Braunschweig 

Braunschweiger begeistert: So schön kann Alteisen sein

Klein und knuffig: Mit seinem Heinkel Kabinenroller traut sich Hansgert Eberle nur sonntagmorgens auf die Autobahn.
Klein und knuffig: Mit seinem Heinkel Kabinenroller traut sich Hansgert Eberle nur sonntagmorgens auf die Autobahn.
Foto: Miriam Steinrücken

Braunschweig. Zwei Sitze, Einstieg vorne und Koffer hinten draufgeschnallt. Nein, dieses Auto ist kein Scherz, auch wenn heute der 1. April ist. Der BMW Isetta war in seinem Baujahr 1957 keine Seltenheit im Straßenverkehr. Heute steht die Rarität zusammen mit anderen Oldtimern auf dem Burgplatz.

Alte Autos, schöne Frauen - das ist der Modeautofrühling in Braunschweig. Zum 15. Mal findet er am 1. und 2. April statt, und gleich am Samstag geht es los mit einer Oldtimer-Show, organisiert vom AutoSport- und Oldtimer-Club Harz/Heide im ADAC.

"Knutschkugel" Isetta auf dem Großglockner

Ein Renault Alpine A 110 von 1975 steht hier, ein VW Käfer, Baujahr 1972 und auch ein Glas GT 1700 Cabrio aus dem Jahr 1966. Doch die "Knutschkugel" Isetta zieht alle Blicke auf sich. Obwohl sie so klein und knuddelig ausschaut, hat sie es sogar auf den Großglockner geschafft, erzählt Besitzer Artur Porschmann stolz.

Aber selbst wenn mal etwas kaputt geht, ist die Isetta bei ihm in den besten Händen. Der langjährige Mechanikermeister von BMW repariert sein Auto selbst. So viel Pflege lohnt sich: Von 2.840 Deutsche Mark Neupreis hat sich der Wert des Autos bis heute auf 25.000 bis 30.000 Euro gesteigert.

Auf die Autobahn nur am Sonntagmorgen

Dass sein Heinkel Kabinenroller, Baujahr 1957, mit der Isetta verwechselt wird, wurmt Hansgert Eberle. Aber die beiden Minis sehen sich auch zu ähnlich. Eberle nutzt seinen Heinkel nicht bloß für Sonntagsausflüge, sondern auch für Alltagsfahrten - und genießt dabei die Aufmerksamkeit der Passanten.

"Die Alten freuen sich über ein Auto aus ihrer Jugend und die Jungen finden es lustig", sagt Eberle. "Auf die Autobahn traue ich mich aber nur am Sonntagmorgen."

Pannensichere Schweizer Präzisionsarbeit

In einer anderen Qualitäts- und Preisklasse fährt der Alvis. Er wurde 1959 in England gefertigt und mit einer Schweizer Karosserie ausgestattet.

In den 20 Jahren, in denen Hasso Wagner das Auto nun bereits fährt, gab es keine Pannen. "Schweizer Präzisionsarbeit halt", witzelt der Wolfenbütteler.

Die detailverliebte Technik fasziniert ihn: "Da ist alles noch mechanisch, keine komplizierte Elektronik." Und eine gute Geldanlage ist der Alvis auch: Unter Sammlern ist er schätzungsweise 80.000 bis 100.000 Euro wert.

Bastler, Nostalgiker und Romantiker

Die Oldtimer-Fahrer sind Bastler, Nostalgiker oder Romantiker, die sich nach vielen Jahren endlich einen Traum erfüllen. Erhard Rex ist so einer. "Als ich jung war, wollte ich einen Daimler-Benz Ponton 220 S haben", erzählt der pensionierte Staatsanwalt.

"Natürlich konnte ich mir den damals nicht leisten. In so einem Wagen fuhren schließlich nur Firmenchefs mit Zigarre im Mund und Chauffeur am Lenkrad." Jetzt, im Alter von 72 Jahren, hat er sich seinen Kindheitstraum erfüllt. Der Ponton von 1958 gehört ihm. Am Steuer sitzt er diesmal selbst - und kein zigarrenrauchender Wirtschaftskapitän.

Shoppen am verkaufsoffenen Sonntag

Wenn Ihr noch nicht genug habt von Autos, könnt Ihr Euch am Sonntag, 2. April, auf dem Domplatz Elektro-Autos anschauen und auf dem Schlossplatz Rennwagen.

Ganz normale, alltagstaugliche Pkws sind auch dabei. Insgesamt beteiligen sich am Modeautofrühling 23 Autoaussteller mit 150 Wagen von 27 Marken.

Damit die Jungs ungestört über Zylinder, PS und Hubraum fachsimpeln können, haben für die Mädels am verkaufsoffenen Sonntag alle Geschäfte geöffnet. Ob Auto oder Mode - in der Innenstadt seid Ihr in guter Gesellschaft. Am Wochenende erwartet Stadtmarketing-Chef Gerold Leppa 100.000 Besucher.

Einen Vorgeschmack auf die Oldtimer bekommt Ihr in unserer Foto-Slideshow:

Oldtimer in Braunschweig
Miriam Steinrücken