtet nun, dass er den Sachverhalt in seinen Programmen transparent machen und unabhängig berichten wird. Es werde sich nun um eine lückenlose Aufklärung auf verschiedenen Formaten des Senders gekümmert werden. (mbe)