Braunschweig 

Meterhohe Flammen: Hunderte Bücher brannten vorm Schloss

Lesen verboten! Im Pavillion liegen die Bücher von Autoren, deren Werke auf der "schwarzen Liste" standen, die in den Braunschweiger Tageszeitungen erschien.
Lesen verboten! Im Pavillion liegen die Bücher von Autoren, deren Werke auf der "schwarzen Liste" standen, die in den Braunschweiger Tageszeitungen erschien.
Foto: Hannes Kalter

Braunschweig. Auf dem Schlossplatz ist "Lesen verboten!" Denn wo vor 85 Jahren Bücher brannten, soll noch bis zum Montag, 14. Mai, an die schreckliche "Aktion wider den undeutschen Geist" gedacht werden. Dazu steht für sechs Tage ein Lesepavillon auf dem Schlossplatz, ein risieges rotes Kreuz markiert die Stelle des Scheiterhaufens.

Bücher brannten vor dem Schloss

Das Projekt "Lesen verboten!", von der Stadt Braunschweig ins Leben gerufen, macht auf den 85. Gedenktag der Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 aufmerksam. Unter der Führung des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes (NSDStB) brannten damals in 22 deutschen Universitätsstädten die Scheiterhaufen aus Büchern.

TU führte Verbrennung an

Auch in der Löwenstadt riefen Studierende und der Rektor der TU Braunschweig auf, Bücher anzuzünden, die auf der schwarzen Liste standen. Die Liste war Tags zuvor in den Braunschweiger Tageszeitungen erschienen. Die Bücher von rund 200 Autoren brannten auf dem Schlossplatz, insgesamt 640 Bände aus dem Bestand der Braunschweiger Hochschule.

"Wir haben nicht alle Autoren von der Liste hier, aber gut 80 Prozent liegen zum stöbern bereit", sagt ein Mitarbeiter der Stadt neben dem Lesepavillon. Das Projekt werde gut von den Braunschweigern angenommen: Über 50 Menschen seien allein im Zeitraum einer Stunde an der Gedenktafel, dem Kreuz oder am Pavillon stehen geblieben und hätten sich mit dem Thema auseinander gesetzt, heißt es weiter.

Die Bilder vom Bücherpavillon:

Viel Feedback

"Wir bekommen viel Feedback, dass Leute die Aktion gut finden, aber auch einige die sagen: "Man kann auch mal vergessen", so der Mitarbeiter. Die Bücher wurden mit der Hilfe Braunschweiger Antiquariate zusammengetragen. Nach dem Ende des Projekts können die Bände in die Schulbibliotheken interessierter Schulen aufgenommen werden.