Braunschweig 

Die Suche beginnt: Flughafen braucht mehr Einnahmen

Die Besucherterrasse des Flughafens: Hier geht's eher beschaulich zu - Urlaubermaschinen soll es auch weiterhin nur in Ausnahmefällen geben.
Die Besucherterrasse des Flughafens: Hier geht's eher beschaulich zu - Urlaubermaschinen soll es auch weiterhin nur in Ausnahmefällen geben.
Foto: Siegfried Denzel
  • Zweiter Geschäftsführer soll neue Geschäftsfelder finden.
  • Absage an stark wachsenden Urlauberverkehr.
  • Rolle für Wirtschaftsstandort Braunschweig/Wolfsburg betont.

Braunschweig/Wolfsburg. Es klingt ein bisschen wie die Quadratur des Kreises: Einerseits muss der Flughafen Braunschweig/Wolfsburg etliche Millionen investieren, andererseits wollen die Gesellschafter-Städte Braunschweig und Wolfsburg spätestens ab 2024 keine jährlichen Zuschüsse an den Regional-Airport mehr überweisen.

Das Kunststück, das eine mit dem anderen zu verbinden, soll nun ein zweiter - vorübergehend verpflichteter - Geschäftsführer übernehmen: Thies Hinckeldeyn (67) soll neue Einnahmequellen erschließen; der bisherige alleinige Airport-Chef Boris Gelfert kümmert sich derweil um das Tagesgeschäft und will auf eigenen Wunsch im Laufe des kommenden Jahres aus der GmbH ausscheiden.

Der Aufsichtsrat, der Hinckeldeyn am Mittwoch mit Wirkung von Dezember berufen hat, setzt großes Vertrauen in den ehemaligen Braunschweiger Dezernenten und Vorstandschef der damaligen Braunschweiger Verkehrs AG: In letzterer Funktion habe der heutige Unternehmensberater bereits das Defizit des Verkehrsbetriebs "um ein Drittel reduziert", betonte der Erste Stadtrat aus Braunschweig, Christian Geiger.

Urlauberverkehr? Zu vernachlässigen

Befürchtungen von Anliegern, der Flughafen könnte zur Verbesserung seiner Einnahmen vermehrt auf Urlauberflüge setzen, versuchte der bisherige Geschäftsführer Gelfert unterdessen zu zerstreuen: "Der Reiseflugverkehr wird eine zu vernachlässigende Größe bleiben", betonte er auf eine Nachfrage von news38.de.

28.000 Flugbewegungen

Von den jährlich etwa 28.000 Flugbewegungen entfallen seinen Worten nach bis zu 80 Prozent auf den Forschungsflughafen. Der Rest betreffe den - durch VW immens wichtigen - Geschäftsreiseverkehr sowie den Bereich Hobby- und Freizeitflüge.

Dass Veranstalter wie das Wolfenbütteler Unternehmen Der Schmidt vermehrt Verbindungen ab Braunschweig anbieten, falle kaum ins Gewicht. Und "Fliegen von zuhause" scheint dem Airport-Manager auch gar nicht so recht zu sein: Man forciere solche Verbindungen nicht, versicherte Gelfert, sondern biete sie nur im Rahmen der sogenannten Betriebspflicht an.

Viele Flächen

Die wirtschaftliche Zukunft sehen Geschäftsführer und Aufsichtsräte in einem ganz anderen Bereich: Der Airport verfüge über zahlreiche Grundstücke. "Wir müssen das Immobilien-Portfolio weiterentwickeln", betonte Geiger. Der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Sabah Enversen aus Wolfsburg deutete schon mal an, wie diese Entwicklung aussehen könnte: etwa in der Ansiedlung von Hotellerie.

Auch das im Sommer eröffnete Lilienthalhaus als neuer Standort für Wissenschaft sowie Start-Up-Unternehmen könnte Vorbildcharakter für weitere Projekte haben. Und unübersehbar direkt am Flughafen sind Werbeaufsteller, die Gewerbeflächen anpreisen.

Dafür sind die Millionen

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Auf der anderen Seite muss der Flughafen alle Kräfte bündeln, um seinen Bestand zu sichern. Beispielsweise seien bis zu 2,5 Millionen Euro für eine neue Feuerwache nötig, schätzt Geschäftsführer Gelfert. Auch eine neue Kfz-Werkstatt brauche der Airport - auch dies eine Millionen-Investition.

Und die Abfertigung in dem rund 80 Jahre alten Empfangsgebäude, ergänzte Aufsichtsrat Enversen, "ist nicht mehr State of the Art". Außerdem nage der Zahn der Zeit an den Gebäuden. Aufsichtsratschef Matthias Disterheft formulierte es freilich etwas freundlicher: "Der Flughafen atmet Geschichte."