Braunschweig 

Eintracht: 2:1-Sieg - Aber kein Aufstiegs-Wunder

Die Eintracht-Elf geht in die Verlängerung - in die Relegation gegen den VfL Wolfsburg.
Die Eintracht-Elf geht in die Verlängerung - in die Relegation gegen den VfL Wolfsburg.
Foto: dpa
  • Eintracht bleibt auf Platz drei der zweiten Liga.
  • Kumbelas Blitztor in der zweiten Minute.
  • Erstes Relegationsspiel gegen den VfL am 25. Mai.

Braunschweig. Was seit dem gestrigen Bundesliga-Spieltag quasi schon feststand, ist jetzt offiziell Gewissheit: Eintracht Braunschweig und der VfL Wolfsburg spielen die Qualifikation für die Bundesliga-Saison 2017/18 im Nachbarschaftsduell aus!

Das große Wunder im Eintracht-Stadion ist ausgeblieben. Die nur noch theoretische Möglichkeit auf den direkten Aufstieg konnten die Löwen trotz eines 2:1 (2:1)-Sieges gegen den Karlsruher SC nicht nutzen und beenden die Saison auf Rang drei der Zweiten Liga. Jetzt wartet Wolfsburg in der Relegation.

Atemberaubende Meister-Choreo

Die Ausgangslage vor dem letzten Saisonspiel war klar: Die Eintracht brauchte einen hohen Sieg, um das sechs Tore bessere Torverhältnis von Hannover auszugleichen. Gleichzeitig musste der ungeliebte Nachbar in Sandhausen verlieren, um den Sprung der Blau-Gelben auf Platz zwei noch möglich zu machen. Rechnerisch noch möglich, realistisch aber kaum schaffbar.

Nichtsdestotrotz: Den Fans Eintracht-Stadion war es egal. Bei strahlendem Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen zeigten die Anhänger vor Beginn der Partie eine atemberaubende Choreographie. 50 Jahre Deutsche Meisterschaft, die Meisterspieler von damals mit der Schale auf dem Rasen, eine Choreo über alle Kurven, Gänsehautatmosphäre!

Offensive pur zu Spielbeginn

Trainer Torsten Lieberknecht wollte sich die Minimalchance nicht nehmen lassen und setzte voll auf Offensive: Mit Nyman, Abdullahi, Biada und Kumbela standen gleich vier (!) nominelle Angreifer in der Startelf. Das sollte sich auszahlen. Schon nach zwei Minuten klingelte es zum 1:0. Biada brachte eine Freistoßflanke in den Strafraum, Torjäger Domi Kumbela nickte ein.

Eintracht drehte auf, Karlsruhe spielte mit. Der Tabellenletzte, der nichts mehr zu verlieren hatte, konnte in der Anfangsphase mehrere Standardsituationen herausholen und nach 15 Minuten einen Freistoß zum Ausgleich nutzen. Die Eintracht-Abwehr bekam den Ball nicht weg, der fiel Bjarne Thoelke vor die Füße, und der Abwehrspieler hämmerte den Ball aus Nahdistanz zum 1:1 in die Maschen.

Vom Ausgleich motiviert, wurden die Karlsruher Mitte der ersten Halbzeit stärker und scheiterten zweimal nur knapp an Eintracht-Keeper Fejzic. Kapitän Ken Reichel klärte zudem in höchster Not vor dem einschussbereiten Luibrand.

Blau-gelbe Antwort

Nach der Druckphase des KSC legten die Blau-Gelben wieder zu. Der sehr aktive Julius Biada, der immer wieder von den Flügeln einschob, markierte das 2:1 (34.), nachdem KSC-Torwart Vollath einen Schuss von Domi Kumbela nur abklatschen konnte.

Kurz darauf ein „Tor!“-Schrei im Eintracht-Stadion: Mirko Boland nagelte einen Fernschuss unter die Latte, in Wembley-Tor-Manier flog der Ball aber aus dem Tor. Die Entscheidung des Schiedsrichters war aber wohl richtig. Es blieb beim 2:1. Auch die Eintracht-Bank protestierte nicht.

Kurz vor der Pause dann noch einmal durchatmen: Zweimal brach der schnelle KSC-Mann Yann auf dem linken Flügel durch, fand in der Mitte aber keinen Abnehmer. So ging es mit der Führung für die Eintracht in die Pause.

Sandhausen führt, das Stadion kocht

Die Löwen kamen genauso aus der Kabine, wie sie reingegangen waren. Abdullahi marschierte eine Minute nach Wiederanpfiff durch das Mittelfeld, verzog dann aber aus 16 Metern. Im Gegenzug parierte Fejzic stark gegen einen Schuss von Zawada aus rund 10 Metern.

Nach etwa einer Stunde kochte die klasse Stimmung dann noch weiter hoch. Die Nachricht von Sandhausens 1:0 gegen Hannover machte die Runde. Jetzt nur noch vier Tore, und der direkte Aufstieg wäre doch noch geschafft!

Offensive Wechsel

Und Lieberknecht wollte die Tore. Für Christoffer Nyman kam Onel Hernandez, Maxi Sauer wurde durch den offensiveren Jan Hochscheidt ersetzt. Der Trainer drängte seine Jungs nach vorne, zu verlieren gab es nichts.

Auch auf den Rängen wurde die Spannung größer: Hier ging was! Längeres Liegenbleiben der Karlsruher Spieler nach Zweikämpfen wurde mit Pfiffen quittiert. Die Statistik zeigte nach rund 75 Minuten 16 Torschüsse für die Löwen.

Kurz darauf brachte Lieberknecht mit Phillip Tietz den letzten Angreifer im Kader, um die Torgefährlichkeit bei den sich häufenden Standards nochmal zu erhöhen. Der KSC, bei dem die Kräfte merklich schwanden, beschränkte sich größtenteils aufs Verteidigen.

Bis zum Ende der Partie versuchten es die Löwen, doch ein Tor sollte nicht mehr fallen. Schüsse von Khelifi oder Reichel segelten knapp am Gehäuse der Karlsruher vorbei oder wurden von Vollath pariert. Ein Kopfball von Tietz (89.) ging aus kurzer Distanz genau auf den Torwart.

In der Nachspielzeit kam der KSC auch noch einmal vor das Eintracht-Tor. Yamada spitzelte das Leder aber knapp vorbei. Der Pausenstand blieb somit der Endstand.

Aufstieg zuhause?

Für die Eintracht geht es jetzt in die Relegation. Das erste Spiel ist am Donnerstag, 25. Mai (Himmelfahrt) in Wolfsburg. Im Rückspiel haben die Löwen dann Heimrecht: Am 29. Mai ist der VfL zu Gast im Eintracht-Stadion. Dann entscheidet sich, wer in der nächsten Saison in der Bundesliga spielt.

Eintracht: Fejzic; Sauer (65. Hochscheidt), Decarli, Valsvik, Reichel; Boland; Khelifi, Biada; Nyman (Hernandez), Kumbela, Abdullahi (77. Tietz)