Braunschweig 

Soli-Demo: Das ist Hamids bewegende Fluchtgeschichte

Madina und Hamid sind mit dabei - später erzählt der junge Afghane dann noch seine Fluchtgeschichte.
Madina und Hamid sind mit dabei - später erzählt der junge Afghane dann noch seine Fluchtgeschichte.
Foto: Christopher Kulling
  • Soli-Demo in Braunschweig am Samstag.
  • "Hiergeblieben! - Bleiberecht ist Menschenrecht".
  • Junger Afghane erzählt Fluchtgeschichte.

Braunschweig. Hamid war 15 Jahre alt, als er aus seiner Heimat geflohen ist. Seine Kindheit in einem kleinen Dorf im Norden Afghanistans sei sehr schön gewesen, erzählt Hamid am Samstag in Braunschweig. Schön – bis 2015 die Taliban gekommen sind.

Die Terroristen hätten ihn und seine Familie immer wieder bedroht und geschlagen. "Gebt uns eure Kinder, sonst seid ihr alle tot", hätten sie gedroht. Zusammen mit seinen Eltern und seinem zehnjährigen Bruder flüchtete Hamid.

Taliban erschießen Eltern

Es ist sehr still, als er seine Fluchtgeschichte auf dem Schlossplatz erzählt. An der Grenze zu Pakistan seien sie von den Taliban beschossen worden. Hamid und sein Bruder saßen in einem Auto, ihre Eltern in einem anderen. "Die haben sie erwischt. Ich habe nur eine riesige Explosion gesehen", erzählt er. Danach bricht er in Tränen aus.

Freund stirbt im Iran

Im Iran habe es dann seinen besten Freund getroffen. Die Polizei habe ihn erschossen, so Hamid. "Aber ich musste nach vorne sehen. Mein Vater hat immer gesagt, ich solle auf meinen kleinen Bruder aufpassen." Das hat Hamid gemacht.

Sogar ein Bootsunglück haben die beiden überlebt. Ihr kleines Schiff sei kurz vor der griechischen Küste gekentert, erzählt er mit belegter Stimme. Mehr als 200 Meter hätten sie schwimmen müssen – "viele der mehr als 50 anderen haben das leider nicht geschafft." Er selbst, so Hamid, sei dabei auch fast gestorben.

Fünf Wochen Flucht

Acht Länder habe er durchqueren müssen, teils ohne Essen und ohne Schlaf. "Ich hatte immer Angst um meinen Bruder." Nach rund fünf Wochen waren die beiden am Ziel: Bei ihrem Onkel. Der ist Arzt in Braunschweig. "Ich war so happy, mich endlich als Mensch wieder frei bewegen zu können", sagt Hamid.

Fotos der Demo:

"Nicht alle sind scheiße"

Am Ende seiner Rede bedankt er sich bei allen Unterstützern – und muss noch etwas loswerden: "Es ist so schade, dass nicht alle verstehen, dass wir Flüchtlinge nicht alle gleich sind. Es ist schade, dass manche denken, alle Flüchtlinge sind so scheiße wie ein paar einzelne."

Demo bleibt friedlich

Dafür bekommt er Applaus. Rund 150 Menschen machen mit bei der Demo "Hiergeblieben! - Bleiberecht ist Menschenrecht". Vom Kohlmarkt geht es einmal bis zum Schlossplatz und zurück. Laut Polizei verlief die Demo friedlich.

Video der Demo:

Demonstration "Hiergeblieben"
Demonstration "Hiergeblieben"