Braunschweig 

Braunschweigs Daniel Düsentrieb: Lehndorfer baut Mega-Akku

Ein buntes Meer aus Akkuzellen, dass noch lange nicht fertig ist. "Nur weil die Wand voll ist, heißt das nicht, dass ich schon genug Speicher habe", sagte der 52-jährige Braunschweiger im news38.de-Gespräch.
Ein buntes Meer aus Akkuzellen, dass noch lange nicht fertig ist. "Nur weil die Wand voll ist, heißt das nicht, dass ich schon genug Speicher habe", sagte der 52-jährige Braunschweiger im news38.de-Gespräch.
Foto: Hannes Kalter

Braunschweig. In einem Monat weniger Strom aus dem Netz verbrauchen als ein US-Haushalt an einem Tag? Für Oliver Witte ist das kein Problem. Der Braunschweiger Tüftler hat sich seinen eigenen Stromspeicher gebaut. Das Ziel: Den Verbrauch aus dem Stromnetz auf null zu reduzieren. news38.de hat den 52-Jährigen bei sich Zuhause getroffen.

Die Tüftelein beginnen schon an der Haustür, des von Außen unscheinbaren Haus in Braunschweig Lehndorf. Akkuzellen aus alten Laptops betreiben hier schon das "smarte" Türschloss.

Mega-Akku keine Deko

"Die Hauptmotivation war nicht Geld zu sparen. Am Anfang waren es vor allem die persönliche Herausforderung und die Nachhaltigkeit, die mich angetrieben haben.", sagt Oliver Witte gegenüber news38.de. Daraus hat sich mittlerweile ein handfestes Konzept entwickelt: Insgesamt 2.240 Akkuzellen aus alten Laptopakkus schmücken seine "Powerwall" im Keller.

Zur Deko hängt die Konstruktion dort allerdings nicht. Die Zellen fungieren als Energiespeicher für den Haushalt des Braunschweigers. Der überschüssige Strom, den die 34 Solarpanels auf dem Hausdach produzieren, wird hier nämlich nicht wir üblich in das Stromnetz eingespeist, sondern fließen direkt in den Mega-Akku im Keller.

Bilder aus dem Stromsparhaus:

Ganz voll kann der Akku einen Durchschnittshaushalt etwa zwei Tage mit Strom versorgen. "Die Akkus werden sonst verschrottet.", sagt der Tüftler und fügt hinzu: "Laptops werden häufig weggeschmissen, wenn der Akku nur noch eine Stunde läuft. Das heißt aber nicht, dass jede Zelle im Akku auch auf den Schrott gehört."

Der Speicher funktioniert sogar so gut, dass der Lehndorfer im Sommer von einem Stromausfall nichts mitbekam. In seiner Straße waren alle Häuser Strom, nur sein Eigenes nicht.

Stromrechnung halbiert

Deswegen sammelt Witte sich gebrauchte Laptopakkus von Wertstoffhöfen zusammen, baut sie auseinander und testet danach jede Zelle. Mit über 4.000 Einzelzellen hat er das schon gemacht. Die funktionstüchtigen Akkus lötet er dann zu Blöcken á 20 Stück zusammen und "nagelt" diese im Keller an die Wand. Außerdem hat er herkömmliche Einwegbatterien komplett aus seinem Haus verbannt. Denn wo diese vorher zum Einsatz kamen, hat Witte nun die Akkuzellen aus Laptops in Betrieb.

Angefangen hat der 52-Jährige vor anderthalb Jahren, mit einem einzigen Solarpanel auf dem Dach und größeren Bleiakkus zum Speichern der Energie. Die Batterien konnten die benötigte Energie aber schon bald nicht mehr leisten. Eine leistungsfähigere Lösung mit mehr Kapazität musste her. Auf der Suche nach günstigen Akkus stieß Witte dann auf die Idee mit den Laptopakkus.

Seit Ende 2016 tüftelt der Braunschweiger an seiner Idee. In Betrieb genommen wurde die Batterie dann vor gut einem Jahr, Anfang 2017. Seitdem hat er die "Powerwall" stetig erweitert. Im Vergleich zum Februar 2017, ohne Mega-Akku, konnte der Stromverbrauch im Februar 2018 um ein Drittel gesenkt werden. In den Sommermonaten, mit mehr Tageslicht, geht sogar noch deutlich mehr. So hat Witte über das erste Jahr verteilt rund 50% des Stromverbrauch aus dem Stromnetz eingespart.

Noch lange nicht am Ziel

Doch am Ziel ist Witte noch lange nicht. Die zweite Generation seiner "Powerwall" ist bereits in Planung. Damit soll dann die doppelte bis dreifache Menge an Strom gespeichert werden und der 52-Jährige ist seinem Traum, ein Jahr nur "auf Batterie" zu leben, einen Schritt näher.