Braunschweig 

Holocaust-Gedenktag in Braunschweig: AfD-Politiker soll provoziert haben – er sieht's anders

Nelken liegen neben gereinigten Stoplersteinen.
Nelken liegen neben gereinigten Stoplersteinen.
Foto: Bündnis gegen Rechts

Braunschweig. Das "Bündnis gegen Rechts" (BgR) erhebt schwere Vorwürfe gegen AfD-Politiker Stefan Wirtz. Der Landtagsabgeordnete und Ratsherr aus Braunschweig soll am Holocaust-Gedenktag provoziert haben. Wirtz selbst widerspricht.

Rangeleien beim Holocaust-Gedenktag in Braunschweig

Er war am Sonntag zur Kranzniederlegung an der KZ-Gedenkstätte Schillstraße gekommen. Dort soll es zu Rangeleien gekommen sein. Die Teilnehmer hätten versucht, den AfD-Politiker abzudrängen.

"Wirtz beleidigte Teilnehmer des Gedenkens als 'faschistoid', beschimpfte sie als 'SA' und weigerte beharrlich, zur Kenntnis zu nehmen, dass er an diesem Tag an diesem Ort unerwünscht ist", schreibt das BgR. Die Polizei habe eingreifen müssen.

Bisher keine Strafanzeigen

Das bestätigt auch Polizeisprecher Stefan Weinmeister - die Lage habe schnell beruhigt werden können. "Nach derzeitigen Erkenntnissen wurde niemand verletzt und es liegen im Zusammenhang mit dem Sachverhalt keine Strafanzeigen vor", teilte die Polizei Braunschweig am Montag mit.

AfD-Politiker widerspricht

Wirtz selbst sieht sich als Opfer. Bei Facebook schreibt er: "Von anderen Lokalpolitikern lange keine Reaktion, die Ehefrau eines ultralinken Ratsherrn und 'Antifa'-Sponsoren heizte zusammen mit einigen roten Altkadern die Stimmung sogar noch an." Die wahren Faschisten hätten wieder ihr Gesicht gezeigt, so Wirtz.

"Eine Zumutung für alle, die gedenken wollen"

Das BgR hält dagegen: "Die AfD, die sich immer wieder mit der Relativierung der NS-Zeit beschäftigt, hat dort nichts zu suchen! Ihre Anwesenheit beleidigt die Opfer und ist eine Zumutung für alle, die gedenken wollen", so der Gewerkschafter Sebastian Wertmüller für das Bündnis.

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Viele Stolpersteine sind beschmiert

Künftig müssten bei derlei Veranstaltungen sowohl die Täter als auch ihre geistigen Nachfahren klar benannt werden. "Auch so kann man Rechtsextremisten die Teilnahme erschweren, wenn sie dort hören müssen, in welcher Tradition sie sich mit ihrem Rassismus und Nationalismus bewegen", so Wertmüller.

Nach dem Vorfall beim Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus reinigte das Bündnis beschmierte Stolpersteine – die Mitglieder zeigten sich fassungslos über die Vielzahl der Schmierereien. Für einige Menschen sei es wohl normal, die Erinnerung an den Holocaust zu schmähen und die Orte der Erinnerung zu beschädigen. (ck)