Braunschweig 

Nach Stickern vor Moschee: AfD bekennt sich zu #Mähtoo

Der #Mähtoo-Wagen steht unberechtigt auf dem Platz der Deutschen Einheit, vor der Polizei Münzstraße.
Der #Mähtoo-Wagen steht unberechtigt auf dem Platz der Deutschen Einheit, vor der Polizei Münzstraße.
Foto: privat
  • AfD bekennt sich zu Hashtag gegen Schächtung.
  • Muslimische Gemeinde fühlt sich diskriminiert.
  • Wagen hat unrechtmäßig vor Dom gehalten.

Braunschweig. Seit einigen Tagen fahren durch niedersächsische Städte, unter anderem auch durch Braunschweig, Werbe-Wagen mit einem Bild von einem Lamm und der Aufschrift #Mähtoo in einem stilisierten Blutfleck - nun hat sich die AfD zu der Aktion bekannt.

Wer die Website aufruft, die auf den Werbeflächen angepriesen wird, gelangt auf eine Seite die sich mit der Schächtung von Schafen beschäftigt. Beim Schächten handelt es sich um die religiöse Schlachtung von Tieren.

Islamische Gemeinde fühlt sich diskriminiert

Wie die HAZ berichtet, wurden in einigen niedersächsischen Städten, so auch in Salzgitter, neben Laternen auch Moscheen mit Stickern beklebt, die das Logo der Aktion zeigen. Mitglieder der muslimischen Gemeinde Hannover fühlten sich nach Angaben des Blattes sogar an die Nazizeit erinnert, als Sterne an Schaufenster geklebt wurden.

Seitenverantwortlicher leugnet Zusammenhang mit AfD

Julian M., der zunächst noch als Seitenverantwortlicher im Impressum der Website angegeben war, reagierte auf Nachfrage von news38.de noch am Donnerstag ausweichend. Auf die Frage, ob die Ähnlichkeit der Aufmachung der Seite zur AfD Zufall sei, reagierte er abwehrend: "Diese Frage verstehe ich nicht. Es existieren tausende Webseiten mit ähnlichen Farben oder Schriften im Internet."

Zufällig wirkt die Wahl des Hashtags nicht: Vor kurzem ist auch der #MeTwo aufgekommen, bei dem es um die Debatte gegen das Diskriminieren von Menschen mit Migrationshintergrund geht. Auch will M. die Ähnlichkeit zum #MeToo nicht als Verballhornung verstanden wissen - es gehe schließlich auch dabei um Leid.

Auch ist auffällig, dass die Kritik auf der Website sich ausschließlich gegen Muslime richtet, obwohl auch in anderen Religionen traditionell geschächtet wird.

AfD bekennt sich

Eine Anfrage von news38.de gegenüber der AfD Braunschweig zeichnet nun ein ganz anderes Bild. In einer offiziellen Mitteilung der AfD-Niedersachsen meldet sich Dana Guth zu Wort. Da die anderen Parteien im Niedersächsischen Landtag den AfD-Antrag, keine Sondergenehmigungen für Schlachtungen mehr auszustellen, abgelehnt haben, müsse die AfD anders für die Aufklärung sorgen. "Daher haben wir mit #Mähtoo begonnen", wird die Franktionsvorsitzende in der Pressemitteilung zitiert.

Inzwischen hat sich auch das Impressum der Seite verändert: Verantwortlich ist nicht mehr Julian M., sondern Dana Guth.

Wagen ordnungswidrig abgestellt

In Braunschweig stand der #Mähtoo-Wagen zwischenzeitlich auf dem Platz der Deutschen Einheit - auch dafür wäre eine Sondergenehmigung nötig gewesen. Auf Anfrage bei der Stadt stellt sich jedoch heraus: Der Verwaltung war nichts von der Aktion bekannt.

"Eine solche Sondergenehmigung wird jedoch üblicherweise nicht erteilt, da eine solche überwiegende Nutzung den Verkehrs- und Parkraum blockiert und das Erscheinungsbild des öffentlichen Verkehrsraums, insbesondere der Innenstadt und Fußgängerzone, deutlich beeinträchtigt. Dies gilt auch in Fällen von Meinungsäußerungen zu politischen Themen", erklärt Adrian Foitzik, Sprecher der Braunschweiger Stadtverwaltung.