Braunschweig 

Es lief wie geschmiert: Schwerer Verdacht gegen Firma aus Südniedersachsen

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Foto: Patrick Pleul/dpa

Göttingen/Braunschweig. Ein Unternehmen aus Südniedersachsen soll im großen Stil Schmiergelder gezahlt haben, um den Verkauf seiner Produkte im Ausland zu fördern. Die Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftsdelikte in Braunschweig ermittele seit Sommer dieses Jahres gegen führende Mitarbeiter der Firma und andere Personen wegen besonders schwerer Bestechung, sagte Behördensprecher Christian Wolters der Deutschen Presse-Agentur.

Firma schweigt beharrlich

Es bestehe der Verdacht, dass zwei rechtlich voneinander unabhängige Gesellschaften des Unternehmens jahrelang in der Demokratischen Republik Kongo, in Nigeria und in Kasachstan Schmiergelder gezahlt haben, sagte der Sprecher. Ziel soll es gewesen sein, dass Ausschreibungen dort auf die von dem Unternehmen angebotenen Produkte zugeschnitten werden. "Es kommen möglicherweise ähnliche Delikte in weiteren Länder hinzu", sagte Wolters. Die Firma äußerte sich trotz wiederholter Anfrage nicht zu den Vorwürfen.

Hohe Bestechungsgelder

Bei den Aufträgen in Afrika und Asien soll es sich um von der Weltbank finanzierte Projekte im Volumen von mehreren Millionen Euro gehandelt haben. "Ob es sich wirklich in dieser Größenordnung bewegt, können wir allerdings noch nicht abschließend beurteilen", sagte Wolters. "Aber wir gehen derzeit von einem einstelligen Millionenbetrag aus." Die Höhe der gezahlten Bestechungsgelder soll teilweise 15 Prozent des jeweiligen Auftragsvolumens betragen haben.

Razzien in mehreren Bundesländern

Bereits Anfang August seien wegen des Korruptionsverdachts Räumlichkeiten der Firma durchsucht worden, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Zudem seien diverse andere Geschäfts- und Privaträume vorwiegend in Niedersachsen, aber auch in Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Hamburg sowie in Belgien durchsucht worden. Bei der Aktion, an der 120 Polizisten und zwei Staatsanwälte beteiligt waren, seien Unterlagen, Computer und Datenträger sichergestellt worden. Festnahmen habe es nicht gegeben.

Verdächtige noch nicht vernommen

"Wir sind noch in einem relativ frühen Stadium der Ermittlungen", sagte Wolters. Die Beweismittel würden derzeit gesichtet und geprüft. Wegen des großen Umfangs der sichergestellten Gegenstände könne diese Prüfung noch längere Zeit dauern. Die Verdächtigen seien zu den Vorwürfen noch nicht vernommen worden.

In Gang gekommen seien die Ermittlungen durch eine anonyme Strafanzeige, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Der Anzeige-Erstatter sei den Ermittlungsbehörden mittlerweile aber bekannt. "Es ist eine Person, die augenscheinlich Kenntnisse der Geschäftsabläufe hat", sagte Wolters.

Mitarbeiter soll nicht mehr angestellt sein

Nach offiziell unbestätigten Informationen handelt es sich um einen inzwischen ausgeschiedenen Mitarbeiter des verdächtigten Unternehmens. Der Mann war nach Angaben eines Justizsprechers kürzlich zu einen Jahr und sechs Monaten Bewährungsstrafe verurteilt worden, weil er über einen längeren Zeitraum hinweg Firmengelder veruntreut haben soll.