Braunschweig 

Gegen Missbrauch: Biker spenden Kindern Kraft

Atze, Cowboy, Como, Aniotek, Mieze und Chris sind ehrenamtlich in der Zweigstelle des Vereins B.A.C.A. in Schöningen tätig. Die Biker spenden missbrauchten oder misshandelten Kindern Kraft.
Atze, Cowboy, Como, Aniotek, Mieze und Chris sind ehrenamtlich in der Zweigstelle des Vereins B.A.C.A. in Schöningen tätig. Die Biker spenden missbrauchten oder misshandelten Kindern Kraft.
Foto: Brigitte Vetter

Braunschweig/Helmstedt. Im Einsatz gegen Angst versammeln sich Biker aus ganz Europa immer wieder, um misshandelte oder missbrauchte Kinder in ihre Biker-Familie aufzunehmen. Fast immer mit dabei: zwölf Biker aus Helmstedt und der Region. Auf diese Weise versucht der gemeinnützige Verein Bikers Against Child Abuse (B.A.C.A.) den Kindern Kraft und Geborgenheit zu schenken.

"Wir sind Biker, die sich ehrenamtlich dafür einsetzen, dass Kinder nach einem Missbrauch ohne Angst leben können", sagt Biker Atze, Präsident von der Zweigstelle B.A.C.A. in Schöningen. "Jedes Kind bekommt eine eigene Zeremonie, in der es in unserer Mitte aufgenommen wird. Anschließend bekommt es zwei Ansprechpartner zur Seite gestellt, die immer zur Stelle sind, wenn es mal Angst hat."

So läuft die Zeremonie ab

Bei der Zeremonie umkreisen teilweise 70 Biker das Kind und schenken ihm eine eigene Kutte, einen Teddybär und eine Kuscheldecke. Der Teddy wird von jedem Biker umarmt und so mit Kraft aufgeladen. Anschließend stellen sich alle Vereinsmitglieder dem Kind mit ihren Bikernamen vor.

Bei einem Erstgespräch mit der Familie, durfte sich das Kind zuvor seinen eigenen Bikernamen aussuchen - zusammen mit dem Backpatch (Biker-Logo) steht dieser auf der Kutte. Zum Abschluss der Zeremonie darf das Kind eine Runde auf einem Moped mit Sissybar mitfahren - während die anderen Biker eine La-Ola-Welle machen.

Anonymität zum Schutz aller

Zum eigenen Schutz bleiben alle Beteiligten anonym: "Wir wollen die Kinder nicht in die Öffentlichkeit ziehen und unsere Mitglieder vor den Tätern schützen. Deshalb kennen sich die Beteiligten nur unter ihren Bikernamen", so Atze.

Auch die Leidensgeschichte des Kindes ist den meisten Mitgliedern unbekannt: "Für die Betreuung der Kinder durchlaufen die Ansprechpartner eine einjährige Ausbildung. Dennoch sind wir keine Psychologen - das Aufarbeiten der Vergangenheit gehört nicht zu unserem Aufgabenbereich. Wir wollen dem Kind in der Gegenwart und für die Zukunft Kraft spenden, dafür müssen wir die Vergangenheit nicht kennen."

Nur ein Mitglied kennt die Fälle

Laut Atze gibt es nur ein Vereinsmitglied, das sich in die jeweiligen Akten einliest, um den Vorstand grob über den Fall zu unterrichten - dafür benötigt der Verein das Aktenzeichen des Falls. Der Vorstand entscheidet letztlich, ob das Kind vom Verein betreut wird. Wenn ein Kind in die Biker-Familie aufgenommen werden soll, dann geht eine E-Mail an alle europäischen Vereine von B.A.C.A. raus - so können zahlreiche Biker bei der Zeremonie erscheinen.

Von Amerika nach Schöningen

In Deutschland gibt es acht Zweigstellen des Vereins, der ursprünglich aus Amerika kommt. Dort wurde B.A.C.A. vor etwa 20 Jahren von Sozialarbeiter John Paul alias "Chief" gegründet.

Die Zweigstelle in Schöningen kümmert sich in einem Umkreis von 160 Kilometern um missbrauchte Kinder - zwölf Mitglieder und drei Auszubildende sind ehrenamtlich im Einsatz. In der Ausbildung lernen die sogenannten Supporter nicht nur, wie sie mit traumatisierten Kindern umgehen, sondern auch das richtige Verhalten in einer Biker-Community.

Der Verein ist für Eltern eines missbrauchten Kindes unter der Notfallnummer 0163/6822873 erreichbar. Weitere Informationen gibt es auf der B.A.C.A.-Website oder unter der E-Mail-Adresse: info@sp-deu.bacaworld.org