Braunschweig 

Schwimmen, Tauchen, Segeln: So nimmt Braunschweig Flüchtlingen die Angst vor Wasser

Es ging darum, Berührungsängste und Traumata abzubauen.
Es ging darum, Berührungsängste und Traumata abzubauen.
Foto: TSC Delphin

Braunschweig. Geflüchteten Jugendlichen die Angst vor Wasser nehmen und sie gleichzeitig integrieren – das ist ein Ziel gleich mehrerer Projekte in Braunschweig. Und weil die Angebote bisher sehr gut angenommen wurden, werden sie jetzt fortgesetzt und ausgebaut.

Integrationspreis für Schwimmkurs

So war ein Schwimmkurs ein Angebot aus dem mit dem Niedersächsischen Integrationspreis ausgezeichneten Projekt "Unter Freunden" von der Naturfreundejugend Braunschweig. Auch Jugendliche ohne Fluchthintergrund waren dabei.

Angebot richtet sich an alle

"Von Anfang war es uns wichtig keine Angebot nur für Geflüchtete zu machen, sondern stets Aktionen anzubieten, an denen alle Menschen teilnehmen können. Dieser Linie bleiben wir auch 2019 treu", so Ortsjugendleiter Michael Schulz.

Rund 50 Teilnehmer hatten sich zu Beginn angemeldet - Jungs und Mädchen. Allerdings machten am Ende nur fünf von ihnen ihren Freischwimmer. Jan Kiegeland von der Naturfreundejugend hat dafür eine pragmatische Erklärung: "Die meisten Geflüchteten aus der LAB wurden umquartiert oder abgeschoben", sagt er news38.de.

So oder so – bei dem Kurs wie auch beim Gesamtprojekt sei es um mehr gegangen als um den Erwerb des Freischwimmers: "Wir haben so viel miteinander geredet und Spaß gehabt", so Jan. Insgesamt habe das Projekt viele unterschiedliche Nationen zusammengebracht. Auch Freundschaften seien entstanden.

Segeln auf dem Südsee in Braunschweig

Darauf aufbauend setzt die Naturfreundejugend Braunschweig ihre Arbeit fort. Nach den Osterferien können alle Interessierten und besonders die geflüchteten Jugendlichen unter anderem auf dem Südsee das Segeln lernen. Für zwei weitere Jahre fördert die "Aktion Mensch" das neues Projekt "leben. bewegen. miteinander.".

Die AfD-Fraktion im Rat hatte die 100.000 Euro Fördersumme den fünf Freischwimmer-Abzeichen gegenübergestellt. Für die Naturfreundejugend war das zu kurz gedacht. Der Verband betont, dass die Angebote sehr weit über den Schwimmkurs hinausgehen.

Unter anderem sei eine zweiwöchige Freizeit angeboten worden - oder der "Sommer am Südsee". Gleichzeitig habe die Fördesumme auch Personal- und Materialkosten sowie Fortbildungen und Seminare gedeckt.

TSC "Delphin" will wieder Tauchkurs anbieten

Auch der Tauchsportclub "Delphin" möchte sein Angebot gemeinsam mit dem Jugendmigrationsdienst der Caritas fortsetzen. Im vergangenen Jahr hatten 14 Flüchtlinge aus Syrien im Heidbergbad einen Tauchkurs absolviert. TSC-Vorsitzender Thomas Schnelle sagte news38.de, alle Teilnehmenden hätten ihre Beziehung zum Thema Wasser verändert.

"Sofern Traumata existiert haben oder noch existieren, ist die Belastung definitiv gemindert", so Schnelle. Gleichzeitig hätten auch die syrischen, muslimischen Mädchen ohne Ablehnung auf die anwesenden männlichen Teilnehmer reagiert.

"Alle hätten den Kursus gern weitergeführt, waren etwas enttäuscht, als es vorbei war", so Schnelle. Das Projekt solle im April fortgesetzt werden. "Unser Wunsch ist es, diesmal eine gemischte Gruppe umzusetzen." Allerdings sei die Finanzierung des Kurses noch nicht abgesichert. (ck)