Braunschweig 

Braunschweiger in türkischer Haft: Erdogan beleidigt?

Der Braunschweiger Hüseyin M. soll den türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan einen "Diktator" genannt haben - nun droht ihm eine mehrjährige Haft (Archivfoto).
Der Braunschweiger Hüseyin M. soll den türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan einen "Diktator" genannt haben - nun droht ihm eine mehrjährige Haft (Archivfoto).
Foto: Burhan Ozbilici / dpa

Braunschweig/Ankara. Weil er in Facebook-Kommentaren den türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan beleidigt haben soll, sitzt Hüseyin M. aus Braunschweig seit inzwischen mehr als einem Monat in einem türkischen Gefängnis. Am Donnerstag kommender Woche soll sein Prozess beginnen, bei dem ihm eine bis zu vierjährige Haftstrafe droht.

Seine angeblichen Taten: Der 42-Jährige soll Erdogan bei Facebook einen "Diktator" genannt haben, ein anderes Mal "Kindermörder" - und zwar in den Jahren 2014 und 2015, wie das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtet. Er und seine Familie bestreiten die Vorwürfe.

Anti-Terror-Einheit vor der Tür

Als Hüseyin M. im August dieses Jahres mit seiner Frau Urlaub im Ferienhaus seiner Schwiegereltern in Kusadasi bei Izmir machte, habe eines nachts eine schwer bewaffnete Anti-Terror-Einheit vor der Tür gestanden, um ihn festzunehmen. Kontakt zu deutschen Diplomaten sei ihm bislang verwehrt worden, seine Familie hat sich inzwischen hilfesuchend an den ehemaligen deutschen Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) gewandt, von dem sie sich eine Intervention beim türkischen Außenminister Mevlüt Cavusoglu erhoffen.

Was bei Yücel und Tolu klappte...

Immerhin hatte Gabriel seinen damaligen Amtskollegen im Januar in seiner Heimatstadt Goslar empfangen, was Gabriel in Deutschland zwar heftige Kritik eingebracht hatte. Kurz danach aber war Bewegung in die monatelang festgefahrenen Gespräche um die Freilassung der ebenfalls inhaftierten deutschen Journalisten Deniz Yücel und Mesale Tolu gekommen...

Pikant: Wie Mesale Tolu besitzt auch Hüseyin M. ausschließlich die deutsche Staatsbürgerschaft. Für die türkische Justiz gelte er aber offenbar als Türke.