Braunschweig 

Musterklage: Richter versetzt VW Dämpfer

Ungewöhnlicher Tagungsort des Oberlandesgerichts: Der Kongresssaal der Braunschweiger Stadthalle.
Ungewöhnlicher Tagungsort des Oberlandesgerichts: Der Kongresssaal der Braunschweiger Stadthalle.
Foto: Swen Pförtner/dpa

Braunschweig. Im milliardenschweren Musterverfahren von VW-Anlegern schließen die Richter nicht aus, dass Volkswagen den Kapitalmarkt im Abgas-Skandal zu spät informiert haben könnte. Im Fall des VW-Geständnisses gegenüber den US-Behörden, Dieselmotoren manipuliert zu haben, könne die Voraussetzung der Kursrelevanz erfüllt sein, sagte der Vorsitzende Richter am Oberlandesgericht Braunschweig, Christian Jäde, am Dienstag.

Infos einen Monat später

Das Eingeständnis fiel auf den 19. August 2015, VW informierte seine Anleger damals aber erst etwa einen Monat später am 22. September 2015 per Ad-hoc-Nachricht. Es geht um eine vorläufige Einschätzung des Gerichts. "Als unzulässig würden wir das Feststellungsziel jedenfalls nicht ansehen", sagte Jäde.

Außerdem bescheinigte er den Klägern, dass deren Vorwurf "zumindest nicht aus der Luft gegriffen" sei, dass der damalige Vorstandschef Martin Winterkorn "bereits deutlich vor der Veröffentlichung im September 2015 Kenntnis" von der Abschaltautomatik gehabt habe.

Nach dem Bekanntwerden der Abgas-Affäre hatten die Vorzugsaktien des Unternehmens zwischenzeitlich fast die Hälfte ihres Werts verloren, die Anleger erlitten teils massive Verluste. Insgesamt machen Kläger Forderungen von fast 9 Milliarden Euro geltend. Im Musterverfahren selbst liegt der Streitwert bisher bei knapp 4 Milliarden Euro.