Braunschweig 

Kostenlose Schultickets: "Traurig, dass wir hier sein müssen"

Foto: Christopher Kulling

Braunschweig. Das nennt man wohl Nachdruck. Braunschweigs Schüler lassen nicht locker, wenn es um kostenlose Bus- und Bahntickets geht. Am Freitagnachmittag haben sich rund 60 Jugendliche vor dem Rathaus zu einer kurzen Demo getroffen, um der Politik noch mal auf die Füße zu treten. Danach ging es geschlossen in die Schulausschuss-Sitzung, um da auch noch mal Position zu beziehen.

Stadtschülerrat spricht von "Stillstand"

Jan Philip Fahrbach aus dem Vorstand des Stadtschülerrats sagte news38.de, dass bei dem Thema des kostenlosen Schultickets schon zu lange Stillstand herrsche: "Die Verwaltung schiebt das vor sich hin. Seit vier Monaten ist nichts passiert", so der Abiturient vom Martino-Katharineum. Schüler hätten ein kurzfristiges Interesse, sagt Jan Philip.

Von der Stadt dagegen hieß es, die Planungen würden fortgeführt. Das vor einem Jahr für 10.000 Euro in Auftrag gegebene Verkehrsforschungs-Gutachten sei noch in der Prüfung.

Kostenlos vor den Stoßzeiten?

Jan Philip denkt schon weiter, er hat einen Kompromissvorschlag mitgebracht: "Man könnte auch über ein Upgrade-Modell nachdenken. Zum Beispiel, dass wir Schüler nur vor den Stoßzeiten kostenlos mit Bus und Bahn fahren dürfen", schlägt er vor. Als Preis für so ein Upgrade-Ticket schlägt er 15 Euro vor – anstatt der momentanen 47,40 Euro im Monat.

Kein Geld - kein Bus - kein Abi?

Jan Philips Mitstreiter Max Weitemeier findet es traurig, dass die man überhaupt erst so viele Leute mobilisieren muss, um seinem Anliegen Nachdruck zu verleihen. Der Gaußschüler macht sich mit Blick auf geringverdienende Eltern auch Sorgen um eine drohende Spaltung: "Schüler möchten nicht überlegen müssen, ob sie aus finanziellen Gründen überhaupt Abitur machen können."

Unter die Schüler haben sich auch einige Eltern gemischt. Markus Daas hat zwei Kinder und lässt Dampf ab: "Es ist absolut ungerecht, dass Kinder nur bis zur zehnten Klasse umsonst fahren dürfen", findet er – auch mit Blick auf Semestertickets für Studenten oder Sozialtickets für Geflüchtete.

Vom Finanzamt habe er erfahren, dass das Schulticket nicht steuerlich absetzbar und schon ins Kindergeld eingerechnet sei – "als Alleinverdiener kommt man damit aber einfach nicht hin."