Braunschweig 

Ein Friedrich-Wilhelm-Viertel ohne "Meile"?

Für die Disko-Betreiber ist die Party-Szene am Gieseler nicht wegzudenken.
Für die Disko-Betreiber ist die Party-Szene am Gieseler nicht wegzudenken.
Foto: Floris Jäger

Braunschweig. Was bedeutet die Partyszene im Friedrich-Wilhelm-Viertel eigentlich für die Stadt? Und mit welchen Problemen müssen sich die Gastronomen Tag für Tag herumschlagen? Dies sind nur einige Fragen, die beim ersten Kultviertel-Quartiersforum am Montagabend, 14. August, auf der Tagesordnung standen.

Ulrich Schwanke, Geschäftsführer der Brain Gaststätten GmbH, und Tim Lemke, Geschäftsführer der Strauß und Lemke Gruppe, berichteten aus ihrem Arbeitsalltag und machten eines ganz deutlich: Sie fühlen sich wohl im Viertel und wollen bleiben. "Die Gastronomie ist vermutlich neben der Prostitution das älteste Gewerbe der Welt", schmunzelt Ulrich Schwanke. Und dennoch müssen sich die Diskotheken-Betreiber immer wieder mit Anwohnern auseinandersetzen, denen die Musik zu laut sei.

Lautstärke ist Sache der Einstellung

Dafür zeigen die Gastronomen allerdings nur bedingt Verständnis. "Wir sind hier nun einmal direkt in der Innenstadt", erklärt Schwanke. "Hier wird gefeiert, gelacht und Musik gemacht." Schon mehrfach hatte er Gutachten anfertigen lassen, die den Geräuschpegel beispielsweise vor dem "Schwanensee" ausgewertet hatten. Das Ergebnis: Der Straßenverkehr sei zu jeder Zeit lauter gewesen als die Geräuschkulisse aus dem Club.

Für Schwanke zeigt dies, dass "zu laut" oder "zu leise" auch ein Thema der subjektiven Wahrnehmung ist. "Wir sitzen oft zwischen den Stühlen und müssen versuchen, es allen recht zu machen. Auf der einen Seite stehen die Gäste, die ausgelassen feiern wollen. Dazu gehört natürlich auch laute Musik. Auf der anderen Seite wollen wir allerdings, dass die Anwohner sich möglichst wenig durch uns gestört fühlen."

Diese beiden Seiten zu vereinen, sei für die Diskothekenbetreiber im Friedrich-Wilhelm-Viertel oft ein schmaler Grat. Der Einfluss der Betreiber auf die Gäste sei begrenzt. "Wir können den Leuten nicht vorschreiben, wie sie sich auf der Straße zu verhalten haben", rechtfertigt sich Schwanke und spielt damit auch auf das von Anwohnern vielfach kritisierte "Wildpinkeln" an. "Innerhalb der Clubs können wir die Feiernden bedingt kontrollieren, aber unter Kontrolle können wir nicht jeden haben."

Andererseits verwies Lemke auf die wirtschaftliche Kraft, die solch eine Party-Szene für eine Stadt wie Braunschweig bringe. "An den Wochenenden haben wir Tausende Besuchern vor und in unseren Läden, die oft viel Geld an einem Abend ausgeben", erklärt Tim Lemke, der unter anderem Diskos wie "42 Grad Fieber" oder "Flamingo Rosso" betreibt. Auch viele Touristen würden in die Stadt kommen, um auf der sogenannten "Meile" zu feiern.

Öffentliche Toiletten fehlen

Doch in den vergangenen zehn Jahren habe sich auch Vieles geändert. "Die Menschen, die ins Viertel ziehen, kommen, weil sie die Nähe zur Party-Meile und zur Innenstadt schätzen" erklärt Ulrich Schwanke. Dies seien in der Regel junge Leute und Studenten, die noch keine Familie gründen wollen und denen die Geräuschkulisse nichts ausmache.

Wünsche haben die Gatronomen natürlich für die Zukunft: "Wenn die Stadt öffentliche Toiletten oder Pissoires für die Feiernden installieren würde, wäre das Problem mit den 'Wildpinklern' vermutlich nicht mehr so groß", so Schwanke.

Braunschweig 

Durstige Einbrecher: Täter klauen 30 Schnapsflaschen

(Symbolbild)
(Symbolbild)
Foto: dpa
Mehr lesen