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Braunschweig 

Hinterbliebene abgezockt? Bestatterin schweigt

Die Angeklagte (rechts) mit ihrem Verteidiger Michael Ebeling (Mitte).
Die Angeklagte (rechts) mit ihrem Verteidiger Michael Ebeling (Mitte).
Foto: Mareike van Gerpen

Salzgitter/Braunschweig. Särge soll sie doppelt abgerechnet haben, lautet die Anklage. Gleich 265 Mal soll eine Bestatterin (41) aus Salzgitter-Lebenstedt Angehörige und Familien von Verstorbenen betrogen haben. Schon zu Beginn des Prozesses am Braunschweiger Landgericht am 19. Mai, wird schnell klar, hier gilt es Unmengen von Daten und Papieren auszuwerten, jeder noch so geringe Geldfluss muss überprüft, begründet und nachvollzogen werden.

Denn: Es geht um eine Schadensmenge von rund 130.500 Euro und die Angehörigen wollen Klarheit. Viele sind gekommen, um den ersten Prozesstag mitzuverfolgen, immer wieder ging ein Raunen durch die Reihen der Besucher. In der Verhandlung dann erklärte der Verteidiger, Rechtsanwalt Michael Ebeling, dass die Angeklagte keine Angaben zur Sache machen werde.

Durchblick bei Papierkram?

So muss sich das Gericht mit vorliegenden Rechnungen, beschlagnahmten Akten und handschriftlichen Vermerken der Angeklagten begnügen. Auch der erste geladene Zeuge, der Betreiber eines Krematoriums in Stendal, brachte nicht viel Licht in den Datenwust. Zugegeben, es geht in der Verhandlung um Fälle aus den Jahren 2012 bis 2014. Sich an Details aus diesem Zeitraum zu erinnern, scheint schwierig.

Der Betreiber allerdings schien sich immer wieder in Widersprüche zu verstricken, konnte viele Zusammenhänge nicht mehr genau rekonstruieren und benötigte viele Gedankenstützen seitens des Vorsitzenden Richters Bohle Behrendt und der Staatsanwaltschaft, die sich auf vorangegangene Vernehmungen beziehen. Wer ab wann, welche Särge von wem hat bezahlen lassen, scheint noch nicht wasserdicht geklärt.

Es habe zwischen dem Bestattungsunternehmen und dem Krematorium Absprachen gegeben, die sonst doch unüblich schienen. So habe das Krematorium zunächst lediglich die Einäscherung berechnet. Später sei dann eine Pauschale für sogenannte Einäscherungssärge berechnet worden. Auf Wunsch des geschiedenen Ehemannes der Angeklagten sei dann die Rechnung für Einäscherung und Überführung samt Sarg an die Hinterbliebenen gegangen. Absprachen, von denen die Angeklagte laut Aussage des Zeugen, gewusst haben musste.

Warten auf nächste Verhandlungstage

Eine zweite Zeugin berichtete später, dass das Arbeitsklima bei dem Lebenstedter Bestattungsunternehmen "nicht schön" gewesen sei. Sie habe dort in ihrer Zeit als Sekretärin unter starkem psychischem Druck gestanden. Immer wieder habe die Angeklagte mit der Kündigung gedroht. Im Verlauf der Befragung der Zeugin stellte sich heraus, dass die Angeklagte Daten verschwinden lassen hat. Aussage der Zeugin: "Diese Sterbefälle gingen an der Steuer vorbei."

Vieles scheint zum Ende des ersten Verhandlungstages noch unklar. Vier Zeugen sollen am Dienstag, 30. Mai, verhört werden. Noch drei Verhandlungstage hat das Gericht angesetzt, um die Umstände rund um das Geschäft mit dem Tod aufzuklären. Das Urteil wird am 9. Juni erwartet.

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Symbolbild.
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Foto: dpa
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