Braunschweig 

Gemeinsam trainieren - Barrieren im Kopf abbauen

Foto: Mareike van Gerpen

Braunschweig. Dunkle Wolken ziehen über das Stadion von Eintracht Braunschweig. Es regnet. Vor einem Seiteneingang des Stadions stehen am Morgen des Pfingstsonntag, 15. Mai 2016, viele Kinder und ihre Eltern, mit Sporttaschen über den Schultern. Gekommen sind sie zu einem inklusiven Training, das die Eintracht Braunschweig Stiftung gemeinsam mit "BINAS - Braunschweig integriert natürlich alle Sportler" rund um den Zweitliga-Spieltag der Löwen gegen Fortuna Düsseldorf veranstaltet.

Mittlerweile mischt sich Hagel unter die Regentropfen und die Kinder ziehen Mützen und Regenjacken aus den Rucksäcken. Maulig wird trotzdem keiner - alle freuen sich seit Monaten auf diesen Tag, dessen Highlight das gemeinsame Auflaufen mit den Spielern zum letzten Heimspiel sein wird.

"Wer hat gestern nicht aufgegessen?"

Dann geht es los: Dennis Opel, Leiter von Eintracht4 Kids, kommt, vollbepackt mit Plastiktüten zu der Gruppe und fragt, wer denn seinen Teller gestern nicht leer gegessen hätte. Miriam Herzberg, Geschäftsführender Vorstand der Eintracht Braunschweig Stiftung, meint nur: "Wenn das Wetter nicht mitspielt, müssen wir halt improvisieren. Das war das Einzige, was wir heute nicht beeinflussen konnten." Nun bekommt jedes Kind eine Plastiktüte. Darin finden sie eine Eintrittskarte für das Spiel am Nachmittag, ein Trikot, mit dem eigenen Namen und der Wunschnummer und noch viele schöne Kleinigkeiten. Dennis Opel fackelt nicht lange und fordert Kinder und Eltern auf, mit in die Kabine zu kommen. Dort werden schnell die Trikots übergezogen und ab geht es auf den B-Platz. Und auf einmal spielt auch das Wetter mit. Plötzlich kommt die Sonne raus. 14 Kinder mit motorischer und intellektueller Beeinträchtigung aus der Fußball-AG, einer Kooperation der Sportfreunde Braunschweig e.V. und des Köki - Verein zur Förderung körperbehinderter Kinder e.V., kicken nun gemeinsam mit elf Kindern aus dem KidsClub von Eintracht Braunschweig und Vereinsmaskottchen Leo. Sogar vom Chiemsee ist eine Familie angereist, damit die beiden Töchter an dem Training teilnehmen konnten.

Hier ein paar Eindrücke von dem inklusiven Training

"Wir möchten mit unserem Engagement dazu beitragen, dass das Thema Inklusion in der Gesellschaft noch selbstverständlicher wird“, erklärt Miriam Herzberg die Motivation des Projekts. „Die Kinder haben vorgelebt, dass man ohne Vorurteile aufeinander zugehen und gemeinsam viel Spaß haben kann.“ Dieses Projekt führt die Kinder nicht nur beim Training zusammen, sondern sie verbringen den ganzen Tag zusammen. Zum Mittag gibt es vom Stadion Catering Wurst und Pommes. Am Nachmittag laufen dann alle Kinder gemeinsam mit den Spielern und dem Schiedsrichtergespann auf den Platz im ausverkauften Stadion auf. „BINAS fordert Akzeptanz. Damit solche Veranstaltungen wie heute, bei denen Kinder mit und ohne Handicap gemeinsam Fußball spielen und gemeinsam die Eintracht anfeuern, keine Ausnahme mehr sind, sondern Normalität“, sagte Otfried Morin, Behindertenbeirat Braunschweig e.V., Projektleiter BINAS.

„Sport ist ein sozialer Motor. Wer das Thema Inklusion ernst meint, der muss Begegnungen schaffen. Ich finde es bemerkenswert, wie gut das heute funktioniert hat und freue mich, dass ein Verein wie Eintracht Braunschweig diesem Thema Raum gibt“, sagte Dr. Andrea Hanke, Sozialdezernentin der Stadt Braunschweig und stellvertretende Vorsitzende des Kuratoriums der Eintracht Braunschweig Stiftung. Nur so könne man Barrieren im Kopf wirklich abbauen.

Stolz gehen die Kinder mit den Spielern in die Arena

Die Kinder werden wohl noch lange an diesen Tag denken. Wie es bei Eintracht ausgegangen ist, berichten wir Sonntagnachmittag, 15. Mai 2016, in unserem Liveticker.