Braunschweig 

Stammzellspender werden? - Geht ganz einfach!

Holger Bischoff und Sandra Kabierske freuen sich noch bis 16 Uhr über viele neue Typisierungen an der TU.
Holger Bischoff und Sandra Kabierske freuen sich noch bis 16 Uhr über viele neue Typisierungen an der TU.
Foto: Mareike van Gerpen

Braunschweig/Salzgitter. Seit heute morgen um zehn Uhr kann man sich an der TU in Braunschweig als Stammzellspender typisieren lassen. Immer wieder sehe ich in den sozialen Netzwerken und den Medien Aufrufe und berührende Geschichten, die von der Heilung leukämiekranker Menschen erzählen und von ihren Rettern. An einem der Orte, an denen solche Geschichten beginnen, habe ich mich heute umgesehen und geschaut, wie so eine Typisierung genau abläuft.

In der Uni angekommen, lasse ich mir erst einmal von einer Mitarbeiterin des Norddeutschen Knochenmark- und Stammzellspender-Registers, kurz NKR, Sandra Kabierske, genau erklären, was ich gleich zu tun habe. Ich muss einen Fragebogen mit meinen persönlichen Kontaktdaten ausfüllen und ankreuzen, ob ich schweren Erkrankungen habe oder hatte. Dann sagt mir Frau Kabierske, wie genau ich das Stäbchen an meine Mundschleimhaut drücken muss, damit auch wirklich Genmaterial an dem etwas größeren Wattestäbchen haften bleibt. Jetzt muss mein Stäbchen zehn Minuten trocknen, dann wird es eingetütet, fertig.

Ich frage mich allerdings, welche Gründe die Menschen haben, um sich typisieren zu lassen. Die meisten wollen, ebenso wie ich, schnell helfen. Der Vorgang tut nicht weh und ein großes Opfer muss erst einmal nicht gebracht werden. Holger Bischoff vom NKR erzählt mir, dass viele Typisierungsaktionen von Freunden von Erkrankten initiiert werden. "Dann lassen sich auch mal ganze Dörfer oder Stadtteile typisieren. Wenn Leukämie plötzlich im nahen Umfeld der Menschen auftritt, rücken die Zweifel in den Hintergrund und die Menschen wollen dann nur noch helfen."

In Deutschland gibt es insgesamt 27 verschiedene Register, die Spenderdaten verwalten und aufnehmen. Ich muss mich allerdings nicht bei allen anmelden, sondern sämtliche Daten laufen in einer Zentrale zusammen. erklärt mir Sandra Kabierske. Hier kommen auch die Meldungen von Empfängern, die Stammzellen benötigen.

Bevor allerdings eine Stammzellspende erfolgen kann, braucht es viele Untersuchungen. Denn "unsere Hauptaufgabe ist es, die Gesundheit des Spenders zu schützen. Das können wir aber nur, wenn wir alle möglichen Risiken beim Spender ausschließen können", erzählt Holger Bischoff weiter. "Es kann natürlich auch sein, dass der Spender Beschwerden hat, die ihm bisher noch nicht bekannt sind. Also müssen wir ihn vor seiner Spende komplett auf den Kopf stellen und seinen Gesundheitszustand ganz genau checken. Nur so können wir die Gesundheit des Spenders bestmöglich gewährleisten."

Auch der Partner von Alles-was-zählt-Star Ania Niedieck hat gespendet

Der Leukämiepatient bekommt übrigens erst Meldung, dass ein möglicher Spender gefunden wurde, wenn dieser immer noch für die Spende bereit steht und die Gesundheitschecks nichts Auffälliges ergeben haben. Treffen tun sich beide allerdings während des gesamten Prozesses nicht. In Deutschland ist es so geregelt, dass Spender und Empfänger sich erst zwei Jahre nach der Spende treffen dürfen - und auch nur, wenn beide zustimmen. Dann jedoch entstehen immer wieder enge Freundschaften. "Eine Spenderin wurde sogar nach der Spende die Trauzeugin ihres Empfängers." so Bischoff.

"Das Interesse am Vormittag war schon sehr gut", freut sich Sandra Kabierske. "Wir hoffen natürlich, dass das so bleibt und sich noch viele Freiwillige typisieren lassen."

Typisierungen auch in Salzgitter

Alle die es heute nicht mehr auf den Campus der TU Braunschweig schaffen, haben am Sonntag, 26. Juni ab 16 Uhr in der Eissporthalle Salzgitter wieder die Möglichkeit, sich als Lebensretter registrieren zu lassen. Wer noch mehr über die Prozesse und Hintergründe wissen möchte, findet alle Informationen auf der Homepage der NKR.