Braunschweig 

Mammut-Projekt: 50.000 Gas-Kunden bekommen Besuch

Geschäftsführer Kai-Uwe Rothe, Projektleiterin Pia Dubray und Gerwin Wagner stellen die einzelnen Bereiche vor, in denen die Umstellung sukzessive erfolgen soll.
Geschäftsführer Kai-Uwe Rothe, Projektleiterin Pia Dubray und Gerwin Wagner stellen die einzelnen Bereiche vor, in denen die Umstellung sukzessive erfolgen soll.
Foto: Mareike van Gerpen

Braunschweig. In Deutschland gibt es bald neues Gas. Für die Energieversorger bedeutet dies viel Arbeit. Denn: Für das sogenannte H-Gas, dass zukünftig durch die Leitungen in der Bundesrepublik strömen soll, müssen sämtliche Geräte, die mit Gas versorgt werden, umgerüstet werden.

Konkret für Braunschweig bedeutet das: Rund 70.000 Geräte müssen in der Löwenstadt überprüft und umgerüstet werden. Für diese Arbeiten ist die BS Netz zuständig. BS Netz Geschäftsführer Kai-Uwe Rothe, Abteilungsleiter Gerwin Wagner und Projektleiterin Pia Dubray haben das Mammut-Projekt erstmalig der Öffentlichkeit vorgestellt.

"Die Umstellung erfolgt in zwei Schritten", erklärt Pia Dubray. "Zunächst werden sämtliche Geräte, die mit Gas versorgt werden, gesichtet und überprüft. Danach müssen bestimmte Düsen ausgetauscht werden." Das Aufwändige an dieser Aktion sei, dass es rund 18.000 Gerätetypen allein in Braunschweig gebe. Jeder Typ müsse anders umgerüstet werden. Das nehme natürlich viel Zeit und Personal in Anspruch.

Was bedeutet das für die Verbraucher?

In den kommenden Tagen bekommen Gaskunden in Braunschweig Infomaterial per Post zugestellt. Ab August 2017 werden dann erste Briefe eingehen, in denen Terminvorschläge für die Erfassung unterbreitet werden. An dem vereinbarten Termin werden dann die Daten des Gerätes aufgenommen und zu tauschende Teile notiert. In einem zweiten Termin wird dann die Gastherme schließlich umgebaut. Geplant ist, dass die Termine etwa drei Wochen vorher vereinbart werden.

Wichtig sei, dass die für die Umrüstung eingesetzten Installateure freien Zugang zu den Geräten haben. "Unsere Installateure müssen am Tag etwa acht Geräte prüfen und später umrüsten. Wenn sie dann nicht noch über Kisten klettern müssen, hilft das den Kollegen sehr" so Dubray.

"Die Umrüstung der Gasanschlüsse ist für die Verbraucher kostenfrei" betont Rothe. Schon seit 2015 gibt es eine Umlage, durch die die bundesweite Umrüstungsaktion finanziert wird. Die Endverbraucher bekommen am Ende also keine Rechnung. In Braunschweig rechnet BS Netz bis 2030 mit kosten von etwa 30 Millionen Euro. Deutschlandweit schlägt die Umrüstung mit rund 3,8 Milliarden Euro zu Buche.

Warum das Ganze?

Deutschland wird derzeit mit dem sogenannten L-Gas aus Deutschland und den Niederlanden versorgt. Die Gasförderung soll in den Niederlanden nach und nach eingestellt werden. "Die Bevölkerung ist auf die Barrikaden gegangen, um die Gasförderung zu stoppen" so Rothe. Während der Förderung sei es immer wieder zu leichteren Erdbeben besonders in der Region um Groningen gekommen.

Das "L" stehe für "Low". Damit wird der Methangehalt in dem Gasgehalt beschrieben. Zukünftig wird Deutschland mit H-Gas aus Russland und Norwegen versorgt. Dieses verfügt über einen hohen "high" Methangehalt und benötigt deshalb andere Voraussetzungen bei der Verbrennung.

Wie kann man sich vor Betrügern schützen?

"Wir haben gemeinsam mit der Polizei Braunschweig und der Stadt ein umfangreiches Sicherheitskonzept entwickelt", erklärt Gerwin Wagner. "Die Polizei wird stets informiert, in welchem Gebiet sich unsere Installateure zur Überprüfung und Umrüstung aufhalten." Außerdem seien die Installateure mit der Arbeitskleidung von BS Energy ausgestattet sowie mit einem Ausweis.

Bewohner sowie Installateur haben außerdem ein Schreiben, auf dem ein Code zu finden ist. Nur wenn dieser Code übereinstimmt, ist der Installateur tatsächlich für die Gasanschlüsse im betreffenden Haushalt zuständig. Wenn es dennoch zu Unsicherheiten kommt, steht den Verbrauchern eine kostenlose Hotline für Fragen zur Verfügung. Unter der Nummer 0800/3834000 können sich die Kunden vergewissern, dass der Mensch vor der Haustür tatsächlich die für die Gasanschlüsse zuständig ist.