Braunschweig 

Dreiste Ablöse: Chef schickt nacheinander illegale Mitarbeiter in Zollkontrolle

Gleich zwei Kollegen konnten die Beamten entlarfen. (Symbolbild)
Gleich zwei Kollegen konnten die Beamten entlarfen. (Symbolbild)
Foto: Hauptzollamt Braunschweig

Braunschweig/Nörten-Hardenberg. Um die Ladung seines illegalen Mitarbeiters von einer Zollkontrolle abzuholen, hat ein Spediteur am 25. November gleich den nächsten illegalen Mitarbeiter in die Kontrolle des Göttinger Zolls geschickt.

Wie die Beamten am Montag berichten, sei Ausgangspunkt die Kontrolle eines polnischen Kleintransporters auf der A7 am Sonntagmorgen gewesen. Dabei stellte sich heraus, dass der ukrainische Fahrer weder eine gültige Aufenthalts- noch Arbeitserlaubnis hatte. Als die Zöllner ihm dann mitteilten, dass er nicht weiterfahren könne, informierte dieser seinen Chef, der kurzerhand einen Ersatzfahrer für die eilige Fracht losschickte.

Speditionen unter Druck

An der Kontrollstelle angekommen, wollten die Zöllner auch dessen Papiere sehen und stellten verdutzt fest: wieder ein Ukrainer, wieder keine Aufenthaltserlaubnis, wieder keine Arbeitserlaubnis.

"Ehrlicherweise kann ich mir das nur durch den enormen Zeitdruck im Transportgewerbe erklären", kommentiert ein eingesetzter Kontrollbeamter und weist damit auf den ernsten Hintergrund der nahezu grotesken Situation hin. Gerade sonntags übernehmen Speditionen auf Grund des Sonntagsfahrverbotes für schwere Lastwagen eilige Kurierfahrten regelmäßig mit Kleintransportern. Da diese jedoch grundsätzlich keiner Geschwindigkeitsbegrenzung unterliegen, sind oft die zeitlichen Vorgaben der Auftraggeber enorm.

Fünf Verfahren eingeleitet

Für den Kontrollerfolg macht Pressesprecher Andreas Löhde vom zuständigen Hauptzollamt Braunschweig vornehmlich die eingesetzten Kollegen verantwortlich: "Wenn wir nicht russischsprachige Kollegen im Einsatz gehabt hätten, hätten wir den Ersatzfahrer vielleicht gar nicht kontrolliert, denn eigentlich rechnet niemand mit so viel Dreistigkeit".

So kurios die beschriebene Kontrollsituation war, so blieb ihr Ergebnis doch kein Einzelfall: innerhalb wenigen Stunden stoppten die Zöllner an derselben Stellen drei weitere polnische Kleintransporter mit ukrainischen Fahrern ohne Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis. In allen fünf Fällen wurden Strafverfahren wegen des Verdachts des illegalen Aufenthalts und der illegalen Beschäftigung von Ausländern eingeleitet. (mvg)