Braunschweig 

170 Festnahmen vor Niedersachsen-Derby – Polizist verletzt

Polizisten und festgenommene Fußball-Krawallmacher stehen am 4. November 2016 auf einem Parkplatz in Hildesheim (Niedersachsen). Im Vorfeld des Zweitliga-Derbys zwischen Hannover 96 und Eintracht Braunschweig hat die Polizei Hannover am Freitagabend rund 170 gewaltbereite "Fans" in Hildesheim vorübergehend festgenommen.
Polizisten und festgenommene Fußball-Krawallmacher stehen am 4. November 2016 auf einem Parkplatz in Hildesheim (Niedersachsen). Im Vorfeld des Zweitliga-Derbys zwischen Hannover 96 und Eintracht Braunschweig hat die Polizei Hannover am Freitagabend rund 170 gewaltbereite "Fans" in Hildesheim vorübergehend festgenommen.
Foto: dpa

Hannover/Braunschweig/Hildesheim. Im Vorfeld des Zweitliga-Derbys zwischen Hannover 96 und Eintracht Braunschweig hat die Polizei Hannover am Freitagabend rund 170 gewaltbereite "Fußballfans" in Hildesheim vorübergehend festgenommen. Gewaltbereite Anhänger beider Mannschaften hätten sich in der Nähe eines Baumarkts zum Prügeln treffen wollen, sagte eine Sprecherin. Ein Polizist wurde bei dem Einsatz verletzt.

Polizisten hätten ein Aufeinandertreffen der verfeindeten Lager verhindert. Ob es Verletzte gab, war zunächst unklar. Das brisante Niedersachsen-Derby in der 2. Fußball-Bundesliga findet am Sonntag (13.30 Uhr) in Braunschweig statt. Wie die Polizei am späten Abend mitteilt, war ein massives Polizeiaufgebot vor Ort, um die "Massenschlägerei zwischen Verfeindeten Fußballchaoten" zu verhindern.

Kurz vor 21 Uhr waren vor dem Baumarkt im Süden Hildesheims eine große Anzahl von Personen festgestellt worden, die laut Beamten, offensichtlich eine Drittortauseinandersetzung geplant hatten. Die Polizei habe schlagartig zugegriffen.

Polizist angefahren

Auf Nachfrage von news38.de teilte ein Polizeisprecher mit, dass die Ermittlungen noch andauern. Man habe einige Vermummungsgegenstände sowie Schlagwerkzeuge festgestellt. Ein Polizeibeamter sei von einem flüchtigen Fahrzeug angefahren und leicht verletzt worden. Darüberhinaus gebe es keine Verletzten.

Einigen Personen gelang es laut Polizei, zu flüchten und sich zunächst im Bereich der umliegender Felder und Wälder zu verstecken. Ihre Rechnung ging allerdings nicht auf - der mit Wärmebildkamera ausgestattete Polizeihubschrauber spürte auch sie schließlich im Unterholz und einer nahegelegenen Kleingartenkolonie auf.

In der Nacht zum Freitag wurden die Personalien festgestellt, was bei 170 Leuten einige Zeit in Anspruch nahm. Die Polizei will einen Großteil der Festgenommenen – unter waren auch drei Frauen – nun so lange wegsperren lassen, bis das Spiel am Sonntag (Anpfiff: 13.30 Uhr) in Braunschweig vorbei ist.

Sie sollten "einem Langzeitgewahrsam zugeführt werden", sagte die Polizeisprecherin. Noch in der Nacht zu Samstag solle ein Haftrichter darüber entscheiden. Die Maßnahme diene der Gefahrenabwehr. Ob Straftaten nachgewiesen werden können, müsse nun geprüft werden. "Sie wären dann bis morgen nach dem Spiel in Gewahrsam", sagte die Sprecherin vom Lagezentrum des Innenministeriums in Hannover am Samstag.

Eine so hohe Zahl von Festnahmen auf einen Schlag ist im Umfeld von Fußballspielen außergewöhnlich. Oft entwischen die Krawallmacher der Polizei. Von der geplanten Schlägerei in Hildesheim hatten die Beamten allerdings vorher erfahren und sich vorbereitet.

Weitere Provokationen in Hannover

Ebenfalls am Freitag hängten Unbekannte Puppen mit 96-Schals an Brücken auf, zudem wurde das frühere 96-Vereinsheim beschmiert. Innenminister Boris Pistorius (SPD) sprach eine deutliche Warnung an alle potenziellen Krawallmacher aus. "Dieses Spiel findet quasi unter Bewährung statt", teilte der Minister mit.

Auf der Pressekonferenz vor dem Spiel hatte Lieberknecht am Freitag noch eine Fan-Wucht gefordert – allerdings friedlich und während der Partie. Die Polizei rechnet mit 500 bis 750 potenziell gewaltbereiten Anhängern beider Lager. Deshalb werden beim Spitzenspiel der zweiten Fußball-Bundesliga deutlich mehr Einsatzkräfte vor Ort sein als an gewöhnlichen Spieltagen.

Für Fußballfans von Hannover 96 steht zum Derby zudem ein Sonderzug bereit. In den Waggons der Westfalenbahn ist nach Angaben der Polizei Platz für rund 1.000 Anhänger.

Am Freitagmorgen hatte das Verwaltungsgericht dem Eilantrag der Organisatoren eines Protestmarsches gegen Aufenthalts- und Betretungsverbote eine Absage erteilt. Die Teilnehmer müssen die vorgesehene Route vom Leonhardplatz bis zum Nibelungenplatz nehmen.

Die "Tagesschau" postete auf ihrer Facebookseite Videoaufnahmen vom Polizeieinsatz: