Braunschweig 

Tea-Party: Hanfbar in Braunschweig hat vier Gründe zum Feiern

Marcel Kaine (links) und Bardia Hatefi haben Neuigkeiten zu vermelden. Und die haben es durchaus in sich.
Marcel Kaine (links) und Bardia Hatefi haben Neuigkeiten zu vermelden. Und die haben es durchaus in sich.
Foto: Christopher Kulling
  • Die Hanfbar kann wieder Hanfblütentee verkaufen.
  • Außerdem gibt's neue Labor-Ergebnisse.
  • Und eine "Tea-Party" am kommenden Samstag.

Braunschweig. Die Hanfbar in Braunschweig kann erstmal wieder Hanfblütentee verkaufen. Betreiber Marcel Kaine und Bardia Hatefi erzählen im news38.de-Interview, dass sie jetzt dank einer Anwaltskanzlei aus Köln einen juristischen Teilerfolg erzielt haben.

Hanfbar darf wieder Tee verkaufen

Ihr Widerspruch gegen das sofortige Verkaufsverbot des Tees sei erfolgreich gewesen. "Wir können jetzt wieder alles ins Regal stellen und verkaufen – und das werden wir", sagen Marcel und Bardia. Wann genau die "Premiumblütentees" wieder in Braunschweig angeboten werden können, sei noch offen.

Von der Stadt geschlossen werden könne die Hanfbar jetzt erstmal nicht mehr – genau das hätte dem Laden an der Mühlenpfordtstraße ja gedroht, wenn der bislang "verbotene" Tee dort wieder über die Theke gewandert wäre.

"Die ganzen anderen strafrechtlichen Sachen stehen aber auf einem anderen Blatt", sagt Marcel. Damit meint er auch die Ermittlungen gegen ihn – 36 Tage lang hatte er in einer sechs Quadratmeter großen Zelle in Untersuchungshaft gesessen.

Labor hat Hanfblüten getestet

Und dann gebe es noch einen Teilerfolg, sagen die beiden. Demnach habe ein unabhängiges Labor die Hanfblüten getestet – einmal so, wie sie in der Hanfbar verkauft werden und einmal noch nachgetrocknet.

"Bei den nachgetrockneten Hanfblüten ist der THC-Wert wegen des geringeren Gewichts der Blüten gestiegen, teils um 25 Prozent", sagt Bardia. Diese Blüten - mit einem dann illegalen THC-Wert - würden in der Hanfbar aber nicht verkauft.

Drei Razzien in Braunschweig

Genau das ist der Streitpunkt zwischen der Stadt und der Justiz mit der Hanfbar. Die Behörden sagen, dass der Verkauf der Blüten verboten ist. Daher hatte es im Sommer drei Razzien gegeben – und die Verhaftung von Marcel.

Dagegen wiederum richtete sich in Braunschweig Protest. Viele verstanden die Verhältnismäßigkeit nicht. Es gab sogar eine Mahnwache für Marcel. Letztlich mit Erfolg. Das Start-up wird sich kommenden Samstag auch noch vergrößern: Im Bremer "Viertel" wird eine neue Hanfbar eröffnet.

Tea-Party am 8. Dezember

Die Teilerfolge, Marcels Freilassung, der neue Laden und auch ein neues "Hanfbar-Gesicht" nehmen die beiden zum Anlass für eine große "Tea-Party". Am 8. Dezember sind alle eingeladen, mit dem Hanfbar-Team um 19 Uhr zu feiern.

Staatsanwaltschaft pocht auf Haftbefehl

Die Staatsanwaltschaft und Oberlandesgericht Braunschweig jedoch sind auch weiterhin der Meinung, dass die Produkte deutschlandweit nicht verkauft werden dürfen. "Der Haftbefehl des Amtsgericht Braunschweig ist vom Oberlandesgericht Braunschweig aufrecht erhalten worden", so der Sprecher der Braunschweiger Staatsanwaltschaft Hans Christian Wolters. "Dieser ist bislang lediglich unter Auflagen außer Vollzug gesetzt."

Bei einem Verstoß des Beschuldigten gegen diese Auflagen, zu denen insbesondere das Verbot des Verkaufs des "Hanftees" gehört, könne dieser unverzüglich durch das Amtsgericht Braunschweig wieder in Vollzug gesetzt werden. Das ist ggf. eine Sache von Minuten", so Wolters.

Und weiter: "Im Großen und Ganzen kann man sagen, dass die Entscheidung der Stadt Braunschweig ohne Auswirkungen auf das strafrechtliche Ermittlungsverfahren ist. Der Verkauf von Hanfblüten und -blättern, egal ob man diese nun als 'Hanftee' oder anders bezeichnet, ist und bleibt nicht nur in Braunschweig, sondern in ganz Deutschland verboten."

Stadt Braunschweig: Hanfblütentee-Verbot bleibt in Kraft

Am späten Dienstagnachmittag meldete sich auch die Stadt Braunschweig zu Wort. In einer Mitteilung von Sprecher Rainer Keunecke wird deutlich, dass den Hanfbar-Betreibern auch weiterhin Ungemach droht. Das Rathaus habe lediglich die "Anordnung der sofortigen Vollziehung der Ordnungsverfügung" aufgehoben, weil sie formal nicht mehr nötig sei. Und zwar weil schon das Oberlandesgericht Braunschweig dem Geschäft auferlegt habe, die Abgabe von Cannabis und Cannabisprodukten zu unterlassen – auch mit niedrigem THC-Gehalt.

"Das Verbot, Hanfblütentee zu verkaufen, bleibt in Kraft", stellt Keunecke klar. Verstoße die Hanfbar dagegen, drohten den Betreibern nach wie vor Sanktionen wie Bußgelder oder sogar die Auflösung des Gewerbes.