Braunschweig 

WESTand: Hoffnung für alten Klinker-Giebel

Industriegebäude am Ringgleis.
Industriegebäude am Ringgleis.
Foto: Fabien Tronnier

Braunschweig. Es kann wohl doch eine Rettung geben für den markanten Treppengiebel einer alten Lagerhalle am Ringgleis, der aus Kostengründen schon dem Abbruch geweiht schien: Als erstes Gremium votierte am Dienstagabend, 24. Mai 2016, der Stadtbezirksrat des Westlichen Ringgebiets dafür, Städtebaufördermittel einzusetzen, um die Integration des historischen, geklinkerten Giebels in den Neubau des an dieser Stelle geplanten soziokulturellen Zentrums "WESTand" zu finanzieren.

Maximal 200.000 Euro will die Stadt für den Erhalt ausgeben; auf diese Summe taxieren die privaten Investoren den von ihnen nicht zu stemmenden Aufwand für den Erhalt des Giebels – trotz des bereits bewilligten städtischen Zuschusses von zwei Millionen Euro. Um ihr Budget nicht zu sprengen, wollten die Investoren Lagerhalle samt Giebel abreißen und einen kompletten Neubau errichten; rechtlich hätte die Stadt kaum eine Handhabe dagegen – die Lagerhalle steht nicht unter Denkmalschutz. Obwohl, und das betonten die Mitglieder des Stadtbezirksrates gleich mehrfach, gerade der Giebel städtebaulich bedeutsam sei.

Doch der politische Widerstand ließ nicht lange auf sich warten: Es waren die Grünen, die als erste den Komplett-Neubau ablehnten. Und auch in der Stadtverwaltung war das Bedauern über das drohende Verschwinden eines Zeugnisses Braunschweiger Eisenbahngeschichte groß. Die Suche nach einem Ausweg scheint nun aber erfolgreich zu sein – allerdings soll’s die Städtebaufördermittel nicht "obendrauf" geben. Sofern am heutigen Mittwoch, 25. Mai, der Kulturausschuss des Rates und schließlich Mitte Juni auch der Verwaltungsausschuss zustimmen, soll das Geld umverteilt werden – zu Lasten anderer Vorhaben im Bereich des Westlichen Ringgebiets.

Wunsch: Auch alte Drehscheibe erhalten

Eine andere Frage ist jedoch noch ungeklärt: Kann die nur wenige Meter vom Giebel entfernte alte Lokomotiv-Drehscheibe erhalten werden? Würde sie im Zuge der Bauarbeiten für das soziokulturelle Zentrum abgerissen, "würden die einzigen noch erhaltenen Zeitzeugen der Industriegeschichte auf dem Westbahnhof-Gelände beseitigt", wandten die Linken ein. Und immerhin: Kulturdezernentin Anja Hesse sagte zu, dass die Verwaltung die Kosten für den Erhalt der Drehscheibe ermitteln werde. Aber auch hierbei gelte: Setze die Verwaltung hierfür Geld ein, müsse an anderer Stelle gestrichen werden. Um das zu vermeiden, wurde im Stadtbezirksrat auch ein anderer Vorschlag diskutiert: Sollte die Erhaltung zu teuer sein, könnten die Ausmaße der Drehscheibe beispielsweise durch eine spezielle Pflasterung des Geländes deutlich gemacht werden – nach dem Vorbild des Kohlmarktes, auf dem der Grundriss der im 16. Jahrhundert abgerissenen St. Ulrici-Kirche ins Pflaster eingelassen ist. Vor einer Entscheidung jedoch soll die Verwaltung zunächst eine Kostenschätzung für Erhalt und eventuelle Einlagerung der historischen Eisenbahntechnik vorlegen.