Braunschweig 

"Re-Athlete": Sportbekleidung für die Region und saubere Meere

Johannes Skowron und Alina Hische präsentieren zwei Entwürfe für Sportbekleidung ihres Start-Ups "Re-Athlete".
Johannes Skowron und Alina Hische präsentieren zwei Entwürfe für Sportbekleidung ihres Start-Ups "Re-Athlete".
Foto: Fabien Tronnier

Braunschweig/Wolfsburg. Studium, Nebenjob und gleichzeitig ein Unternehmen auf die Beine stellen. Gar nicht so einfach, das alles unter einen Hut zu bekommen. Die Braunschweiger Jungunternehmer Alina Hische und Johannes Skowron haben die Herausforderung angenommen. "Mit unseren Fernstudien sind wir flexibel genug, das alles zu managen", sagt Skowron. "Wir sind von dem Konzept absolut überzeugt. Da macht es ja auch Spaß an der guten Sache und der sozialen Idee zu arbeiten," ergänzt Hische.

Recyceltes Nylon aus dem Meer

Die "Sache", das ist das Start-Up "Re-Athlete". Das junge Unternehmen produziert aus recycelten Fischernetzen und weiteren Nylonabfällen (zum Beispiel Plastikkomponenten, alte Teppiche) ökologische Sportbekleidung für Einzelsportler, Teams und Vereine.

Das Startup aus Braunschweig verwendet hierfür ein zu 100 Prozent regeneriertes Nylon-Material namens Econyl(R), entwickelt von der Firma Aquafil Spa in Italien, das durch einen innovativen Regenerationsprozess die Weltmeere von Nylonmüll befreit und Abfälle wiederverwertet, bevor diese auf Deponien oder in der Umwelt landen.

Nachhaltigkeit und Sport kombinieren

"Im Sommerurlaub 2016 sind wir darauf gekommen. Johannes wollte schon immer ein Unternehmen gründen und studienbedingt kam die Idee, Nachhaltigkeit mit Sport zu kombinieren", erzählt Psychologiestudentin Alina Hische über die Entstehung des Start-Ups. Skowron, der einen Bachelor in Sportmanagement absolviert hat und zur Zeit einen Master in BWL im Fernstudium draufsattelt, komplettiert: "Alina näht und schneidert und näht ungefähr seit sie laufen kann. Und da wir etwas machen wollten, was auch die Umwelt voranbringt, kamen wir auf die Idee, eigene Sportartikel herzustellen."

Dabei steht neben der Nachhaltigkeit der verwendeten Rohstoffe, Re-Athlete verwendet ausschließlich regeneriertes Nylon und biologische Baumwolle, auch der soziale Aspekt im Vordergrund. "Wir haben uns gleich am Anfang dafür entschieden, alles regional herstellen zu lassen und nicht wie viele große Ketten, auf Produktion in Fernost zu setzen", sagt Hische.

Das Unternehmen unterstützt hierfür verschiedene Formen der Arbeitstherapie, welche Menschen mit Behinderungen und Beeinträchtigungen hilft, am Arbeitsmarkt wieder Fuß zu fassen. Für die erste Produktion arbeitet Re-Athlete mit der Lebenshilfe Wolfsburg zusammen und möchte in Zukunft auch weitere Formen der Arbeitstherapie unterstützen.

Bewusst den Weg gewählt

Dass das Vorhaben, alles regional in der Arbeitstherapie fertigen zulassen, auch Risiken birgt, ist den Jungunternehmern bewusst. "Dadurch, dass wir es mit Menschen zu tun haben, die zum Teil psychische Probleme haben, kann es vorkommen, dass in gewissen Zeiträumen auch Arbeitskraft ausfällt und die Produktion beeinflusst. Die Betreuer der Menschen achten darauf, dass auf keinen Fall eine Überlastung der Person entsteht. Aber wir haben uns bewusst für diesen Weg entschieden nicht auszusourcen und auf diese Weise zu produzieren," erklärt Hische.

Damit das Start-Up ins Rollen kommt, haben Skowron und Hische eine Crowdfundingkampagne ins Leben gerufen. Mit dem Geld, was dadurch zusammenkommt, wollen die Unternehmer expandieren und einen Onlineshop eröffnen. "Das wird nicht direkt nach Ablauf der Kampagne erfolgen, zuerst müssen wir dafür mit der Produktion in Vorleistung gehen, aber dann soll der Onlineshop folgen", blickt Johannes Skowron in die Zukunft.

Suche nach nachhaltigen Sponsoren

Zur Zeit umfasst das Angebot von Re-Athlete Bekleidung im Fitness- und Basketball-Segment. In Zukunft ist eine Erweiterung der Produktpalette auf die Bereiche Laufen, Fußball und Leichtathletik geplant.

Neben der anlaufenden Produktion sind die Start-Up-Unternehmer vor allem mit der Sponsorenaquise beschäftigt. Dabei legen sie besonderen Wert auf den Bereich des Nachhaltigkeitssponsorings und den Unternehmensbeitrag zu verantwortlichem Umgang mit der Umwelt:

In Zukunft sollen Sponsoren mit Vereinen zusammengebracht werden, welche die nachhaltige Sportbekleidung von Re-Athlete tragen. Hierdurch setzen sich beide Parteien für den Umwelt- und Tierschutz, als auch einen regionalen und sozialen Produktionsprozess ein und sollen von der öffentlichen Wirkung dieser nachhaltigen Zusammenarbeit profitieren.

"Zur Zeit versuchen wir den potentiellen Sponsoren, Vereinen wie Unternehmen, diesen Ansatz zu vermitteln. Für alle wäre es eine Win-Win-Situation", erklärt Hische. Interessierte Vereine oder Unternehmen können sich per E-Mail oder auf der Facebook-Seite des Start-Ups melden.

Re-Athlete im Video