Braunschweig 

So sollen Braunschweiger in Zukunft wohnen

Braunschweig. Wie gestalten wir unseren Alltag, wenn das eigene Zuhause in der Lage ist, mitzudenken und unser Verhalten zu analysieren? Dieser Frage gehen Forscher des Instituts für Datentechnik und Kommunikationsnetze der TU Braunschweig und dem Peter L. Reichertz Institut für Medizinische Informatik und der MHH nach.

Jetzt haben die Forscher sich in die Karten gucken lassen und die Türen zu zwei von sechs sogenannten "Zukunftswohnungen" geöffnet. "Unser Ziel ist es, den Alltag der Menschen zu unterstützen und zu erleichtern", erklärt Projektleiter Harald Schrom vom Institut für Datentechnik.

In dem Projekt "Die Zukunftswohnung - AAL Wohnungen in Forschung und Praxis" wird erforscht, wie das Wohnen im Alltag, aber auch im Alter unterstützt und Gefahren sowie Risiken minimiert werden können. Das bedeutet, dass eine Wohnung zukünftig mehr bieten muss, als Barrierefreiheit und "Smart Home". Die altersgerechten Assistenzsysteme, kurz AAL für Ambient Assisted Living, sollen Unregelmäßigkeiten im Verhalten der Bewohner erkennen und unterstützend wirken.

Bevor es schimmelt, geht das Fenster auf

So achtet das System beispielsweise auf die optimale Belüftung um Schimmelbildung vorzubeugen oder darauf, dass beim Verlassen der Wohnung auch die Kaffeemaschine ausgeschaltet ist.

Besonders interessant aus Sicht von Datenschützern scheint der Aspekt, dass dieses Assistenzsystem keine Internetverbindung benötigt. "So ist das System gegen Angriffe von außen immun" versichert Schrom. Auch, dass in den Wohnungen keine aufwendige Technik benötigt wird, sondern die Kommunikation der verschiedenen Systeme untereinander durch ein einfaches Telefonkabel läuft, soll die Anwendung erleichtern. Aktuell müsse die Technik noch von Ingenieuren verbaut und überwacht werden, so Schrom. Später solle der Einbau auch vom Elektriker vorgenommen werden können.

Im Alter weiter selbstständig bleiben

In Sachen Produktion sei allerdings noch viel zu tun. In Zukunft soll das gesamte System nicht mehr als 1.000 bis 2.000 Euro kosten. Dies sei wesentlich günstiger als aktuelle Assistenzsysteme, die es bereits im Handel gebe, allerdings mit wesentlich weniger Funktionen.

"Assistierende Gesundheitstechnologien werden zukünftig eine wichtige Rolle spielen. Im aktuellen 'Siebten Altenbericht' der Bundesregierung wird die Bedeutung solcher Assistenzsysteme für das selbstständige Wohnen hervorgehoben und empfohlen, solche Systeme für alle Bevölkerungsgruppen zugänglich zu machen", erklärt Reinhold Haux vom PLRI.

Am Ende sollen bereits existierende Assistenzsysteme erprobt und untereinander vernetzt werden. So können sich die verschiedenen Anwendungen sich nicht untereinander behindern und dennoch miteinander arbeiten.