Braunschweig 

Brexit - Das sagt ein Brite aus unserer Region

Braunschweig. Paul Kavanagh kommt aus London - genauer gesagt aus Kingston upon Thames. Seit 44 Jahren ist der Brite mit einer Deutschen verheiratet und lebt seitdem in Braunschweig. Der Pensionär ist Präsident der Deutsch-Englischen Gesellschaft Braunschweig (DEG) und blickt daher natürlich gespannt auf den Ausgang des Referendums in Großbritannien.

Für den EU-Verbleib

Abstimmen darf Kavanagh aber nicht. "Briten dürfen nicht mehr wählen oder eben auch an dem Referendum teilnehmen, wenn sie seit über sechs Monaten im Ausland leben", erklärt er gegenüber news38.de. Hätte er aber abstimmen dürfen, hätte er gegen den Brexit gestimmt. "Die Konsequenzen für Großbritannien nach einem Austritt sind einfach zu groß. Momentan bekommen viele britische Landwirte Zuschüsse von der EU. Wenn diese wegfallen, wird es über kurz oder lang zu Problemen kommen", sagt Kavanagh. Aber auch Handelsdefizite sieht er auf das Vereinigte Königreich zu kommen. "Großbritannien hat keine eigene Industrie. Da sind sie abhängig von Deutschland oder den USA. Sollten es zum Brexit kommen, ist es nur noch eine Frage der Zeit bis die Briten Konkurs anmelden müssen."

Referendum als Scheideweg

Viele Briten sind Paul Kavanagh zu blauäugig. "Die meisten Briten mit denen ich gesprochen habe, denken alles aus der EU ist schlecht. Viele sind falsch informiert und fühlen von Brüssel bevormundet. Sie wollen das British Empire zurück. Allerdings vergessen sie dabei, dass die meisten Commonwealthstaaten gar nichts mehr direkt mit Großbritannien zu tun haben." Das Referendum sieht Kavanagh daher als Scheideweg für das Vereinigte Königreich. "Verlassen die Briten die EU werden zum Beispiel die Schotten ein eigenes Referendum abhalten und sich abspalten. Das Vereinigte Königreich wie es bisher besteht würde kaputtgehen." Doch auch die EU sollte nach Ansicht des Rentners einiges ändern, wenn die Briten in der EU verbleiben. "Sie wollen mehr selbst bestimmen. Man könnte zum Beispiel das Europäische Parlament umstrukturieren und europäische Ministerien einrichten. Die Briten könnten sich beispielsweise um die Finanzen kümmern und hätten so mehr zu entscheiden."

Kavanagh mag die deutsche Demokratie

Für ihn persönlich hat der Ausgang allerdings keine besondere Bedeutung. "Das ist alles eher politisch", sagt der DEG-Präsident. "Ich habe zwar beide Staatsbürgerschaften, fühle mich aber mehr mit Deutschland verbunden. Das demokratische System gefällt mir besser. In Großbritannien wird mir immer noch zu viel Wert auf die sozialen Herkunft gelegt. Kommt man zum Beispiel nicht aus der sogenannten "Upper Class", ist es schwer an bestimmten Schulen oder Universitäten einen Platz zu bekommen."

Und seine Prognose für den Ausgang? "Ich schätze, die Briten bleiben in der EU." Da ist Paul Kavanagh zuversichtlich.