Braunschweig 

Autonomes Fahren: Region 38 wird zur Teststrecke

Ein Bildschirm in einem Testwagen, der teils mit Autopilot fahren kann, zeigt das System zur Erkennung des Straßenverlaufes und von Hindernissen.
Ein Bildschirm in einem Testwagen, der teils mit Autopilot fahren kann, zeigt das System zur Erkennung des Straßenverlaufes und von Hindernissen.
Foto: dpa

Hannover. Niedersachsen will auf den Autobahnen 2 und 7 im Raum zwischen Hannover, Braunschweig und Salzgitter einen Testring für autonomes Fahren aufbauen. Die 270 Kilometer Strecke sollen bis 2018 schrittweise mit der erforderlichen Technik ausgerüstet werden, kündigte Verkehrsminister Olaf Lies (SPD) an. In Bayern gibt es bereits seit vergangenem Jahr auf der A9 eine Teststrecke, die mit Technik ausgestattet wird, die auch die Kommunikation zwischen der Strecke und selbstfahrenden Autos gestattet.

Wie funktioniert das autonome Fahren?

Beim autonomen Fahren wird das Auto nicht vom Fahrer, sondern von einem Computer gesteuert, Sensoren und Kameras erfassen dafür die Umgebung wie etwa die Fahrstreifenmarkierung oder Leitpfosten und verarbeiten die Daten. Außerdem wird auf die Vernetzung der Wagen gesetzt: Autos tauschen sich mit anderen Autos, mit Ampeln und anderen Infrastruktursignalen aus.

Der Automobilverband VDA unterscheidet bei selbstfahrenden Autos drei Stufen: Beim "teilautomatisierten Fahren" muss der Fahrer die Assistenzsysteme ständig überwachen, also weiter aktiv mitfahren. Das "hochautomatisierte Fahren" soll den Autofahrer weiter entlasten. Das System warnt den Fahrer dann rechtzeitig, wenn es selbst nicht mehr reagieren kann und er eingreifen muss. Das "vollautomatisierte Fahren" entspricht dagegen dem landläufigen Verständnis eines Autopiloten. Der Fahrer könnte auch auf dem Rücksitz Platz nehmen. Damit rechnen die Hersteller aber erst in ferner Zukunft.

Kann der Fahrer sich einfach zurücklehnen?

Rechtlich ist der Fahrer eines automatisierten Autos verpflichtet, das Fahren zu überwachen und jederzeit eingreifen zu können. Ohnehin muss er den Lenker wieder ergreifen, wenn sich das Auto einer Baustelle nähert. "Der Autopilot wird in 15 Sekunden deaktiviert", kündigt das Fahrzeug dann an. "Bitte übernehmen Sie."

Mitten über Niedersachsens Stau- und Unfallstrecke Nummer eins, der A2, ist das nicht gefährlich?

Bei dem geplanten Versuchsring in Niedersachsen sieht Minister Lies keine Sicherheitsrisiken für andere Fahrer, obwohl die beiden Autobahnen zu den meistbefahrenen Strecken in Deutschland gehören. "Der Weg vom unterstützten zum automatisierten Fahren ist der Weg zu mehr Verkehrssicherheit", sagte er der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung". Die Erfahrung auf der Teststrecke in Bayern zeigt, das manche Fahrer irritiert auf die autonom fahrenden Autos reagieren, die sich ihre Fahrspur selber suchen - meist läuft es aber rund.

Von Hilfssystemen wie dem Tempomat und dem Spurassistent geht es jetzt zum autonomen Fahren - wann werden Autos dann ganz automatisch unterwegs sein?

Da rechnen Experten noch mit Jahrzehnten an Entwicklungsarbeit. Technisch sind die Autos noch nicht in der Lage, alles selbst zu machen und in allen Situationen richtig zu reagieren. Es sind vor allem fehlende Daten, die den ganz großen Entwicklungssprung bislang verhindern. Das Auto ist zwar vollgestopft mit Sensoren (Radar, Laser, Kamera), die die Umgebung wahrnehmen, aber der Computer weiß noch nicht in jeder Situation, wie er richtig reagieren soll. Auch schlechtes Wetter kann es den Kameras schwer machen, die Fahrbahnmarkierungen noch richtig zu deuten. Außerdem sind bislang kaum Autos miteinander vernetzt, um sich gegenseitig über Baustellen, Unfälle und andere Hindernisse zu informieren.

Wie soll das Testdreieck in Niedersachsen aufgezogen werden?

Federführend bei dem Projekt sollen das Land Niedersachsen und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) sein, das über eine Verkehrsforschungsabteilung verfügt, sagte Lies der "HAZ". Das Testfeld soll nach seinen Worten mit Volkswagen und Continental aufgebaut und betrieben werden. Land und DLR wollen nach Angaben der Zeitung fünf Millionen Euro in das Testdreieck investieren.