Braunschweig 

Lieberknecht: "Spannung aufbauen – Kleinreden ist Firlefanz"

Eintracht-Trainer Torsten Lieberknecht.
Eintracht-Trainer Torsten Lieberknecht.
Foto: dpa

Braunschweig. "Es knistert bei uns genauso, wie es in der gesamten Region knistert", sagte Trainer Torsten Lieberknecht auf der abschließenden Spieltagskonferenz vor dem Niedersachsen-Derby gegen Hannover 96 am Sonntag. Das Spiel kleinzureden sei "Firlefanz. Natürlich weiß jeder um die Bedeutung des Spiels."

Im Training hatte Lieberknecht daher den Fokus darauf gelegt, "Spannung aufzubauen. Die Einheiten wurden fußballerisch sonst bewusst ganz einfach gehalten." Die Einstellung und Verhalten gegen einen erwartet sehr aggressiven Gegner sei entscheidend.

Lieberknecht will Fan-Wucht

Neben der sportlichen Brisanz der Partie Tabellenführer gegen -dritten, freut sich Lieberknecht auf die besondere Derbyatmosphäre im ausverkauften Stadion. "Es ist eben ein Spiel mit dieser Brisanz und wir hoffen natürlich, dass die Fans hier auch eine Dynamik und eine Wucht entwickeln, um uns hier zu unterstützen. Das brauchen wir."

Den meisten Druck habe sich sein Team aber selbst vor dem Spiel gemacht. "Wir haben gegen Dresden verloren und wollen es jetzt wieder gutmachen. Da ist es egal, wer in der Favoritenrolle steht oder nicht und dass Hannover vom Potential und vom Kader her eigentlich den größeren Aufstiegsdruck haben sollte."

Kader mit Derby-Erfahrung

Personell kann der Trainer bis auf den langfristig verletzten Suleiman Abdullahi voraussichtlich auf alle Spieler zurückgreifen. Einzig bei Jan Hochscheidt, der das Training abbrechen musste, und Joseph Baffo, der über leichte Probleme klagt, müsse man noch bis Samstag abwarten. Erfreulich: Abdullahi kann in der nächsten Woche wieder ins Training einsteigen und mit Athletiktrainer Jürgen Riesche erste Einheiten absolvieren.

Eintrachts Kader kann zudem auf Derbyerfahrung zurückgreifen. Mit Ken Reichel, Marcel Correia, Jan Hochscheidt, Mirko Boland und Domi Kumbela haben fünf Akteure schon im letzten Derby 2014 mitgewirkt.

Lob für Schiedsrichter

Eine von Fußballlehrern eher selten gehörte Aussage ist Lieberknechts Loblied auf die Schiedsrichter. "Die letzten Schiedsrichter in Spielen gegen Hannover haben das wirklich sensationell gemacht. Gagelmann bei uns und Kircher in Hannover, einfach top. Auch diesmal ist mit Felix Zwayer eine super Wahl getroffen worden." Gegen die großgewachsenen Hannoveraner, die auch über Standards gefährlich werden könnten, sei das auch ein wichtiger Punkt.

Ansonsten seien die Gäste von der Leine vor allem in der Offensive enorm stark. "Da können sie eine unglaubliche Wucht entfachen. Sonst habe ich über den Kader ja schon genug gesagt, absolut erstligareif."

Unschöne Szenen in Hannover

Während dem Eintracht-Coach die Vorfreude auf das brisante Duell am Freitag deutlich anzumerken war, äußerte sich sein Kollege auf der 96-Trainerbank, Daniel Stendel, nüchtern. "Jeder in der Mannschaft weiß, dass dieses Derby einen besonderen Charakter hat. Braunschweig ist ein souveräner Spitzenreiter, aber ich sehe uns auf Augenhöhe mit der Eintracht."

Zuvor hatte es im Vorfeld des Derby unschöne Szenen in Hannover gegeben. Unbekannte hatten an zwei Stellen in der Stadt Puppen mit Hannover-Fanschals an Brücken gehängt.

Angesprochen auf die Vorfälle äußerte sich Sportdirektor Marc Arnold: "Solche Geschichten sind natürlich nicht schön und wir heißen das in keinster Weise gut. Aber um alles nicht-sportliche kümmern sich die Organisatoren und die Polizei. Wir vertrauen da voll und ganz auf die Experten."

Pistorius: "Spiel auf Bewährung"

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) hat vor dem emotionsgeladenen Duell eine Warnung an Krawallfans ausgesprochen. "Dieses Spiel findet quasi unter Bewährung statt", teilte der Minister am Freitag mit. "Sollte es im Umfeld des Spiels zu größeren, gewalttätigen Auseinandersetzungen kommen, weise ich schon heute darauf hin, dass dies weitreichende Konsequenzen für das Rückspiel haben wird."

Pistorius wird sich das Spiel nach Angaben seines Sprechers im Stadion angucken. "Ich hoffe sehr, dass wir am Sonntag auf dem Platz ein Spitzenspiel der zweiten Bundesliga auf höchstem sportlichen Niveau erleben werden und die Fans neben dem Platz in friedlicher Rivalität ihre Mannschaften unterstützen", hieß es vom Minister.