Braunschweig 

Bombiges Fazit nach XXL-Einsatz: Nur wenige machen Ärger

Haus für Haus klappern die Einsatzkräfte ab.
Haus für Haus klappern die Einsatzkräfte ab.
Foto: Jörg Koglin

Braunschweig. Die Bombenentschärfung in der Hennebergstraße hat am Abend ganz Braunschweig in Atem gehalten. Doch was bedeutet solch ein Fund eigentlich für eine Stadt und deren Einwohner? Und, was muss nach solch einem Fund passieren? news38.de hat mit Torge Malchau, Leiter der Feuerwehr Braunschweig, über den XXL-Einsatz gesprochen.

Angefangen hatte alles mit dem Fund einer 250 Kilogramm schweren Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg gegen 15.30 Uhr. In solchen Fällen ist zunächst der Kampfmittelbeseitigungsdienst des Landes zuständig. "Die Kollegen begutachten dann die Situation und legen fest, welche Maßnahmen nötig sind, um die Bombe sicher entschärfen zu können". Im konkreten Fall war ein Gebiet mit einem Radius von rund 1.000 Metern nötig, um den Blindgänger zu entsorgen.

Nach einer Stunde steht alles

Nur eine Stunde später, etwa gegen 16.30 Uhr, sei der Krisenstab der Stadt Braunschweig das erstmal zusammengekommen und habe erste Entscheidungen getroffen. "Das ging gestern Nachmittag ziemlich schnell. In diesem Fall waren Spezialisten aus dem Fachbereichen für Bau, Vertreter der Verkehrs-GmbH, die Pressestelle und natürlich Feuerwehr und Polizei dabei", erklärt Malchau.

Die besondere Herausforderung bestand laut Malchau zunächst darin, dass ein Pflegeheim und auch mehrere Hotels evakuiert werden mussten. "Wir mussten insgesamt 172 Bewohner aus der Pflege, aber auch aus Senioren-WGs und privaten Wohnungen mit Krankentransporten abholen und unterbringen." Zusätzlich mussten Veranstaltungen in der Stadthalle abgesagt, in der VW-Halle früher beendet werden. Mehr als 10.000 Menschen waren von der Evakuierung betroffen.

Die Bilder

Grundsätzlich hatten die Betroffenen laut dem Chef der Feuerwehr mit viel Verständnis reagiert. "Der größte Teil der Betroffenen hat sehr gut reagiert und schnell mit uns zusammengearbeitet. Leider hatten sich dennoch einige wenige geweigert, ihre Wohnungen zu verlassen. Das hat die ganze Geschichte schon ziemlich in die Länge gezogen."

Renitente halten den Betrieb auf

Eine Handvoll Braunschweiger hatte sich geweigert – das hatte die Einsatzkräfte rund eineinhalb Stunden Zeit gekostet, bis sie mit der Entschärfung der Bombe dann schließlich beginnen konnten. Und das, obwohl die Evakuierung an sich schon ein riesiger Aufwand für die Einsatzkräfte war. "Wir gehen zwar so früh wie möglich an die Öffentlichkeit, auch wenn wir noch spärliche Infos haben."

Danach fahren Einsatzkräfte durch die Straßen und verkünden über Lautsprecher, dass sämtliche Gebäude zu räumen sind. In einem weiteren Schritt geht es dann an die Feinarbeit. "Dann klingeln wir wirklich an jeder Haustür und versuchen so sicherzustellen, dass wirklich niemand mehr in den Häusern ist", so Malchau.

Ob die renitenten Bewohner jetzt mit rechtlichen Konsequenzen rechnen müssen, steht laut Malchau noch nicht fest. "Die Möglichkeit besteht aber."

Evakuierung aus Erfahrung

Geprobt werden kann ein solches Szenario nur bedingt. "Natürlich üben wir die Stabsarbeit und die Abläufe in der Organisationskette." Das Evakuieren ganzer Stadtteile sei dagegen Erfahrungssache und werde von erfahrenen Einsatzkräften geleitet. Insgesamt ist Malchau zufrieden. Auch wenn einige Kollegen nur wenig bis gar keinen Schlaf bekommen haben, sei alles rund gelaufen. "Wenn Einzelne dann nicht mitmachen, ist das ärgerlich, aber auch diese Situation haben wir dann ja schließlich im Griff gehabt."

Viele der rund 750 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Polizei, der Verwaltung und der Stadt würden vermutlich noch schlafen. Die letzten Kräfte hatten ihren Dienst gegen 7.30 Uhr beendet. "Besonders der Rücktransport der vielen Bettlägerigen hat viel Zeit und Kapazität gekostet."