Braunschweig 

Braunschweig will Wildbienen-Hauptstadt Deutschlands werden – das ist der Plan

Eine Frühlings-Seidenbiene (Colletes cunicularius) auf JKI-Gelände in Braunschweig
Eine Frühlings-Seidenbiene (Colletes cunicularius) auf JKI-Gelände in Braunschweig
Foto: J. Kaufmann/JKI

Braunschweig. "Bienenstadt Braunschweig" – die Stadt Braunschweig und das Julius Kühn-Institut (JKI) starten ein Vorreiterprojekt, bei dem über 16 Hektar im gesamten Stadtgebiet wildbienengerecht umgestaltet werden sollen. Braunschweig will den bedrohten Bienen eine neue Heimat, Schutz und Nahrung bieten.

"Ziel ist es, Braunschweig in ein Refugium für verschiedene Wildbienen-Arten zu verwandeln, in dem sie Nahrung und Lebensraum finden", sagt der Erste Stadtrat Christian Geiger, der auch für den Fachbereich Stadtgrün und Sport zuständig ist.

"Bienenstadt Braunschweig" - das ist geplant

Auf dem Weg zur "Bienenstadt" sollen in Braunschweig auf einer Fläche von rund 100.000 Quadratmetern artenreiche Wiesen entstehen. Das entspricht einer Größe von rund 14 üblichen Fußballfeldern.

Auf rund 30.000 Quadratmetern sind mehrjährige Blühstreifen sowie artenreiche Staudenpflanzungen geplant. Weiterhin vorgesehen sind sechs Streuobstwiesen und die Pflanzung von 500 Kopfweiden sowie 650 weiterer Bäume als Klimaschutz-Maßnahmen.

Das JKI-Institut für Bienenschutz begleitet die Maßnahmen wissenschaftlich. Die Experten wollen dabei konsequent durch die "Wildbienenbrille" auf die Stadt und ihre vorhandenen Grünflächen blicken, um herauszufinden, welche Pflanzenarten für welche Wildbienenarten attraktiv sind.

Bienenarten sollen sich in Braunschweig verbreiten

"In Deutschland leben über 560 Wildbienenarten mit unterschiedlichen Ansprüchen. Daher ist es wichtig, die jeweils richtigen Nahrungspflanzen in Kombination mit den bevorzugten Nistmöglichkeiten anzubieten. Zudem muss das Netz der Blühflächen eng genug gewebt sein, so dass sich die Arten innerhalb der Stadt verbreiten und auch ins Umland gelangen können, erklärt Henri Greil vom JKI.

"So weit uns bekannt ist, wird ein derartig ganzheitlicher Ansatz erstmalig in einer deutschen Großstadt verfolgt", sagt Michael Loose, Fachbereichsleiter für Stadtgrün und Sport. "Jeder bringt seine Kompetenzen ein und wir wollen natürlich auch zur Nachahmung anregen."

Domino-Effekt: Auch andere sollen profitieren

Bestenfalls hat das Ganze auch einen Domino-Effekt und wirkt sich auf andere Bestäuber wie Schmetterlinge und Schwebfliegen aus. Zumal auch andere Tiere wie zum Beispiel Vögel und Fledermäuse direkt oder indirekt von einem blühenden Pflanzenumfeld profitieren. Nicht zuletzt steigt für die Bürger die Lebensqualität in ihrer Bienenstadt Braunschweig.

Aus wissenschaftlicher Sicht gilt das Projekt ebenfalls als wegweisend. Partner aus ganz Deutschland begleiten es fachlich. In Gänze investieren Bund, Land Niedersachsen und die Stadt selbst knapp sechs Millionen Euro in das Vorhaben. Aus Braunschweig fließen 1,2 Millionen Euro in den Topf.

Um das Ziel der "Bienenstadt Braunschweig" zu erreichen, werden weitere Partner gesucht, die ihre Flächen wildbienenfreundlich gestalten oder das Projekt unterstützen möchten. (ck)