Braunschweig 

Antisemitismus in Braunschweig? Jüdische Gemeinde erzählt

Unscheinbar ist das Gebäude der jüdischen Gemeinde Braunschweig in der Steinstraße.
Unscheinbar ist das Gebäude der jüdischen Gemeinde Braunschweig in der Steinstraße.
Foto: Lara Hann

Braunschweig. Noch bis Freitagabend feiern Juden in Deutschland den Auszug aus Ägypten: Das Pessach-Fest findet zur Zeit statt. Auch Jugendliche in Braunschweig pflegen diese Tradition - ihre Mitschüler wissen davon häufig nichts: Die Angst vor Anfeindung ist bei vielen Schülern jüdischen Glaubens zu groß.

Für die Sicherheit: Anmeldung notwendig

Die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Braunschweig, Renate Wagner-Redding, freut sich über jeden, der mehr über das jüdische Leben in Deutschland erfahren möchte. Wer zu einer Veranstaltung der Gemeinde, die seit 1875 besteht, gehen möchte, muss sich dafür allerdings anmelden. Ein Grund dafür sei der Sicherheitsaspekt. "In größeren jüdischen Gemeinden muss man inzwischen durch Kontrollen ähnlich denen auf einem Flughafen gehen", erzählt Wagner-Redding. So streng ist es in Braunschweig nicht.

Bisher habe es in Braunschweig noch keine Angriffe auf die Gemeinde gegeben. Böse Nachrichten auf dem Anrufbeantworter, oder beleidigende Mails gebe es aber durchaus. "Und auch die Fassaden des Gebäudes wurden schon beschmiert", so die Vorsitzende.

Braunschweig ist bunt

In Braunschweig gebe es neben einer relativ große rechtsradikalen Szene auch israelfeindliche Palästinenser. Doch: "Die Polizei und auch die Bevölkerung handhaben das hier ziemlich gut", freut sich die Ehrenamtliche. Dabei spielt sie vor allem auch auf die Aktion "Braunschweig ist bunt" des Bündnisses gegen Rechts an, an der sich die jüdische Gemeinde auch beteiligt hat.

Doch auch wenn der Antisemitismus in Braunschweig nicht so sehr zu spüren ist wie andernorts, ist doch gerade bei Kindern und Jugendlichen eine Angst sichtbar. "Die meisten Kinder sagen ihren Mitschülern nicht, dass sie Juden sind", erklärt Wagner-Redding. Abfällige Bemerkungen über Juden habe fast jeder schon einmal gehört und die Befangenheit über seine Religion zu sprechen sei daher bei vielen groß.

Entschuldigungen für Feiertage

Zu Feiertagen können sich Schüler Entschuldigungen bei der Gemeinde abholen. "Das machen die meisten aber nicht. Sie lassen sich dann eher von ihren Eltern krankmelden", erklärt Wagner-Redding. Als sie einmal für einen Vortrag in eine Schule ging, in der ein Mitglied der Gemeinde Schüler war, habe dieser im Vorfeld zu ihr gesagt: "Bitte tun Sie einfach so, als würden Sie mich nicht kennen".

Die größten Vorurteile sehe sie bei jugendlichen Muslimen. Diese bekämen schon von frühester Kindheit an den Hass gegen Israel beigebracht. "Das Problem ist, dass viele Menschen Israel und Juden gleichsetzen", erklärt Wagner-Redding. Bei Rechtsradikalen ärgere sie etwas anderes viel mehr: "Die Leute haben keine Ahnung von der Geschichte Israels, haben aber eine Meinung dazu". Die Unwissenheit über die politische Entstehung des Staates Israel bei vielen Kritikern sei erschreckend.

Respektvoller Umgang miteinander

Die jüdische Gemeinde Braunschweig hat heute etwa 200 Mitglieder aus weit über zwölf Nationen. "Multikulturelles Zusammenleben wird bei uns sehr groß geschrieben", erklärt Wagner-Redding.

Wenn Gemeindemitglieder zusammensitzen, werde auch über Themen wie Ausgrenzung und Hass und den Umgang damit geredet. "Man muss uns nicht lieben, aber ich wünsche mir einen respektvollen Umgang miteinander", resümiert die Vorsitzende.