Braunschweig 

Stadt vs. Tierschützer: Ein Taubenschlag für Braunschweig?

Damit die Tauben sich nicht weiterhin verletzen, fordern Tierschützer einen Taubenschlag für Braunschweig.
Damit die Tauben sich nicht weiterhin verletzen, fordern Tierschützer einen Taubenschlag für Braunschweig.
Foto: Stadttiere Bs

Braunschweig. Kohlmarkt, Friedrich-Wilhelm-Platz, Salzdahlumer Straße - das sind die Orte an denen Spaziergänger großen Taubengruppen begegnen. Manche finden sie schön, andere abstoßend. Und auch die Meinungen von Tierschützern und der Stadt Braunschweig gehen da weit auseinander. Während die Taubenfreunde einen Taubenschlag errichten wollen, steht für die Stadt fest: Tauben sind Schädlinge die keines Schutzes bedürfen.

Seit 1993 gibt es in Braunschweig ein Fütterungsverbot für Tauben. Wer dennoch füttert, muss mit empfindlichen Strafen rechnen. Ausgenommen sind da Beate Gries, Stadtratmitglied der Grünenfraktion, und fünf weitere Mitarbeiter der Initiative "Stadttiere Braunschweig". Sie dürfen - unter klaren Richtlinien - Futter für die Tauben ausstreuen, um diejenigen unter ihnen, die verletzte Füße haben, zu behandeln.

Füße der Tauben sterben ab

"Die Tauben laufen auf der Suche nach Futter durch die Stadt und verheddern sich dabei in Haaren und Schnüren", erklärt Gries. Die Schnüre drückten den Tieren dann die Füße solange ab, bis diese langsam absterben. "Das passiert vermehrt, weil die Tiere auf der Suche nach Futter viel rumlaufen müssen", sagt die Tierschützerin. Das Futter, das sie fänden, sei dann aber alles andere als für sie geeinget.

"Tauben dürfen ausschließlich Körner essen", erklärt die Grünenpolitikerin. Auf dem Boden in der Stadt gebe es aber fast nur Nahrung, die die Tiere nicht vertragen. "Pommes und Brötchen gehören nicht zur natürlichen Nahrung der Tiere", sagt die Frau, die sich vorher auch schon für den Katzenschutz in Braunschweig eingesetzt hat. Von der falschen Nahrung bekämen die Tiere dann Durchfall, was den unschönen, schwer zu entfernenden Kot verursache.

Tierschützer fordern Taubenschläge

Für ein Fütterungsverbot ist Gries trotzdem. "Das wurde auch bereits 1998 in der Loseblattsammlung des Ministeriums für Landwirtschaft vorgeschlagen", sagt sie. Allerdings würden von den meisten Städten, so auch von Braunschweig die anderen vorgeschlagenen Maßnahmen weitestgehend ignoriert. Dazu gehörten auch Taubenschläge. "Die Tiere entfernen sich nur, weil es wenig Nahrung gibt nicht von ihren Brutplätzen, sie sind standortgebunden", erklärt Gries. Dadurch könne das Ziel, die Tauben aus der Stadt fernzuhalten, nicht erreicht werden. Das ginge nur, wenn man den Tauben eine geeignete Alternative zu ihren bisherigen Nistplätzen böte.

In den Taubenschlägen werden die Tiere gefüttert. Außerdem werden fast alle Eier, die sie legen, durch Ei-Attrappen ausgetauscht. So vermehren sie sich nicht unkontrolliert. "Dann sieht man die Tauben nur noch, wenn sie ein Mal am Tag einen Flug über die Stadt machen", sagt Gries. Am Hamburger Hauptbahnhof ist dieses Konzept bereits aufgegangen. Und auch in Göttingen in der Universitätsklinik gibt es einen Taubenschlag.

Stadt gegen Taubenschläge

Das Veterinäramt der Stadt sieht das ganz anders. "Bei konsequenter Einhaltung des Fütterungsverbotes verlassen Tauben das Stadtgebiet und wandern ins Umland ab", sagt Adrian Foitzik, Sprecher der Stadt Braunschweig. Entgegen den Aussagen der Taubenfreunde, wäre der Rückgang der Taubenpopulation in der Stadt so zu erklären und nicht etwa dadurch, dass die Jungtiere der Tauben verhungern würden.

Taubentürme, die in den 1990er Jahren im Bereich des Ritterbunnens/Schlossplatzes aufgebaut wurden, hätten die Tiere nicht angenommen. Laut Gries ist das kein Wunder: Die Taubenschläge müssten an einem Ort in der Nähe der bisherigen Nistplätze aufgebaut werden.

Übertragen Tauben kaum Krankheiten?

"Tauben übertragen nicht mehr für den Menschen schädliche Krankheiten, als jeder andere Vogel", erklärt Gries. Die Tiere seien zu Unrecht als Schädlinge verschrien und hätten den Schutz genauso verdient wie alle anderen Tiere. Das bestätigt auch eine Untersuchung mehrerer Tierärzte zu dem Thema.

Mit der Deutschen Bahn haben die Taubenfreunde jetzt einen Platz ausgehandelt, an dem ein Taubenschlag stehen könnte. Wo genau er stehen soll, wird aus Angst vor Taubenhassern nicht bekannte gegeben. Auf Unterstützung der Stadt können sie dabei wohl nicht hoffen. "Derzeit ist nicht geplant in Taubenschutzmaßnahmen zu investieren", so Foitzik. Sie hoffen nun auf Spenden aus der Bevölkerung.