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Drogenszene: So wird in Braunschweig gedealt

Drogenszene: So wird in Braunschweig gedealt

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Das scheinbare Schlendern ist in Wirklichkeit ein Taxieren der Passanten: Wer könnte Interesse an Drogen haben? Foto: privat
  • Drogenszene: Offenbar reger Straßenhandel.
  • Polizei: „Überschaubare Szene in Braunschweig.“
  • Brennpunkte: Friedrich-Wilhelm-Straße und Windmühlenberg.

Braunschweig. 

Für Stammkunden gibt’s oft Umarmungen – für Außenstehende sieht’s aus wie das zufällige Aufeinandertreffen alter Bekannter. Vermeintliche Touristen und/oder Nachtschwärmer hingegen werden erst genau taxiert – dann entscheidet offenbar nicht zuletzt das Schritt-Tempo darüber, ob an der Ecke Friedrich-Wilhelm-Straße/Bruchstraße ein Angebot zugeraunt wird.

Es geht um Stoff – „gute Ware“, versprechen die potenziellen Verkäufer in gebrochenem Deutsch. „Gepanschter Koks“ sei es, sagen Insider aus dem Milieu. Und übereinstimmend heißt es, dass afrikanische Gruppen den Drogenmarkt in der Braunschweiger Innenstadt „übernommen“ haben.

„Marihuana am gängigsten“

Trotzdem geht die Polizei noch von einer „überschaubaren Szene in Braunschweig“ aus, wie Sprecher Joachim Grande gegenüber news38.de betont. Zwar könne man auch in der Löwenstadt „alles bekommen, wobei Marihuana am gängigsten ist“.

Aber: „Wir haben keine so große offene Rauschgiftszene“ – was auch am Kontrolldruck der Polizei liege. Sowohl durch erkennbare Streifen als auch durch „viele Zivilstreifen„. Immer wieder gebe es Kontrollen, wobei die dabei sichergestellten Mengen meist „sehr gering“ seien.

Aufklärungsquote: traumhafte 97 Prozent!

In der Kriminalstatistik der Polizeiinspektion Braunschweig liest sich das so: Es habe im vergangenen Jahr insgesamt 1.584 Rauschgiftdelikte gegeben; in 223 Fällen gehen die Ermittler von illegalem Handel beziehungsweise Schmuggel mit Rauschgift aus. Das ist etwas weniger als 2016, als die Polizeiinspektion in 272 Fällen von Rauschgifthandel ermittelte.

Die Aufklärungsquote: sagenhaft hoch – jeweils rund 97 Prozent.

Doch Grande räumt ein, dass die Zahl wenig mit der Realität zu tun hat: „Bei Betäubungsmitteln haben wir es mit einer hohen Dunkelziffer zu tun“ – weil die Deals „so konspirativ wie möglich“ ablaufen und weder Käufer noch Verkäufer auffliegen wollen.

Anders ausgedrückt: Von den meisten Taten bekommen die Ordnungshüter gar nichts mit.

Umsatz-Vorgabe bei Händlern?

Trotzdem wird die Szene beobachtet – nicht nur von der Polizei. Bei Discogängern gelten einige Verkäufer als zunehmend aggressiv. „Als wenn die unter Druck stehen, bestimmte Mengen an den Mann bringen zu müssen“, schilderte ein Braunschweiger seinen Eindruck, nachdem er auf dem Weg zu einem Club an der Wallstraße angesprochen wurde – und eindeutig ablehnte.

Drogendepots: auch an der Kirche

Ihre Drogendepots sollen die Dealer dezentral im 500-Meter-Umkreis des Bereichs Friedrich-Wilhelm-Straße/Wallstraße/Bruchstraße angelegt haben: Unter anderem in Büschen sowohl am Lessingplatz, an der Ägidienkirche oder am Europaplatz.

Doch nicht nur dieser Innenstadt-Bereich ist der Polizei als Drogen-Marktplatz bekannt: Auch am Windmühlenberg sei die Szene aktiv, sagt Polizeisprecher Grande. Nur das synthetische, meist aus osteuropäischen Ländern importierte „Crystal Meth“ sei in Braunschweig „gar kein Thema“.