Braunschweig 

Kein Bock auf Nazis: Bosse hält packende Laudatio

Bosse während seiner Laudatio bei der Einslive-Krone.
Bosse während seiner Laudatio bei der Einslive-Krone.
Foto: WDR/Screenshot

Bochum/Braunschweig. Beim Musikpreis "Krone" des Radiosenders Einslive hat Bosse zwar wieder mal nicht gewonnen – trotzdem sorgte er am Donnerstagabend für einen Höhepunkt der Show. Der Braunschweiger hielt die Laudatio für den Sonderpreis, der in diesem Jahr an ein Paar geht, das sich vehement gegen Nazis in seinem Dorf wehrt.

Krone geht nach Jamel

Birgit und Horst Lohmeyer leben seit 14 Jahren in dem als "Nazi-Dorf" bekannt gewordenen Jamel in Mecklenburg-Vorpommern. Unter dem Motto "Rockmusik für Demokratie und Toleranz" veranstalten sie dort seit zwölf Jahren ein nicht-kommerzielles Festival gegen die erstarkenden rechten Kräfte in der Region.

Prominente Unterstützung und Solidarität erhalten die beiden dabei durch zahlreiche Benefiz-Auftritte. In Jamel spielten zum Beispiel schon Die Toten Hosen, Die Ärzte, Kraftklub, Madsen, Beatsteaks, Casper, Marteria, Herbert Grönemeyer – und auch Bosse.

In seiner Laudatio beschrieb der Braunschweiger den Alltag in Jamel: "Birgit und Horst werden bespuckt, beschimpft, bedroht und vor drei Jahren hat irgendwer die Scheune auf ihrem Hof abgefackelt." Die beiden wünschten sich ein buntes, offenes und tolerantes Deutschland ohne Rassmisus, Ausgrenzung und Hass.

Bosse bewundert Engagement

Die Lohmeyers ließen sich trotz aller Drohungen aus der rechten Nachbarschaft nicht vertreiben. "Ich bewundere ihr Engagement, ihr Durchhaltevermögen und ihre Kraft! In einer Zeit des Rechtsrucks, der Diskriminierung, der Verschiebung verbaler Grenzen ist es Zeit für jeden von uns, vom Sofa aufzustehen"; so Bosse.

"Wir lassen uns nicht vertreiben, einschüchtern oder abschrecken - wir sind einfach mehr", sagte Bosse. Im Anschluss gab es minutenlangen Applaus und Standing Ovations für die Lohmeyers.