Braunschweig 

Bei Massaker dabei? NS-Ermittlungen gegen 95-Jährigen

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig in der Turnierstraße.
Die Staatsanwaltschaft Braunschweig in der Turnierstraße.
Foto: news38.de

Braunschweig. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt gegen einen 95-jährigen mutmaßlichen NS-Kriegsverbrecher aus dem Harz. Gegen den heute in einem Altenheim lebenden Mann liege ein Anfangsverdacht wegen Beihilfe zum Mord vor, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Julia Meyer.

Ein Schreiben des Simon-Wiesenthal-Zentrums in Jerusalem hat die deutsche Justiz auf den 95-Jährigen aufmerksam werden lassen. Demnach soll er als Rottenführer (Mannschaftsdienstgrad) jener SS-Kompanie angehört haben, die 1941 in der Schlucht von Babyn Jar am Massaker an mehr als 33.700 ukrainischen Juden beteiligt war.

Mann bestreitet Vorwürfe

Wie Behördensprecherin Meyer betont, bestreitet der Mann aber, überhaupt in jener Kompanie gewesen zu sein. Auch könne er sich nicht an eine Verstrickung in Kriegsverbrechen erinnern.

Die Auswertung seiner Angaben dauere noch an. Dabei hat die Staatsanwaltschaft auch die Zentralstelle zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen im baden-württembergischen Ludwigsburg eingeschaltet.

Verfahren auch in Celle und Osnabrück

Ähnliche Fälle wie nun in Braunschweig gebe es derzeit auch in Celle und Kassel, sagte der dortige Behördenleiter Jens Rommel. Ende vergangenen Jahres hatte zudem die Staatsanwaltschaft Osnabrück Ermittlungen gegen einen damals 94 Jahre alten früheren SS-Angehörigen aufgenommen; auch er soll am Massaker von Babyn Jar beteiligt gewesen sein.