Braunschweig 

Von Rechten unterwanderte Gedenkfeier: Das sagen Stadt und Volksbund

Neben Angehörigen des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge und der Bundeswehr wurden auch Mitglieder von Burschenschaften und der NPD-Organisation "Junge Nationaldemokraten" gesichtet.
Neben Angehörigen des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge und der Bundeswehr wurden auch Mitglieder von Burschenschaften und der NPD-Organisation "Junge Nationaldemokraten" gesichtet.
Foto: recherche38.info

Braunschweig. "Personen mit rechtsextremem Gedankengut wollen wir nicht mit dabei haben." Klare Worte von Walter-Johannes Herrmann, dem Bezirksvorsitzenden des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge (VDK). Nachdem sich am Sonntag bei der Gedenkstunde für die Opfer von Krieg und Vertreibung auch Rechtsextreme unter die Teilnehmer gemischt hatten, wollen VDK und Stadt derartige Vorkommnisse künftig unterbinden.

Dabei waren Neonazis schon 2013 bei der Feier aufgetaucht, worauf die Stadt nach Worten von Sprecher Rainer Keunecke dem VDK das Hausrecht für die Dauer der Gedenkveranstaltungen übertragen hat. Dadurch kann der Volksbund "unerwünschte Personen von der Teilnahme ausschließen".

Während allein diese Möglichkeit in den vergangenen zwei Jahren offenbar ausgereicht hat, um Mitglieder der rechten Szene fernzuhalten, tauchten am Sonntag mehrere einschlägig bekannte Neonazis aus der NPD-Nachwuchsorganisation auf. Auch etliche Mitglieder von Burschenschaften erschienen, darunter auch aus der völkisch ausgerichteten "Thuringia".

Vom Erscheinen der Rechten überrascht

"Für uns kam das völlig überraschend", sagte Herrmann gegenüber news38.de. Der VDK habe den Vertretern der "Jungen Nationaldemokraten" zwar untersagt, separat Kreuze niederzulegen ausschließlich für die Opfer des alliierten Luftangriffs auf Dresden im Februar 1945. Aber weil sie sich "ruhig verhalten haben", habe er die Situation nicht weiter eskalieren lassen wollen. Zumal Herrmann in seiner Ansprache ausdrücklich "die Opfer von Hass und Gewalt unserer Tage" ins Gedenken mit eingeschlossen habe.

So kam es, dass die Rechtsextremen zwar aufs Niederlegen ihrer Kreuze verzichteten, sich aber ungestört unter die übrigen Teilnehmer mischen konnten.

Konsequenzen fürs nächste Jahr

Bei den Burschenschaften unterdessen, räumt Walter-Johannes Herrmann ein, "habe ich zwar vier unterschiedliche Farben wahrgenommen". Doch er habe sie nicht auseinanderhalten können zwischen der politisch rechtsaußen angesiedelten "Thuringia" und den anderen, die sich der freiheitlich-demokratischen Grundordnung verpflichtet fühlen.

Wegen der fehlenden Unterscheidbarkeit sei der VDK auch nicht eingeschritten, als Vertreter aller vier Burschenschaften gemeinsam einen Kranz niederlegten. Jedoch wolle man im kommenden Jahr gegenüber dem Dachverband der Studentenverbindungen schon im Vorfeld klar machen, dass die "Thuringia" nicht willkommen sei.

Volksbund würde Veranstaltung gerne abgeben

Doch am liebsten wäre dem Bezirksvorsitzenden, wenn die Stadt die Verantwortung und Ausrichtung der Gedenkfeier wieder übernimmt: "Meiner Überzeugung nach sollte die Verantwortung in die Hände des Staates", unterstreicht Herrmann. Schließlich sei der VDK ja eigentlich für Kriegsgräberstätten im Ausland zuständig.

Die Stadt indes will von einer Übernahme offenbar nichts wissen, denn ihr Sprecher Rainer Keunecke betont lediglich: "Die Stadt wird den Volksbund auch künftig unterstützen, um einen störungsfreien Ablauf der Kranzniederlegung zu gewährleisten."