Braunschweig 

Braunschweig: Der letzte Baum in der Jasperallee ist gefallen – "Wir brauchen Unruhe in dieser Stadt"

Der letzte Baum fiel in der Jasperallee um 8.20 Uhr.
Der letzte Baum fiel in der Jasperallee um 8.20 Uhr.
Foto: Christopher Kulling

Braunschweig. Am Donnerstagmorgen sind in Braunschweig die ersten 24 Bäume in der Jasperallee gefällt worden. Um 5.30 Uhr hatten sich deswegen rund 30 Aktivisten versammelt, die mit Trillerpfeifen und Megafon gegen die Abholzung demonstrierten. Alles blieb friedlich.

Jasperallee: Bäume werden gefällt

Bereits seit 5 Uhr war die Polizei Braunschweig im Großeinsatz. 14 Autos mussten abgeschleppt werden, da sie in Halteverbotszonen geparkt hatten und die Fällung behindert hätten. Gerüchte, dass Unbekannte die Verbotsschilder abmontiert oder versteckt haben, konnte Polizeisprecher Stefan Weinmeister weder bestätigen noch dementieren.

Die Polizei hatte den betroffenen Bereich der Jasperallee gesperrt, auch Fußgänger und Radfahrer durften nicht durch.

Bäume in der Jasperallee fallen: So ist der Plan

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Allerdings riefen die Demonstranten den Baumfällern die gesamte Zeit Beschimpfungen und Buhrufe zu. "Das ist Mord an der Natur. Hoffentlich kannst du heute Nacht gut schlafen", rief ein Aktivist einem Baumfäller zu.

"Das ist Mord an der Natur!"

Die Fällarbeiten wurden teilweise mit Schmerzschreien begleitet. "Es macht sprachlos, aber wir dürfen nicht sprachlos sein. Wir müssen lauter werden!"

"Wir dürfen jetzt auch keine Äste mehr mitnehmen, das könnte ja noch mehr emotionalisieren", so ein Baumschützer. "Oberbürgermeister Markurth, danke für diese Klimazerstörung!" Die Brut- und Setzzeit habe bereits angefangen, aber das interessiere die Stadt nicht. "Die Politiker sollten sich schämen für das, was sie anrichten!"

"Lügenpresse"-Rufe - und die Rolle rückwärts

Gleichzeitig kritisierten die Gegner der Aktion auch die mediale Berichterstattung. Es gab "Lügenpresse"-Rufe gegenüber den anwesenden Journalisten. Gegenüber der "Braunschweiger Zeitung" distanzierte sich der Sprecher der Bürgerinitiative Baumschutz, Edmund Schultz, von den Rufen: "Auf unseren Veranstaltungen wollen wir keine Nazi-Rufe."

Auch die Polizei bekam von Seiten der Demonstranten ihr Fett weg: "Die Polizei ist nicht mehr für die Bürger da, sondern für die Obrigkeit. Das sei wie zu Kaisers Zeiten: "Wir brauchen Unruhe in dieser Stadt und dürfen die Entscheidungsmacht nicht allein den Politikern überlassen. Die Politik muss in Panik geraten!"

Die Bilder:

Aktivisten wecken Anwohner mit Megafon

Einer der Demonstranten hatte die Anwohner mit einem Megafon geweckt: "Aufstehen, liebe Leute! Die Bäume werde heute gefällt! Eure Autos werden abgeschleppt!" Auch Silvesterraketen wurden gezündet.

Die Jasperallee war zwischen dem Theater und der Kasernenstraße in beide Richtungen gesperrt. Auch die Busse, die sonst über die Straße verkehren, mussten umgeleitet werden.

Winterlinden ersetzen Silberahorne

Die 24 Silberahorne wurden gefällt - sie seien krank, heißt es von der Stadtverwaltung. Um 8.20 Uhr war die Aktion vorbei und der letzte Baum fiel. Bis Ende März sollen neue Bäume gepflanzt werden.

Insgesamt sollen an der Jasperallee in drei Schritten 87 Bäume gefällt werden und mehr als 100 neue Bäume gepflanzt werden.

Der Erste Stadtrat Christian Geiger erklärte die Maßnahme: "Wir wollen im wahrsten Sinne des Wortes Grund reinbringen. Nur unter den richtigen Bedingungen können Bäume richtig wachsen." Silberahorne seien nicht für die städtische Umgebung gemacht.

Die 28 jungen Winterlinden, die die 24 Ahorne ersetzen sollen, seien wesentlich besser geeignet für diese Gegend. Bei ihrer Anlieferung seien die Bäume bereits fünf bis sieben Meter hoch und bereits 25 Jahre alt. (fb/ck)