Braunschweig 

Neues Industriegebiet: "Es wird nicht stinken"

Wird das geplante Gewerbe- und Industriegebiet nur halb so groß wie bislang geplant? (Archivbild)
Wird das geplante Gewerbe- und Industriegebiet nur halb so groß wie bislang geplant? (Archivbild)
Foto: dpa
  • Vorstellung Machbarkeitsstudie zum neuen Gewerbe- und Industriegebiet
  • Gebiet umfasst 145 Hektar und kostet 125 Millionen Euro
  • Ansiedlung von 24/7-Industrie geplant

Braunschweig/Salzgitter. Das geplante interkommunale Gewerbe- und Industriegebiet auf der Gemarkung der beiden Nachbarstädte Braunschweig und Salzgitter ist aus Sicht von Gutachtern "ambitioniert, aber machbar". Vorgeschlagen wird die Erschließung in insgesamt drei Bauabschnitten, wobei die Städte zunächst die Phasen eins und zwei näher ins Auge fassen. Das neue Gewerbe- und Industriegebiet hätte nach Abschluss dieser Abschnitte eine Größe von 145 Hektar - anstatt wie bisher geplant 362 Hektar.

Projekt kostet 125 Millionen Euro

Dieses Ergebnis der sogenannten Machbarkeitsstudie stellten die beiden Oberbürgermeister Ulrich Markurth (SPD, Braunschweig) und Frank Klingebiel (CDU, Salzgitter) am Freitag in Salzgitter vor. Grund für die deutliche Verkleinerung des Gebietes ist der Wegfall von Bauflächen im Norden rund um den Ellernbruchsee. Trotzdem sind sich die Politiker einig: "So ein Gewerbe- und Industriegebiet ist in ganz Niedersachsen einzigartig." Die Bauabschnitte eins und zwei würden insgesamt 125 Millionen Euro kosten.

Ulrich Markurth, Oberbürgermeister von Braunschweig
Bea Kühne

Insgesamt müssen drei Grundvoraussetzungen geschaffen werden, bevor sich mit einer detaillierten Planung beschäftigt werden kann:

  • Das Vorranggebiet "Kiesbau" muss aufgehoben werden
  • Das Land muss insgesamt 40% der Gesamtkosten sowie 60% der Autobahnkosten tragen
  • Die Verkehrsproblematik muss gelöst werden

Vor allem der letzte Punkt bereitet den Gremien Kopfzerbrechen: "Der Bau einer neuen Anschlussstelle würde 39 Millionen Euro kosten und etwa zehn Jahre dauern. Das ist ambitioniert, aber realistisch", so Michael Tacke, Stadtbaurat der Stadt Salzgitter. Im Gespräch sind auch Radschnellwege, Pendelbusse und sogar neue Mitfahrer-Apps.

Industrie non stop

"Das sind schon große Brocken", erklärte Frank Klingebiel. "Wir könnten in der ersten Liga der Industriepolitik Deutschlands spielen. Das ist eine große Chance für die ganz Region", ergänzte Markurth. Damit gemeint ist die Ansiedlung von 24/7-Industrie - also Firmen, die Tag und Nacht jeden Tag in der Woche produzieren. Anwohner müssten dann mit einer Lärmbelastung von bis zu 60 Dezibel rechnen - das ist etwa so laut wie ein Rasenmäher aus zehn Metern Entfernung. Markurth kann zumindest in einem Punkt beruhigen: "Wir wollen keine Schlote - es wird nicht stinken."

Frank Klingebiel, Oberbürgermeister von Salzgitter
Bea Kühne

Keine Nuklear-Industrie

Die Städte möchten in dem Gebiet ausdrücklich keine Nuklear-Industrie, wollen sich durch zivilrechtliche Kniffe absichern. "Wir achten auf die Käufer und bauen in den Kaufvertrag Hürden ein, die es für ein nukleares Unternehmen äußerst unattraktiv machen, sich hier anzusiedeln", hieß es dazu in der Pressekonferenz.

Bereits im Vorfeld hatte es von Gegnern zahlreich Protestaktionen gegeben; sie fürchten unter anderem um wertvolle Ackerflächen und die Mehrbelastung durch den entstehenden Verkehr.

Im Juni wird die Machbarkeitsstudie in den einzelnen Orts- und Bezirksräten vorgestellt. Wird der Vorschlag positiv aufgenommen, wollen die Gremien bis Ende September 2019 die Kernfragen klären. Erste Vorgespräche mit dem Land verliefen bisher positiv.