Braunschweig 

Schüler-Sorgen ernst genommen: Neue Klassenräume für Hauptschule

Blick auf den Schulhof der Hauptschule Sophienstraße. (Archivbild)
Blick auf den Schulhof der Hauptschule Sophienstraße. (Archivbild)
Foto: dpa

Braunschweig. Die Stadt sucht nach erhöhtem Krankheitsaufkommen in der Hauptschule Sophienstraße nun nach neuen Unterrichtsräumen. Der Unterricht fällt in der kommenden Woche zunächst aus. Das teilte die Stadt am Freitagabend, 2. Dezember, mit.

Zur Situation der Gesundheitsbeschwerden von Schülern und Lehrern in der Hauptschule Sophienstraße hat heute ein Termin unter der Leitung von Stadtbaurat Heinz Leuer stattgefunden, an dem die Schulleitung, die Niedersächsische Landesschulbehörde, die Schul- sowie die Hochbauverwaltung der Stadt Braunschweig, und das Gesundheitsamt sowie die von der Stadt beauftragte Sachverständige für Schadstoffe in Gebäuden teilgenommen haben.

Was war passiert?

Vor den Herbstferien hatten Lehrerinnen und Lehrer sowie Schülerinnen und Schüler über brennende Augen, Atembeschwerden, Kopfschmerzen und Hautrötungen geklagt.

Die Vermutung war geäußert worden, die Beschwerden hingen mit den seit drei Jahren im Schulgebäude laufenden Sanierungen zusammen, also mit dabei verwendeten Materialien und Lösungsmitteln, die aus diesen Materialien austreten. Zuletzt waren in Klassenräumen u.a. Parkettboden sowie Lackierarbeiten an Türen und Fenstern durchgeführt worden.

Messungen der Raumluft hatten zwar erhöhte, aber noch nicht die gesetzlichen Gefahrenwerte überschreitenden Werte für flüchtige organische Verbindungen und sogenannte Isothiazolinone ergeben. Diese kommen etwa in Lacken vor.

Lüften und Messen

Die Räume wurden dann aus Gründen der Vorsorge geschlossen, es sei intensiv gelüftet und weiter gemessen worden. In den vergangenen Wochen hätten sich die Werte daraufhin noch einmal deutlich reduziert, so dass die Räume am 22. November wieder freigegeben wurden. Im ganzen Gebäude können die Werte für Isothiazolinone derzeit laut Behörden als unbedenklich gelten. Es sei davon auszugehen, dass sie sich in einigen Monaten ganz verflüchtigen.

Vertreter des städtischen Gebäudemanagements gaben an, dass bei den Sanierungsarbeiten in der Sophienstraße nicht anders vorgegangen worden sei als bei den zahlreiche Schulsanierungen der Vergangenheit und auch keine wesentlich anderen Materialien, etwa Lacke und Farben, verwendet wurden. Vielmehr werde bei Sanierungen nur noch mit Materialien gearbeitet, deren Qualität über Gütesiegel, wie zum Beispiel dem "Blauen Engel", abgesichert sind.

Einige Schüler hatten dennoch ein mulmiges Gefühl und hatten daher, wie die Braunschweiger Zeitung berichtete (bezahlpflichtiger Inhalt) zu einem Streik aufgerufen.

Sind Schüler und Lehrer allergisch?

Eine mögliche Ursache für anhaltende Beschwerden könnte laut Gesundheitsamt eine allergische Reaktin sein. Es bestehe die Möglichkeit, dass sich über die Dauer der Sanierungszeit bei einigen Lehrern und Schülern eine Allergie gegen Isothiazolinone gebildet habe.

Diese wäre dann auch wirksam, wenn die Konzentrationen wie derzeit hier nur gering und von den gesetzlichen Vorgaben her im unbedenklichen Bereich liegen. Insofern wäre es auch erklärlich, dass Lehrer und Schüler berichten, allergische Reaktionen schon nach kurzzeitigem Aufenthalt im Gebäude zu haben.

Es würde auch erklären, warum trotz der deutlich reduzierten Werte bei Lehrern und Schülern offenbar keine Verbesserung auftritt. Die Amtsärztin hat betont, dies sei eine Möglichkeit, die sie für plausibel hält, die sich allerdings nur absichern lasse, wenn dazu eine sogenannte Zusammenhangsklärung mit Untersuchungen von mehreren Betroffenen durch eine zentrale Stelle durchgeführt werde.

Etwa 60 Schüler betroffen

Der Schulleiter hat vorgetragen, dass bei mehreren Lehrern und etwa 60 Schülern Symptome aufgetreten seien, zahlreiche Krankschreibungen lägen vor. Die Amtsärztin hat sich auch die Symptome eines Schülers, der heute nach Betreten des Schulgebäudes brennende Augen und Hautrötungen im Gesicht entwickelt hat, angesehen. Viele Schüler und Lehrer, die keine Symptome haben, sorgen sich um ihre Gesundheit.

"Insofern standen wir heute vor einem Dilemma", sagte Stadtbaurat Leuer. "Einerseits gibt es Werte, die von den gesetzlichen Vorgaben her nicht zu beanstanden sind. Es gibt eine Vermutung, dass die Symptome eine Allergie auf die genannten Schadstoffe darstellen, und dies möglicherweise mit der Sanierung und dem Gebäude zusammenhängt, aber wir wissen es nicht sicher. Gar nicht erklärlich ist für mich, warum es hier diese Probleme gibt, die wir bei anderen Sanierungen nicht hatten."

Zugleich müsse man aber an die Gesundheit der Menschen denken, die in diesem Gebäude lernen und unterrichten. "Wenn es die Möglichkeit gibt, dass die Symptome mit dem Aufenthalt in den Räumen ursächlich zusammenhängen, kann der Unterricht hier derzeit nicht stattfinden, und auch nicht für die, die keine Symptome haben", so seine Schlussfolgerung.

Kein Unterricht in der kommenden Woche

Schon weil gesundheitliche Beschwerden und die Ursache nicht genau bekannt seien, müsse man auch bei unbedenklichen Messwerten im Sinne aller handeln und die Klassen komplett an andere Standorte verlagern. Dies ist ein großer Schritt, dessen Verhältnismäßigkeit wir heute intensiv beraten und abgewogen haben. Wir denken, es ist so richtig ist, weil es um die Gesundheit der Menschen geht. Wenn wir nicht ausschließen könne, dass es das Gebäude ist, das sie schädigt, müssen wir das Gebäude vorläufig schließen.

Vereinbart wurde daher, dass in der kommenden Woche kein Unterricht stattfindet. In dieser Zeit wird der Fachbereich Schule gemeinsam mit der Hochbauverwaltung prüfen, welche anderen Standorte voraussichtlich für die Dauer bis zum Schuljahrsende genutzt werden können. Auch dort wird auf Isothiazolinone geprüft werden.

Schließlich sollten die jetzt möglicherweise körperlich besonders sensibilisierten Schüler und Lehrer dort keine allergischen Reaktionen haben. Die Stadt werde so bald wie möglich informieren, wenn weitere Schritte feststehen.

Schule Sophienstraße wird weiter saniert

Die Sanierungsarbeiten in der Hauptschule Sophienstraße sollen, sobald der Verbleib der Schüler geklärt und die Schule vorerst nicht mehr genutzt wird, so schnell wie möglich abgeschlossen werden. Es werde in den kommenden Monaten kontinuierlich die Luft gemessen und intensiv gelüftet, heißt es aus der Verwaltung. Es wird davon ausgegangen, dass nach Abschluss der Sanierung die Schadstoffwerte bis zu den Sommerferien komplett zurückgehen.

Die Landesschulbehörde werde mit Unterstützung des Gesundheitsamts und des Landesgesundheitsamts versuchen, eine medizinische Zusammenhangsklärung zu organisieren und so festzustellen, ob tatsächlich eine Allergie gegen Isothiazolinone bei den Betroffenen vorliegt beziehungsweise entstanden ist.

Als eine erste Reaktion bezüglich künftiger Bestandssanierungen sagte Heinz Leuer, auch wenn nicht erkennbar sei, dass die Art und Durchführung der Sanierung in irgendeiner Weise problematisch oder zu beanstanden sei, werde die Bauverwaltung noch stärker Bauvorhaben darauf hin untersuchen, unterschiedliche Arbeiten mit derartigen Stoffen zeitlich zu trennen und, wo möglich, auch ganz auf solche Materialien zu verzichten.