Braunschweig 

"Antisemitismus ist tief in unserer Kultur verwurzelt" - mahnende Worte im Braunschweiger Dom

Der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, war am Dienstag in Braunschweig zu Gast (Archivbild).
Der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, war am Dienstag in Braunschweig zu Gast (Archivbild).
Foto: imago/epd
  • "Abend der Begegnung" im Braunschweiger Dom.
  • Bundesbeauftragter Felix Klein warnt vor Antisemitismus.
  • Evangelische Kirche habe sich bereits gut distanziert.

Braunschweig. Mahnende Worte im Braunschweiger Dom: Antisemitismus sei nicht nur eine Gefahr für unsere Demokratie, sondern öffne auch andern Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit Tor und Tür.

Das waren die Worte von Felix Klein, Bundesbeauftragter für jüdisches Leben in Deutschland. Er sprach am Dienstag beim "Abend der Begegnung" der Landeskirche Braunschweig im Dom.

Antisemitismus sei kein Fremdkörper unserer Kultur, sondern tief in ihr verwurzelt. Das führe auch heute noch zu antisemitischen Übergriffen, so Klein.

Klein warnt vor unbedachtem Sprachgebrauch

Er warnte davor, unbedacht vom "christlich-jüdischen Abendland" zu sprechen. Dadurch entstehe die Gefahr, dass der Antisemitismus negiert werde. Gleichzeitig könne das Schlagwort zur Diskriminierung von Muslimen beitragen.

Vor diesem Hintergrund forderte Klein, dass wir die historische Verantwortung für die Verbrechen, die an der jüdischen Bevölkerung verübt wurden, übernehmen.

Notwendig sei außerdem ein Bewusstsein für die unterschiedlichen Ausprägungen von Antisemitismus in den verschiedenen Bereichen unserer Kultur. Zudem sei Respekt vor der religiösen und kulturellen Eigenständigkeit der Juden sowie ihrer Leistungen gefordert.

Bundesweites dezentrales Meldesystem

Klein sprach sich darüber hinaus für ein bundesweites dezentrales Meldesystem aus, das nicht nur antisemitische Straftaten, sondern auch antisemitische Vorfälle unterhalb der Strafbarkeitsgrenze verzeichnet.

Als Definition von Antisemitismus bezeichnete Klein den "Hass gegenüber Juden" sowie diesbezüglich motivierte Angriffe auf Personen oder deren Eigentum sowie gegen jüdische Institutionen und Einrichtungen.

Klein bescheinigte der evangelischen Kirche, dass sie sich entschieden vom Antisemitismus distanziert habe: "Damit hat sie glaubhaft und zukunftsorientiert Verantwortung übernommen." Er lobte in diesem Zusammenhang die Initiativen des jüdisch-christlichen Dialogs im Braunschweiger Land. (ck)