Braunschweig 

Eklat in Kreisklasse: "Wir schicken euch nach Auschwitz!"

Am Rande eines Kreisklasse-Spiels zwischen dem VfB Rot-Weiß Braunschweig und dem MTV Braunschweig soll es zu der unglaublichen Entgleisung eines Trainers gekommen sein (Symbolbild).
Am Rande eines Kreisklasse-Spiels zwischen dem VfB Rot-Weiß Braunschweig und dem MTV Braunschweig soll es zu der unglaublichen Entgleisung eines Trainers gekommen sein (Symbolbild).
Foto: Daniel Karmann/dpa
  • MTV-Trainer soll Gegner antisemitisch beschimpft haben.
  • Verein wartet auf Stellungnahme des Übungsleiters.
  • VfB-Betreuer fordert Konsequenzen.

Braunschweig. "Wenn auch nur die Hälfte von dem stimmt, was er gesagt haben soll, dann ist er nicht mehr Trainer bei uns." Jörg Diekmann, Geschäftsführer des MTV Braunschweig, wartet auf eine schriftliche Stellungnahme des Coaches der 2. Männer-Fußballmannschaft.

Denn die Vorwürfe gegen den Übungsleiter wiegen schwer - und dürften im Falle des Beweises auch strafrechtliche Konsequenzen haben.

Zwischenfall beim Kreisklasse-Spiel

"Wir schicken euch nach Auschwitz!" Dieses Nazi-Vokabular soll er am Sonntag am Rande des Kreisklasse II-Spiels MTV Braunschweig - VfB Rot-Weiß Braunschweig gegenüber VfB-Kickern verwendet haben. Zuvor soll er bereits die zwar fremdenfeindliche, aber dagegen fast schon harmlose Bemerkung getätigt haben: "Geht doch in euren Döner-Laden" - offenbar eine Anspielung auf den Migrationshintergrund vieler VfB-Spieler. Zuvor habe der Schiedsrichter ein Foul eines MTV-Kickers an einem Gegner gepfiffen.

MTV will reden

VfB-Betreuer Yunus Kilic bezeichnet auf der Facebook-Seite seines Vereins das Geschehen in der Nachspielzeit der Kreisklasse-Partie als bislang beispiellos. "Das übertrifft jede Art von Beleidigung und ist an Rassismus und Antisemitismus nicht zu übertreffen."

MTV-Geschäftsführer Diekmann indes distanziert sich im Namen des MTV "klar und eindeutig von rassistischen und diskriminierenden Kommentaren jedweder Art". Man suche mit allen Beteiligten beider Vereine das Gespräch, "um diesen bedauernswerten Vorfall vollständig aufzuklären".

Entschuldigung von den Spielern?

Kilic indes beruft sich darauf, dass mehrere MTV-Spieler nach Abpfiff der Partie zu ihm gekommen und sich für ihren Trainer entschuldigt hätten. Seine Erwartung an Geschäftsführung und Vorstand des MTV: Sie sollen die "logischen Konsequenzen" ziehen - bevor der Fußballverband ihn im wörtlichen Sinne aus dem Spiel nehme.

Jörg Diekmann will indes die angeforderte Stellungnahme abwarten. Das nächste Training sei am Mittwoch - bis dahin, ist er sicher, herrsche Klarheit.

In der sportlichen Auseinandersetzung hat sich der VfB Rot-Weiß übrigens mit 5:2 beim MTV durchgesetzt.

Hintergrund: Auschwitz

Das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz nahe der südpolnischen Stadt Oświęcim bestand zwischen 1940 und 1945; die SS ermordete dort bis zu 1,5 Millionen Menschen - zumeist Juden aus Deutschland, Österreich, Frankreich, den Benelux-Ländern, Italien, Griechenland, Polen, Jugoslawien, Rumänien, der damaligen Sowjetunion, Ungarn und der Tschechoslowakei.

Der Beitrag wurde aktualisiert. Zunächst hatten wir irrtümlich gemeldet, der MTV habe 5:2 gewonnen - es war der VfB, der mit diesem Resultat vom Platz ging.